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Donald Trump beim Gespräch mit Sergej Lawrow.
Donald Trump beim Gespräch mit Sergej Lawrow.
Bild: EPA/Russian Foreign Ministry

Wie Trump sich von ausländischen Besuchern um den Finger wickeln lässt

US-Präsident Donald Trump soll den Russen streng geheime Informationen «verraten» haben. Kritiker sind entsetzt, aber nicht erstaunt. Sie sehen darin einen Beleg für Trumps Inkompetenz.
16.05.2017, 15:39

Man kann allerlei über Donald Trump behaupten. Eines aber ist sicher: Langweilig wird es mit ihm nie. Seit der Ankündigung seiner Kandidatur für die US-Präsidentschaft Mitte 2015 hält er Medien und Öffentlichkeit mit seinen Eskapaden auf Trab. Nun ist Trump ins Weisse Haus eingezogen. Und was einst vor allem amüsant war, wird nun immer mehr zu einem ernsthaften Problem.

Der jüngste Trump-Flop könnte gravierende Folgen haben. Er soll dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow hoch geheime Informationen weitergegeben haben, berichtete die «Washington Post». Diese stammten von einem Partnergeheimdienst aus dem Ausland. Trump hatte Lawrow und den russischen Botschafter Sergej Kislyak letzte Woche im Weissen Haus empfangen.

Sicherheitsberater Herbert McMaster konnte den Bericht nur teilweise dementieren.
Sicherheitsberater Herbert McMaster konnte den Bericht nur teilweise dementieren.
Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Konkret soll es sich um Details über den inneren Kreis des Terrornetzwerks «Islamischer Staat» (IS) handeln, genauer über die Bedrohung durch Laptops an Bord von Flugzeugen. Die USA haben die Mitnahme von Laptops im Handgepäck auf Flügen aus mehreren vorab muslimischen Staaten verboten. Angeblich sollen bald auch Flüge aus Europa davon betroffen sein.

Namen von «IS»-Stadt verraten

Die Informationen sind so heikel, dass sie nicht einmal mit Verbündeten und auch innerhalb der US-Regierung nur sehr restriktiv geteilt würden, berichtete die «Washington Post» unter Berufung auf gegenwärtige und frühere Mitarbeiter des Weissen Hauses. Es habe keine Genehmigung des befreundeten Geheimdienstes für eine Weitergabe an Russland vorgelegen.

Trotzdem scheint Trump sie im Gespräch mit Lawrow ausgeplaudert zu haben. Sicherheitsberater Herbert R. McMaster, der an der Unterredung im Oval Office teilgenommen hatte, dementierte den Bericht in Teilen. Trump habe weder über Quellen noch Methoden der Geheimdienste gesprochen und auch nicht über militärische Operationen, die nicht bereits öffentlich bekannt seien.

Allerdings hat die «Washington Post» nichts dergleichen behauptet. In einem Punkt aber soll der Präsident die Grenzen des Zulässigen überschritten haben. Er habe den Russen den Namen der Stadt im «IS»-Gebiet enthüllt, in der die Bedrohung entdeckt wurde. Dadurch könne Russland «unsere Quellen oder Techniken identifizieren», sagte ein hoher Regierungsvertreter.

Zwar bekämpfen sowohl die USA wie Russland den «IS». Ansonsten aber verfolgen sie in Syrien unterschiedliche Ziele. Für den Partnerdienst könnte Trumps Indiskretion deshalb zu einem ernsthaften Problem werden. Nach dem Treffen mit den Russen sollen Mitarbeiter des Weissen Hauses die CIA und die NSA «alarmiert» und sich um Schadensbegrenzung bemüht haben.

Kritik an Clinton im Wahlkampf

Illegal hat Trump wohl nicht gehandelt, er kann als Präsident und Oberbefehlshaber mehr oder weniger selber entscheiden, was geheim ist. Ein ranghohes Mitglied einer früheren Regierung, das Kontakte zur heutigen Administration pflegt, bezeichnete die Enthüllung dennoch als «ziemlich schockierend». Trump scheine «sehr sorglos zu sein und den Ernst der Lage nicht zu verstehen».

Im letztjährigen Wahlkampf hatte sich Donald Trump lautstark darüber empört, dass seine Rivalin Hillary Clinton als Aussenministerin einen privaten Mailserver verwendet hatte. Sie sei «sehr unvorsichtig gewesen im Umgang mit heiklen und hoch geheimen Informationen». Nun fällt der Vorwurf auf ihn zurück. Die Demokratische Partei teilte mit, wäre er nicht Präsident, könnten seine «gefährlichen Enthüllungen» an Russland dazu führen, dass er «in Handschellen endet».

David Kochel, der Chefstratege von Trumps innerparteilichem Rivalen Jeb Bush, twitterte, Senator John McCain habe «in seinen mehr als fünf Jahren Folterhaft im Hanoi Hilton dem KGB wohl weniger verraten als Trump in fünf Minuten im Oval Office». Im Wahlkampf hatte Trump erklärt, McCain sei kein Kriegsheld, weil er in Vietnam in Gefangenschaft geraten war.

Vertraute von Trump zeigten sich nicht erstaunt über den Bericht. Der Präsident selbst hat ihn indirekt bestätigt. Ein Trump-Berater erklärte gegenüber Politico, der Präsident habe wohl seine Besucher beeindrucken wollen. Er denke nicht, dass Trump die Absicht gehabt habe, geheime Informationen weiterzugeben: «Manchmal versteht er nicht, was seine Aussagen auslösen.»

Trump ist «ein Umfaller»

Darin zeigt sich eine weitere Facette von Trumps Narzissmus. Er ist nicht nur ein Egomane, sondern auch anfällig auf Schmeicheleien. Wer ihm Honig ums Maul schmiert, kann ihn leicht um den Finger wickeln. Was im Umgang mit ausländischen Staatsmännern höchst problematisch ist. Diese hätten erkannt, dass Trump «ein Umfaller» sei, titelte das Magazin «The Atlantic».

Das Treffen mit Sergej Lawrow ist dafür nicht das einzige Beispiel. Während etwa die Begegnung mit der trockenen Rationalistin Angel Merkel eisig verlief, setzten die Chinesen beim Besuch von Staatspräsident Xi Jinping in Trumps Privatklub Mar-a-Lago in Florida auf eine Charmeoffensive. Am Ende nahm Trump sogar den Vorwurf zurück, China würde seine Währung manipulieren.

Zu viel Inkompetenz

Der konservative «New York Times»-Kolumnist David Brooks kam zu einem vernichtenden Befund: Donald Trump sei ein infantiler Hohlkopf auf dem Niveau eines siebenjährigen Kindes: «Unreife ist die dominierende Tonalität seiner Präsidentschaft, fehlende Selbstkontrolle ihr Leitmotiv.» Trump sei der ewige Rekordhalter des Dunning-Kruger-Effekts. Dieser beschreibe das Phänomen, wenn «eine inkompetente Person zu inkompetent ist, um ihre eigene Inkompetenz zu verstehen».

Am Freitag bricht Präsident Trump übrigens zu seiner ersten Auslandsreise auf. Sie führt ihn unter anderem nach Saudi-Arabien und Israel, zu Papst Franziskus und zum G7-Gipfel auf Sizilien. Weitere Fettnäpfe liegen bereit.

Xi Jinping zu Besuch bei Donald Trump

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Xi Jinping zu Besuch bei Donald Trump
quelle: ap/ap / alex brandon
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