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Hungarian Prime Minister Viktor Orban replies to an independent MP during a question and answer session of the Parliament in Budapest, Hungary, Monday, March 30, 2020. MPs with 137 yes votes and 53 no votes have approved legislation that extends a state of emergency and gives the government extraordinary powers to enact measures to contain the spread of the novel coronavirus. The new coronavirus causes mild or moderate symptoms for most people, but for some, especially older adults and people with existing health problems, it can cause more severe illness or death. (Zoltan Mathe/MTI via AP)

Regiert mit weitreichenden Befugnissen: Viktor Orban. Bild: AP

«Politisch gefährlich» – Druck auf Orbans «Semidiktatur» nimmt zu



Nach der Ausschaltung des Parlaments in der Corona-Krise nimmt der Druck auf die ungarische Regierung zu. Während der österreichische Vizekanzler Werner Kogler einen Stopp von EU-Zahlungen an die «Semidiktatur» forderte, will der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), Donald Tusk, einen neuen Anlauf für den Ausschluss der Regierungspartei Fidesz machen. Kritik kam auch aus den USA.

«Die Pandemie auszunutzen, um einen permanenten Ausnahmezustand aufzubauen, ist politisch gefährlich und moralisch inakzeptabel», kritisierte Tusk in einem Schreiben an die Vorsitzenden der EVP-Mitgliedsparteien.

Tusk räumte ein, dass der Kampf gegen die Pandemie durch das Coronavirus derzeit «oberste Priorität» habe. «Aber die Zeit wird bald kommen, in der Sie Ihre Positionen erneut überdenken müssen», sagte er mit Blick auf jene EVP-Parteichefs, die bisher gegen einen Ausschluss von Fidesz aus der grössten europäischen Parteienfamilie waren.

epa08269151 European People's Party (EPP) President Donald Tusk delivers a speech, before Romanian President Klaus Iohannis (not pictured) to receive the 'European Society Coudenhove-Kalergi 2020' prize, during a ceremony held at Cotroceni Presidential Palace, in Bucharest, Romania, 04 March 2020. The Coudenhove-Kalergi European Prize is awarded every two years to citizens of Europe for exceeding accomplishments in the European unification process and for promoting European values.  EPA/ROBERT GHEMENT

«Politisch gefährlich und moralisch inakzeptabel»: Donald Tusk kritisiert Viktor Orban. Bild: EPA

Der EVP-Vizechef Johannes Hahn bezeichnete die Entwicklung in Ungarn als «besorgniserrgend». Der EU-Budgetkommissar wies zugleich darauf hin, dass die zuständigen Mitglieder der Brüsseler Behörde das ungarische Gesetz derzeit analysierten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Dienstag vorsichtig auf den ungarischen Beschluss vom Vortag reagiert. In einer Erklärung pochte sie darauf, dass Notmassnahmen «nicht unbegrenzt» dauern dürfen, nannte aber Ungarn nicht beim Namen.

Asselborn: Diktatorische Regierung

Der sozialdemokratische luxemburgische Aussenminister Jean Asselborn sprach sich indes dafür aus, dass Ungarn auf EU-Ebene das Mitentscheidungsrecht entzogen wird. «Ungarn gehört ohne Zeitverlust in eine strikte politische Quarantäne», sagte er der Tageszeitung «Die Welt». «Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass innerhalb der EU eine diktatorische Regierung existiert», betonte er.

Zurückhaltender fiel die Reaktion Deutschlands aus. «Ein Notstandsgesetz mit weitreichenden Einschnitten ist ein Anlass zur Sorge», sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr, am Mittwoch in Berlin. Staatsminister Michael Roth werde auch deswegen noch im Tagesverlauf mit der ungarischen Justizministerin Judit Varga telefonieren.

EU-Rechtsstaatsverfahren

Gegen Ungarn läuft bereits ein Rechtsstaatsverfahren der Europäischen Union, das in letzter Konsequenz zum Entzug von Stimmrechten führen kann. Ein Erfolg dieses Verfahrens ist jedoch fraglich, weil sich Budapest auf die Unterstützung Polens verlassen kann, gegen das ebenfalls ein Artikel-7-Verfahren im Gange ist. Für den Stimmrechtsentzug ist nämlich eine einstimmige Entscheidung der restlichen Mitgliedsstaaten erforderlich.

Kritik kam auch aus den USA. Eine Sprecherin des US-Aussenministeriums sagte am Mittwoch auf eine Frage zu Ungarn, Regierungen in aller Welt sollten im Kampf gegen das Coronavirus «unangemessene Beschränkungen» von Grundrechten vermeiden. «Regierungen sollten sicherstellen, dass solche Befugnisse auf die notwendige Zeitspanne beschränkt sind, um auf die derzeitige Krise zu reagieren, und aufgehoben werden, sobald sie nicht mehr notwendig sind.»

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Bürgermeister nicht entmachtet

Die ungarische Regierung machte indes einen ersten Rückzieher. Ein ursprünglich geplantes Gesetz zur Entmachtung von Bürgermeistern wurde am Mittwoch zurückgezogen.

Die Gemeindeoberhäupter hätten ihre Befugnisse sogenannten Schutzkommissionen übertragen sollen. Dies hätte die Opposition weiter geschwächt, hat sie doch bei den Kommunalwahlen im Oktober die Kontrolle über die Hauptstadt Budapest und weitere Grossstädte erlangt.

Zudem kündigte das Verfassungsgericht am Mittwoch an, die nunmehr ohne parlamentarische Kontrolle amtierende Regierung künftig stärker kontrollieren zu wollen. «In Ermangelung von Sitzungen des Parlaments» werde das Höchstgericht nun den Entscheidungen der Regierung eine «besondere Aufmerksamkeit» widmen, teilte der Präsident des Verfassungsgerichtes, Tamas Sulyok am Mittwoch mit. (cma/sda/apa)

Sars-Cov-2, Covid-19, Coronavirus – die wichtigsten Begriffe
Coronaviren sind eine Virusfamilie, die bei verschiedenen Wirbeltieren wie Säugetieren, Vögeln und Fischen sehr unterschiedliche Erkrankungen verursachen.

Sars-Cov-2 ist ein neues Coronavirus, das im Januar 2020 in der chinesischen Stadt Wuhan identifiziert wurde. Zu Beginn trug es auch die Namen 2019-nCoV, neuartiges Coronavirus 2019 sowie Wuhan-Coronavirus.

Covid-19 ist die Atemwegserkrankung, die durch eine Infektion mit Sars-Cov-2 verursacht werden kann. Die Zahl 19 bezieht sich auf den Dezember 2019, in dem die Krankheit erstmals diagnostiziert wurde.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paul55 02.04.2020 12:50
    Highlight Highlight 1954: Aufstand gegen die linke Diktatur!
    2020: Errichtung einer rechten Diktatur!
    seltsam....
    nicht soooo seltsam, wenn man bedenkt, dass 1944-1945 bei der Schlacht um Budapest die Ungarn auf der Seite der rechten Diktatur gegen die linke Diktatur kämpften!
    So oder so ist 2020 ein Armutszeugnis für Ungarn! Hoffentlich werden sie nach der Coronakrise überhaupt wieder zurückfinden. Wenn nicht, dann wird sich Europa hoffentlich von diesem Staat trennen!
    • Trinitrotoluol 02.04.2020 13:49
      Highlight Highlight Die Ungarn hatten im 2. Weltkrieg nicht viel zum Sagen. Militärisch unbedeutend. Es war jedoch zwischen den zwei Grossmächten eingespannt.

      Hitler hat Budapest zur letzten Festung erklärt.

      Ungarn wurde auch durch Deutschland besetzt:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Margarethe
      Kein Idiot hätte mehr zum gegebenen Zeitpunkt gegen die Russen gekämpft, ausser natürlich Hitler.

    • cdrom 02.04.2020 22:19
      Highlight Highlight Die EU wird eh zerfallen weil der Euro scheitert.
  • De-Saint-Ex 02.04.2020 10:58
    Highlight Highlight Ich weiss, ich werde mir in diesem Zusammenhang wohl wieder mal zig Blitze einhandeln: die Osterweiterung war in diesem Tempo, nur um im „Hinterhof“ der EU so schnell wie möglich eine Billig-Lohn-Stätte zu haben, ein kapitaler Fehler. Zu glauben, eine ganze Region könne hau ruck von einem diktatorischen in ein „demokratisches“ Staatenbündnis-System eingefügt werden war blauäugig. Wenn man zulässt, dass diese Staaten als Mitglieder der EU, wieder Staatsformen wie etwa Weissrussland annehmen, ist dies definitiv das Ende der EU, wie sie mal anberaumt war.
    • Trinitrotoluol 02.04.2020 13:22
      Highlight Highlight "so schnell wie möglich eine Billig-Lohn-Stätte zu haben"

      Stimmt nicht.
      Vor der Erweiterung waren diese Billig-Lohn-Stätte bereits schon längstens (ca 10-14 Jahren) vorhanden. Die vorallem deutsche und österreische Industrie hat direkt nach der Wende investiert.
      Ziel war eher volle Marktzugang für die EU Firmen zu gewährleisten. Dies bedeutete de facto Stilllegung der eigenen Industrie, da die Ostmitteleuropäer durch Zölle (wie die Scheiz auch) diese verteidigten.
      Als Gegenleistung hat die EU die Fördergelder angeboten.
      Diese Fördergelder führen übrigens zu Machtkonzentrazionen.
    • Trinitrotoluol 02.04.2020 13:25
      Highlight Highlight p.s. Österreich hat auch seine Mühe mit Demokratie.
      Nach der Krieg wurde Ö mit einer Grosskoalition für über 50 Jahre geführt.

      Nachher kam Jörg Haider.
    • Trinitrotoluol 02.04.2020 13:30
      Highlight Highlight Konzentration, da habe ich mich zu wenig konzentriert...
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