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Trump glaubt, dass es echt ist. Dabei hat Hollywood die Wahlen bloss inszeniert.
Trump glaubt, dass es echt ist. Dabei hat Hollywood die Wahlen bloss inszeniert.
Bild: RANDALL HILL/REUTERS

Alles war nur fake! Jetzt wird die «Trumpman-Show» aufgelöst

Seit Jahren wird dem Kino der Untergang vorhergesagt. Aber gopf! Mit der Trump-Wahl hat uns Hollywood schön gezeigt, dass es immer noch mächtig ist. So mächtig, dass es uns jahrelang an der Nase herumgeführt hat.
09.11.2016, 16:49
Falschmeldung
Satire - (fast) kein Wort ist wahr!

Hollywood, Los Angeles. Gelangweilt hocken die Bosse der grossen Filmstudios da bei ihrem alljährlichen Treffen. Nicht einmal ein paar Linien kolumbianisches Marschpulver schaffen es, die Stimmung anzuheben. Ihre hoch bezahlten Drehbuchschreiber liefern einfach nur noch Schrott! Die 18. Version eines Films, in dem ein Spinnenmann Leben rettet? Teil 7 einer Serie über aufgemotzte Autos und ihre mit Testosteron überfüllten Besitzer? Kein Wunder, will niemand mehr ins Kino.

Im Frust wird der Dom Pérignon flaschenweise vernichtet. Der Champagner, und irgendwann auch das Kokain, erzielen ihre Wirkung. Die Sinne sind vernebelt. Da hat Bob Brabham plötzlich einen Geistesblitz. «Wie wäre es», fragt der Chef der Film-Firma Werner Sisters in die Runde, «wenn wir der Welt aufzeigen, welche Macht nach wie vor von uns ausgeht? Make Cinema Great Again!»

Irgendwann kippt die Stimmung beim Treffen der Filmbosse ins Ausgelassene.
Irgendwann kippt die Stimmung beim Treffen der Filmbosse ins Ausgelassene.
bild: paramount pictures

Ein Serien-Highlight, das Abend für Abend die Kinosäle füllt

Der Boss von 18th Century Wolf drückt sanft den Kopf einer Escort-Dame mit prallen Brüsten von seinem Schoss und auch die anderen Anwesenden lauschen gespannt, was Brabham zu sagen hat. «Jetzt müssen wir zusammenstehen und es allen zeigen!», ruft dieser. «Wir verarschen die Welt und lassen sie glauben, dass ein Dummkopf wie Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wird! Wir machen es wie damals bei der ‹Truman Show›!»

«Die Truman Show»
Im Spielfilm aus dem Jahr 1998 (Trailer) mimt Jim Carrey den Versicherungs-Angestellten Truman Burbank. Ohne es zu wissen, ist er der Hauptdarsteller einer Live-Nonstop-Übertragung. Die ganze Show ist auf ihn ausgelegt, alle seine Verwandten und Freunde sind Schauspieler. Erst nach fast 30 Jahren kommt Truman dahinter und ihm gelingt die Flucht in die echte Welt.

Ungläubige Gesichter. «Das geht nicht, das glaubt uns doch kein Mensch», wendet Juan-Ramon Garcia von den Estudios Universales ein. Doch die Idee lässt die Filmbosse nicht los. Sechs Flaschen schottischen Single Malts später steht der Plan: Alle grossen Filmstudios Hollywoods spannen zusammen, um DEN Hypermegasuperduper-Blockbuster zu produzieren. Ein Serien-Highlight, das Abend für Abend die Kinosäle füllt.

Das Vorbild: Jim Carrey als Truman Burbank.
Das Vorbild: Jim Carrey als Truman Burbank.
bild: paramount pictures

Niemand weiss, dass alles erfunden ist

Doch erst muss die Kohle für das gewaltige Projekt aufgetrieben werden. Im Kino gibt es deshalb zunächst nur noch uninspirierte Fortsetzungen und Neuverfilmungen. Oder 3D-Ausgaben von Filmen, die schon in 2D niemand sehen wollte. In Hollywood muss gespart und alles sauber aufgegleist werden.

Im Jahr 2014 ist es soweit: Das Projekt steht. «Die Trumpman-Show» heisst es – und der Clou: Weder der Hauptdarsteller noch die Zuschauer wissen, dass alles nur ein Fake ist. Sie werden es erst erfahren, wenn im Kino alles aufgelöst wird.

Donald Trump wird damit geködert, der Star einer Reality-Sendung zu sein. Ein lukratives Angebot, das der Immobilien-Tycoon ebenso wenig ablehnt wie einen Kniff ins knackige Füdli der hübschen Praktikantin, welche der «Fernsehsender» zur Besprechung mitgebracht hat.

Dass Trump fremden Frauen gerne in den Schritt greift, erzürnt viele. Ins Kino gehen sie trotzdem.
Dass Trump fremden Frauen gerne in den Schritt greift, erzürnt viele. Ins Kino gehen sie trotzdem.
Bild: DARREN ORNITZ/REUTERS

Das Original schlägt die Figur um Längen

Die Hollywood-Bosse wählen die grösstmögliche Plattform für ihren spektakulären Stunt: die Präsidentschaftswahlen der Vereinigten Staaten von Amerika. Die ganze Welt soll glauben, dass wirklich ein Typ wie Donald Trump zum mächtigsten Mann des Planeten erkoren wird. Dafür wird ihm ein Drehbuch auf den Leib geschrieben, welches so unverfroren übertrieben ist, dass es die «Bachelor»-Produzenten vor Neid erblassen liesse.

Noch ist unklar, wie weit die «Trumpman-Show» letztlich gehen wird. Vielleicht scheitert Trump ja schon bei der internen Ausmarchung der Republikaner? Viele Millionen Dollar Gründe sorgen dafür, dass er diese Hürde locker nimmt. Und dass nun plötzlich rein zufällig viele hochrangige Parteimitglieder stolz einen Ferrari ausfahren, dessen Lack derart in der Sonne glänzt, dass es alle blendet.

Überall Kameras, egal wo Trump hinkommt.
Überall Kameras, egal wo Trump hinkommt.
Bild: JIM BOURG/REUTERS

Trump poltert und schwafelt Blödsinn, dass es den Hollywood-Bossen eine wahre Freude ist. Das Original schlägt die Figur, welche sie kreieren wollten, um Längen. Trump geht voll auf in seiner Rolle, greift Frauen in den Schritt und lässt sich dafür feiern. «Endlich mal ein Präsident, der keiner ist», feixen seine Fans. Und auf den genialen Einfall, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen und Mexiko selber dafür bezahlen zu lassen, war kein einziger dieser nichtsnutzigen Drehbuchschreiber gekommen. Schlicht grandios, dieser Trump!

Die Tradition von Monstern auf der Kinoleinwand

Irgendwann lässt Hollywood deshalb die Zügel schleifen. Es schaut selber gespannt zu, was dieser Tausendsassa Trump als nächstes verbricht. So gerät die Sache langsam, aber sicher aus dem Ruder. Denn Donald Trump, der zunächst nur wegen einer exorbitanten Gage bei der angeblichen Reality-Show mitmacht, findet mehr und mehr Gefallen daran. Und die Einschaltquoten sind der beste Grund dafür, weiterzumachen: Sie sind so hoch wie nie. Die Hälfte der Zuschauer regt sich fürchterlich auf und geht primär bloss deshalb ins Kino, um sich noch mehr zu ereifern. Doch was alle eint, ist die Neugier herauszufinden, wie weit es so ein Trottel schaffen kann.

Zieht Donald Trump sogar ins Weisse Haus ein? Hollywood-Boss Bob Brabham, der vor Jahren den Geistesblitz hatte, ist besorgt. Nun findet er seinen Einfall plötzlich nicht mehr so grossartig. Er wollte ja kein Monster schaffen, bloss die Kinosäle füllen. «Monster haben auf der Kinoleinwand ja eine lange Tradition», tröstet er sich jedoch.

Der spektakuläre Trailer zur «Trumpman-Show».
Video: streamable

Längst haben die Filmbosse begriffen, dass ihnen die ganze Angelegenheit über den Kopf gewachsen ist. Doch die «Trumpman-Show» ist ein solcher Kassenknüller, dass sämtliche Schamgefühle beiseite gewischt werden. Man geht bis zum letzten Schritt. Koste es, was es wolle.

Die Erlösung naht

Donald Trump wird am 9. November 2016 tatsächlich zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Der Blockbuster, den es wollte, hat Hollywood bekommen. Die Welt schaut mit sehr begrenzter Begeisterung in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Bald wird die Menschheit von diesem Schock erlöst. Heute Abend wird in den Kinos zu sehen sein, wie Bob Brabham sich mit Donald Trump trifft. Wie er ihm auf die Schulter tippt, um ihm zu sagen, dass alles nur ein Fake war und dass er jetzt aufhören könne, so zu tun als ob.

Ein Experiment, das die Welt in Atem gehalten hat, wird dann beendet sein. Oder gibt es aufgrund des überwältigenden Erfolgs eine Fortsetzung der «Trumpman-Show»?

Donald Trump wird der 45. US-Präsident – sein erster Auftritt

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Trump wird der 45. US-Präsident – sein erster Auftritt in Bildern
quelle: x90033 / mike segar
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Und damit das nicht untergeht:

«Egal was passiert, die Sonne wird morgen wieder aufgehen, und Amerika wird auch weiterhin das grossartigste Land auf der Welt sein.»
Barack Obama, Präsident der USA
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