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«Kebab, Moschee, wir haben die Nase voll» – Extremisten prägen Islam-Debatte in Frankreich

Unter dem Motto «Stopp dem Islamismus» marschierten am Sonntag der rechtsextremen Gruppierung «Génération Identitaire» auf den Pariser Strassen. Der Marsch war die Reaktion auf die Kundgebung «Stopp der Islamophobie» einer Woche zuvor.

Stefan Brändle aus Paris / ch media



epa08003916 Members of far right group Generation Identitaire (GI), march behind a banner reading 'Face Islamists, Defend France' during a demonstration against 'Islamization and terrorism' in Paris, France, 17 November 2019. 'Generation Identitaire' group is known to organize actions against migrants or the Muslim community in France.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

«Frankreich verteidigen» fordern die Demonstranten der Rechtsaussen-Gruppierung «Génération Identitaire». Bild: EPA

Wird der Islam radikaler – oder eher die Debatte darum? Die Frage stellt sich in Frankreich im Zuge gegensätzlicher Kundgebungen. Am vergangenen Sonntag gingen in Paris 500 Anhänger der rechtsextremen Gruppierung «Génération Identitaire» auf die Strasse. Der ungestörte Aufmarsch war nicht imposant, doch den Organisatoren ging es eher um die Wirkung in den sozialen Medien – und die ist sehr viel grösser, als es die etablierten Medien wahrhaben wollen. Die Slogans waren reisserisch: «Kebab, Moschee, wir haben die Nase voll», hörte man, oder: «Hier ist Paris, nicht Algerien.» Viele Spruchbänder richteten sich generell «gegen die Immigration von Marseille bis Calais».

Dabei stand die Demo offiziell unter dem Motto «Stopp dem Islamismus» – eine direkte Antwort auf einen Umzug eine Woche zuvor, der in Paris einen «Stopp der Islamophobie» verlangt hatte. Diese erste Kundgebung ihrer Art war mit 13000 Teilnehmern bedeutend stärker besucht.

Organisator war das «Kollektiv gegen Islamophobie in Frankreich» (CCIF). Seine jährlich erneuerte Liste physischer und verbaler Attacken gegen Moslems zeichnet ein drastisches Bild. Das letzte Beispiel lieferte Ende Oktober ein 84-jähriger Ex-Front-National-Kandidat, der vor der Moschee von Bayonne zwei Männer schwer verletzte.

Umstrittene Teilnehmer

epa08003933 Members of far right group Generation Identitaire (GI) hold posters of terrorists who perpetrated attacks in France during a demonstration against 'Islamization and terrorism' in Paris, France, 17 November 2019. 'Generation Identitaire' group is known to organize actions against migrants or the Muslim community in France.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Bild: EPA

Dem Demoaufruf folgten prominente Politiker wie Linkenchef Jean-Luc Mélenchon. Die Feministin Caroline de Haas zog ihre Unterschrift unter das Demo-­Manifest im letzten Moment zurück, als sie merkte, dass auch der umstrittene Imam Nader Abou Anas – der die Züchtigung von Ehefrauen rechtfertigt – zu den 50 Signataren gehörte.

Diskreditiert wurde die Demo auch durch Bilder teilnehmender Kinder mit einem gelben Stern an der Brust – eine höchst fragwürdige Parallele zur Judenverfolgung durch die Nazis. Der ehemalige CCIF-Direktor Marwan Muhammad brachte die Menge zudem auf einem Lieferwagen stehend dazu, «Allahu Akbar» (Allah ist grösser) zu skandieren. Die meisten Franzosen kennen diesen Ruf nur von Terroristen. Muhammad erklärte später, er habe mit seinem Auftritt im Gegenteil dazu beitragen wollen, dass sich die Moslems ihren Stolz auf ihre Religion nicht von Attentätern nehmen liessen. Seine Provokationsabsicht war aber unüberhörbar.

Gravierende Folgen

So drücken zunehmend Extremisten beider Lager der Islam-Debatte den Stempel auf. Ihnen geht es nicht um Argumente, sondern um Stimmungsmache: Der Aufmarsch der «Génération Identitaire» bestätigte implizit selber, dass Teile der französischen Bevölkerung durchaus eine ganze Religionsgemeinschaft stigmatisieren.

Das Kollektiv gegen Islamophobie wiederum muss sich nicht erst seit der Demo gegen den Vorwurf verteidigen, es stehe dem Milieu der ägyptischen Muslim-Bruderschaft nahe. Das verunmöglicht jede sinnvolle Debatte über die wirkliche Islamophobie. Laut einer neueren Umfrage erklären 40 Prozent der französischen Muslima und Moslems, sie seien schon rassistisch behelligt worden.

In dieser komplexen Debatte wird nur noch polemisiert und mit Schlagworten operiert. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen unterstellte dem «Kollektiv gegen Islamophobie» – und damit auch allen Demonstranten –, sie marschierten «Hand in Hand mit Islamisten». Im Visier hat sie Linkspolitiker wie Mélenchon. Im Unterschied zu ihm hielt Sozialistenchef Olivier Faure Distanz zu dem Umzug; der grüne Europawahlgewinner Yannick Jadot verzichtete schliesslich auf seine angekündigte Beteiligung.

Die Linke ist in dieser Frage gespaltener denn je. Und das gilt für die ganze französische Gesellschaft. Mit gravierenden Folgen: Solange Extremisten beider Lager den Ton angeben, wird die Integration der schon immer ausgegrenzten Banlieue-Zonen noch illusionärer.

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