International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Lateinamerika ist der neue Corona-Brennpunkt – 5 Punkte, die das zeigen



epa08477735 Clients wait to enter a market, in Sao Paulo, Brazil, 10 June 2020. Sao Paulo, the most populous city in Latin America, continued this Wednesday with the de-escalation of coronavirus restrictions that started at the beginning of the month and reopened the street trade, despite the fact that the state had a new record of deaths by COVID-19 on 09 June.  EPA/Sebastiao Moreira

Bild: keystone

Während Europa erst einmal das Schlimmste hinter sich hat und langsam zu so etwas wie Normalität zurückkehrt, steuert die Corona-Pandemie in Lateinamerika auf einen Höhepunkt zu. Die Infektionszahlen steigen rasant. Das Gesundheitswesen ist am Limit. Die Wirtschaft liegt darnieder. Wie gehen die verschiedenen Staaten mit der Krise um?

DIE ZAHLEN

Die Länder sind unterschiedlich stark betroffen. Spitzenreiter ist Brasilien mit fast 800 000 nachgewiesenen Infektionen und rund 40 000 Toten.

In Peru haben sich offiziell mehr als 200 000 Menschen infiziert, in Chile etwa 150 000. Mexiko meldet rund 134 000 Infektionen und fast 16 000 Todesfälle. In Argentinien hingegen ist die Lage mit gut 25 000 Infektionen und rund 700 Todesfällen noch weitgehend unter Kontrolle.

Mancherorts wird allerdings äusserst wenig getestet, so dass die tatsächlichen Infektionszahlen viel höher liegen dürften.

DIE MASSNAHMEN

Die Regierungen haben ganz unterschiedlich auf die Pandemie reagiert. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro tut das Virus als «leichte Grippe» ab. Er stemmt sich gegen jede Art von Schutzmassnahmen. Einige Bundesstaaten und Städte haben zwar Ausgangssperren verhängt und die Schliessung von Betrieben und Geschäften angeordnet. Aber es wird schon wieder gelockert.

100 symbolische «Gräber» am Strand von Copacabana

Vor Einkaufszentren in São Paulo bildeten sich lange Schlangen. Rio de Janeiro erinnert auch schon wieder an die Tage vor der Pandemie.

In Mexiko rief die Regierung nach langem Zögern die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben - Pflicht ist das aber nicht. Manche Industrien wurden als unerlässlich eingestuft, der Rest musste vorübergehend den Betrieb einstellen. In Lebensmittelgeschäften gilt Maskenpflicht, nicht aber in allen Behörden.

epa08480116 Informal merchants block one of the main avenues during a protest to demand financial support amid the ongoing coronavirus lockdown in Mexico City, Mexico, 11 June 2020.  EPA/JORGE NUNEZ

Maskenpflicht in Mexiko City Bild: keystone

Argentinien hingegen verhängte bereits Mitte März eine weitgehende Ausgangssperre, die zumindest im Grossraum Buenos Aires noch bis heute gilt.

DIE BEVÖLKERUNG

Streets vendors and shoppers wearing masks amid the spread of the new coronavirus fill a street in Lima, Peru, Monday, June 8, 2020, despite an extension of the state of emergency and quarantine, to June 30, to curb the spread of COVID-19. (AP Photo/Martin Mejia)

Alle tragen Masken in Peru. Bild: keystone

Die Akzeptanz der Massnahmen hängt auch von der wirtschaftlichen Lage ab. In Peru gelten sehr strenge Ausgangsbeschränkungen, trotzdem verzeichnet der Andenstaat nach Brasilien die meisten Infektionen. Dort - wie auch in Mexiko und anderswo - sind viele Menschen im informellen Sektor beschäftigt.

Schuhputzer, Müllsammler, fliegende Händler und Tagelöhner können es sich oft nicht leisten, zu Hause zu bleiben. In Brasilien waren trotz Ausgangssperren Märkte noch voll. Die Argentinier respektierten die Beschränkungen anfangs. Nach fast drei Monaten sind allerdings viele mit der Geduld am Ende.

WIRTSCHAFTLICHE FOLGEN

Sie sind verheerend. Die Weltbank sagt für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaftskraft um 7.2 Prozent voraus. Die Folgen der Rezession dürften in Lateinamerika dramatisch ausfallen, weil es kaum soziale Sicherungssysteme gibt. Die Organisation Aktion gegen den Hunger fürchtet, dass fast 30 Millionen Menschen in die Armut stürzen könnten.

epa08477737 Clients shop in a market, in Sao Paulo, Brazil, 10 June 2020. Sao Paulo, the most populous city in Latin America, continued this Wednesday with the de-escalation of coronavirus restrictions that started at the beginning of the month and reopened the street trade, despite the fact that the state had a new record of deaths by COVID-19 on 09 June.  EPA/Sebastiao Moreira

Laden im Zentrum São Paulo. Bild: keystone

So lockern manche Länder - wie Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Honduras - aus wirtschaftlichen Gründen bereits ihre Massnahmen, obwohl die Kurven weiter steigen. Einigen Ländern fehlt es an Geld, ihre Wirtschaft anzukurbeln. In Mexiko - zweitgrösste Wirtschaft Lateinamerikas nach Brasilien - bleibt die Regierung bei ihrer Sparpolitik. Das ohnehin unterfinanzierte Gesundheitssystem ist an seinen Grenzen.

Ärzte in Krankenhäusern müssen Schutzausrüstung selbst kaufen. Argentinien versucht, die grössten Härten abzufedern. Neun Millionen Menschen, die arbeitslos sind, im informellen Sektor arbeiten oder nur sehr wenig verdienen, erhalten pro Monat 10 000 Peso (rund 130 Euro) Staatshilfe. Kleinunternehmern werden zinslose Kredite gewährt.

DIE PRÄSIDENTEN

epa08475067 The President of Brazil Jair Bolsonaro participates in the raising of the national flag, in the Palacio do Alvorada, in Brasilia, Brazil, 09 June 2020. The Brazilian Supreme Court determined that the Government must re-disclose the daily data of the pandemic of the new coronavirus in a consolidated manner, as it had been doing until last Thursday, before adopting a new and controversial methodology, and gave a period of 48 hours to explain that decision.  EPA/Joedson Alves

Wehrt sich: Bolsonaro. Bild: keystone

Nicht alle werden ihrer Vorbildfunktion in der Pandemie gerecht. Während sich Argentiniens Staatschef Alberto Fernández als besonnener Krisenmanager gibt, schlägt der Brasiliens Präsident Bolsonaro alle Warnungen in den Wind. Er lässt sich von Anhängern feiern - Selfies ohne Maske inklusive.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador behauptet entgegen der Statistiken seiner eigenen Regierung schon seit einem Monat, die Infektionskurve sei in Mexiko abgeflacht. Mit Mundschutz sieht man den Linkspopulisten nie.

GRENZEN UND TOURISMUS

epa08354388 View of Bavaro beach in Punta Cana, Dominican Republic, 09 April 2020. The Dominican Government has warned that trips to the interior of the country are 'strictly prohibited' during the Easter holidays, a period in which thousands of people use to travel to beaches, rivers and other places of leisure. The Chamber of Deputies of the Dominican Republic authorized the extension of the state of emergency until 30 April, a shorter period than the one requested by the President, Danilo Medina. EPA/ Orlando Barri  EPA/Orlando Barria

DomRep: Niemand da. Bild: EPA

In Lateinamerika sind die Grenzen weitgehend dicht. Auf dem Landweg dürfen lediglich Gütertransporte die Grenzen passieren. Auch Flüge sind in einigen Ländern noch möglich. Allerdings wollen erste Länder wie Kuba bereits bald ihre Grenzen wieder öffnen.

Dahinter dürften handfeste wirtschaftliche Interessen stecken: In Mexiko, der Dominikanischen Republik und vielen anderen Karibikstaaten gehört der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Costa Rica und Kolumbien wollen im Ökotourismus Beschäftigte erst einmal in anderen, «grünen» Jobs unterbringen. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

100 symbolische «Gräber» am Strand von Copacabana

So wirkt sich eine Maske auf die Verbreitung von Viren aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Krise? Welche Krise? Reiche machen trotz Pandemie Billionen-Gewinn

Es gibt Gewinner in der Corona-Krise: Die reichsten Menschen der Welt konnten in der Pandemie Billionen an Gewinn machen. Die Zeche zahlen dagegen die armen Menschen. Sie spüren die Folgen zehn Jahre lang.

Die reichsten Privatmenschen und Unternehmer der Welt leiden nicht mehr unter den finanziellen Folgen der  Corona-Krise . Innerhalb von neun Monaten haben die Reichsten der Welt mit ihrem Vermögen wieder ihr Vor-Corona-Hoch erreicht. 

Ganz anders sieht es dagegen für die ärmeren Menschen auf der Welt aus: Sie werden die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zehn Jahre spüren. Das zeigt der am Montag veröffentlichte Oxfam -Report «The Inequality Virus», für den unter anderem 295 …

Artikel lesen
Link zum Artikel