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A picture of Bryce Fredriksz and his girlfriend Daisy is placed amidst 298 empty chairs, each chair for one of the 298 victims of the downed Malaysia Air flight MH17, in a park opposite the Russian embassy in The Hague, Netherlands, Sunday, March 8, 2020. A missile fired from territory controlled by pro-Russian rebels in Ukraine in 2014, tore the MH17 passenger jet apart killing all 298 people on board. United by grief across oceans and continents, families who lost loved hope that the trial which starts Monday March 9, 2020, will finally deliver them something that has remained elusive ever since: The truth. (AP Photo/Peter Dejong

Angehörige der MH17-Opfer haben vor der russischen Botschaft in Den Haag 298 Stühle aufgestellt. Bild: AP

MH17-Abschuss vor Gericht – Emotionen und eine leere Anklagebank



Fast sechs Jahre nach dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine soll ein Strafprozess in den Niederlanden eine der schlimmsten Flugzeug-Katastrophen der letzten Jahrzehnte ahnden. Angeklagt sind drei Russen und ein Ukrainer. Bei dem Absturz in dem Kriegsgebiet waren im Sommer 2014 alle 298 Insassen ums Leben gekommen.

Die Beschuldigten erschienen nicht, wie der Vorsitzende Richter Hendrik Steenhuis am Montag im Hochsicherheitsgebäude in Badhoevedorp bei Amsterdam feststellte. Den prorussischen Rebellen wird 298-facher Mord vorgeworfen.

Der Prozess, der bis ins kommende Jahr hinein dauern dürfte, wurde von Angehörigen der Opfer seit langem ungeduldig erwartet. Staatsanwältin Dedy Woei-a-Tsoi las die Namen aller Opfer vor - das dauerte fast 20 Minuten, und im Gerichtssaal wurde es ganz still. Beteiligte sprachen von einem sehr emotionalen Moment.

Richter Steenhuis sagte dazu, es sei nur Schweigen und Nachdenken angebracht. Den Crash in der Ostukraine nannte der Jurist ein «grauenhaftes Desaster» und fügte hinzu: «Alle sind gestorben.» Das jüngste Opfer war gerade ein Jahr alt, das älteste 82 Jahre. Die Auswirkungen der Katastrophe seien «kaum vorstellbar», so der Richter. Das Interesse für den aussergewöhnlichen Fall sei enorm.

epa08280372 Judges arrive in the courtroom of the heavily secured Schiphol Judicial Complex (SJC), where the international MH17 trial started, in Badhoevedorp, The Netherlands, 09 March 2020. The District Court of The Hague is set to hold its hearings for the international criminal trial on the downing of Malaysia Airlines Flight MH17 at the heavily-protected SJC. The Netherlands' Public Prosecution Service has issued international arrest warrants against four suspects (three Russians and a Ukrainian citizen) for allegedly bringing down the passenger jet. The plane crashed in eastern Ukraine on 17 July 2014, presumably after being shot down by a Buk surface-to-air missile amid the armed conflict in the Donbass region. All 283 passengers and 15 crew members, belonging to 10 different nationalities, were killed.  EPA/REMKO DE WAAL

Die Richter im schwer bewachten Schiphol Judicial Complex. Bild: EPA

Mit russischer Rakete abgeschossen

Die Angeklagten sollen am Einsatz eines aus Russland in die Ostukraine gebrachten Luftabwehrsystems des Typs Buk beteiligt gewesen sein. Eine vom Separatistengebiet aus abgeschossene Rakete russischer Bauart soll dann den Absturz des Flugzeuges verursacht haben.

Nur der Beschuldigte Oleg Pulatow, der eine führende Rolle im Geheimdienst der Separatistenregion Donezk gespielt haben soll, lässt sich in den Niederlanden über Anwälte vertreten. «Er ist nicht verantwortlich», sagte seine Anwältin vor Gericht.

Der Prozess ist politisch heikel, da Moskau jede Verantwortung für den Abschuss zurückweist. Die Verdächtigen müssen keine Auslieferung von Russland befürchten. Der russische Staat sitzt in den Niederlanden im Grunde mit auf der Anklagebank, denn seit Ausbruch des Krieges in der Ostukraine im Frühjahr 2014 unterstützt Moskau die Separatisten militärisch.

epa08275080 Russian President Vladimir Putin speaks at a meeting with local public representatives during his working visit to Ivanovo, Russia, 06 March 2020.  EPA/ALEXEY NIKOLSKY / SPUTNIK / KREM MANDATORY CREDIT

Wladimir Putin weist jegliche Verantwortung für den Abschuss zurück. Bild: EPA

Pompeo fordert Russland zu Mässigung auf

Im Westen wird das gigantische Gerichtsverfahren begrüsst. Es gehe darum, die Wahrheit herauszufinden und Gerechtigkeit für Opfer und Angehörige zu erreichen. US-Aussenminister Mike Pompeo forderte Moskau auf, seine aggressiven und destabilisierenden Aktivitäten in der Ukraine einzustellen.

Der Prozess findet unweit des Amsterdamer Flughafens Schiphol statt. Von dort aus war die Boeing 777 der Malaysia Airlines am 17. Juli 2014 in Richtung Kuala Lumpur gestartet. Es waren fast 200 Niederländer im Flugzeug, hinzu kamen Passagiere aus vielen anderen Ländern.

Piet Ploeg, Sprecher der Interessenvertretung «Stiftung Flugzeugkatastrophe MH17», sprach von einem sehr wichtigen Tag. «Die Hinterbliebenen haben fünfeinhalb Jahre gewartet. Wir hoffen, dass nun die Wahrheit auf den Tisch kommt», sagte er der Nachrichtenagentur ANP zufolge. Ploeg hatte bei der Katastrophe seinen Bruder, seine Schwägerin und seinen Neffen verloren.

Richter Steenhuis machte deutlich, dass Angehörige die Möglichkeit bekommen werden, vor Gericht über persönliche Konsequenzen zu berichten.

FILE - In this July 22, 2014 file photo, a pro-Russian rebel touches the MH17 wreckage at the crash site of Malaysia Airlines Flight 17, near the village of Hrabove, eastern Ukraine. Three Russians and a Ukrainian went on trial Monday. March 9, 2020 in the Netherlands, charged with multiple counts of murder for their alleged involvement in the 2014 downing of Malaysia Airlines Flight 17, which killed all 298 people aboard. (AP Photo/Vadim Ghirda, File)

Ein prorussischer Rebell schaut sich im Juli 2014 die Wrackteile der Boeing 777 an. Bild: AP

Russen und Ukrainer auf der Anklagebank

Der Prominenteste unter den Angeklagten ist der damalige Kommandant der prorussischen Rebellen, Igor Girkin, genannt «Strelkow». Er ist früherer «Verteidigungsminister» der Separatistenregion Donezk, als höchster Offizier soll er Kontakte zur russischen Armee unterhalten haben. Der frühere russische Offizier Sergej Dubinski war 2014 Stellvertreter Girkins und ebenfalls Kontaktperson zu Russland. Einziger Ukrainer ist Leonid Chartschenko, er soll eine Kampfeinheit in der Region geleitet haben.

Das Internationale Ermittlungsteam JIT untersucht seit 2014 den Fall, mit Experten aus den am meisten betroffenen Ländern Australien, Malaysia, der Ukraine, Belgien und den Niederlanden.

Die Akte zum Fall MH17 hat mittlerweile 36'000 Seiten; er sorgt in den Niederlanden für viel Aufsehen. Die grosse Zeitung «De Telegraaf» warf Russland zynische Machtpolitik vor - die Niederlande würden jedoch bei MH17 nicht lockerlassen. Moskau wies vor dem Prozessauftakt einmal mehr den Vorwurf zurück, nicht an der Aufklärung der Umstände mitzuwirken. (sda/dpa)

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Der Unglücksflug #MH17 – eine Chronik

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