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Claudia Conway hat eine ganz andere politische Einstellung als ihre Mutter Kellyanne, die bis vor kurzem eine der wichtigsten Trump-Beraterinnen war. bild: screenshot instagram

«Greta der USA»: Wie die 15-Jährige Conway-Tochter zur gefeierten Anti-Trump-Ikone wurde

Oliver Marquart / watson.de



Claudia Conway ist trotz ihres jungen Alters bereits jetzt eine Ikone im Kampf gegen den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Die erst 15-Jährige schiesst auf ihrem Tiktok-Kanal oft und gerne gegen Trump, 1.3 Millionen Follower sehen ihr dabei zu. Ist das schon bemerkenswert genug, so macht es ein Detail noch interessanter: Claudia ist die Tochter von Kellyanne Conway. Genau, die Kellyanne Conway. Ehemalige Trump-Beraterin, Erfinderin der «alternativen Fakten».

«Ich bin am Boden zerstört, dass meine Mutter wirklich auf dem Parteitag der Republikaner eine Rede hält. So richtig am Boden zerstört.»

«Der Job meiner Mutter hat mein Leben ruiniert. Es bricht mein Herz, zu sehen, dass sie weiter diesen Weg einschlägt, obwohl sie weiss, dass ihre Kinder seit Jahren darunter leiden. Egoistisch. Meine Damen und Herren: Es geht nur ums Geld und die Prominenz.»

Ihre Mutter Kellyanne Conway kündigte daraufhin ihren Rückzug als Trump-Beraterin an und erklärte, sie wolle sich auf die Familie konzentrieren. Ein herber Schlag für Donald Trump.

«Wenn man die lange Liste an Beratern betrachtet, die das Weisse Haus in den letzten dreieinhalb Jahren verlassen haben oder gefeuert wurden, wird deutlich, wie wichtig Kellyanne Conway für Präsident Trump war. Sie berät ihn seit seinen ersten Überlegungen zur Kandidatur 2011», sagte USA-Experte Thomas Jäger damals zu watson.

Der Rücktritt? War ein Triumph für Claudia, den die 15-Jährige auch öffentlich zelebrierte:

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So kommentiert Claudia Conway den Rücktritt ihrer Mutter ironisch auf Tiktok: «Ich, wie ich meine Mama dazu bringe, das Weiße Haus zu verlassen, um die Regierung zu stürzen und Amerika zu schützen.» bild: screenshot tiktok

Die 15-Jährige leakte auch die Covid-Erkrankung ihrer Mutter

Doch damit gab sich der selbstbewusste Teenager noch nicht zufrieden. Auch nach der Rückzugsankündigung ihrer Mutter gibt Claudia Conway mächtig Gas in den sozialen Netzwerken. Ein harmloserer Umgang mit ihrer republikanischen Mutter? Fehlanzeige.

In einem ihrer Tiktoks enthüllte Claudia zudem frühzeitig, dass ihre Mutter positiv auf Covid-19 getestet worden sei. Ihre Mutter hätte die ganze Zeit gehustet und habe sie vermutlich angesteckt, erklärte sie.

«Sie lügt über ihr Test-Ergebnis», behauptete Claudia zudem. Das war kurz nach Trumps öffentlicher Bekanntgabe seiner Corona-Infektion. Wenig später gab Kellyanne auf Twitter zu, dass sie positiv getestet worden war.

Claudia Conway erklärte ausserdem schon damals, dass der Zustand des Präsidenten ernster sei, als er selber zugeben wolle. Später erklärte sie aber, kein Insiderwissen über die Trump-Administration zu haben und bat um Privatsphäre für ihre Familie.

Es wird vermutet, dass ihre Mutter sie zu diesem Schritt gedrängt hat. Dazu würde auch passen, dass sie die Behauptung, ihre Mutter habe über ihr Test-Ergebnis gelogen, zurücknahm.

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Identitätsfindung als Motiv – Mutter ist ihre «beste Freundin»

Über ihre Motivation sprach Conway bereits Ende Juni mit dem »Insider". Sie erklärte, ihre Tiktoks spiegelten den Versuch wider, mehr über Politik zu lernen und sich von der konservativen Ideologie ihrer Familie zu lösen. Es sei schwierig, im Schatten einer so berühmten Mutter eine eigene Identität zu entwickeln, erklärte sie weiter.

«Wenn die eigene Mutter Kellyanne Conway ist, ist es wirklich, wirklich schwer, sich von diesem Bild zu distanzieren, denn die Leute schauen mich an und sagen: 'Oh, das ist Kellyanne Conways Tochter, sie muss Trump lieben'. In Wirklichkeit tue ich das aber nicht.»

Claudia Conway

Dennoch beharrte sie darauf, dass sie ihre Mutter als ihre «beste Freundin» betrachtete – und sie beschrieb ihre Eltern als «die grosszügigsten, am besten gebildeten Menschen», denen sie «nichts anderes als Erfolg und Glück» wünsche.

«Die Greta der USA»

Für ihr Engagement gegen Trump wird die 15-Jährige von vielen gefeiert. Wie gesagt, auf TikTok hat sie 1.3 Millionen Follower. CBS nannte sie kürzlich sogar die «Greta of the USA», natürlich in Anspielung auf Greta Thunberg, die ebenfalls den Regierenden trotzt, und wohl auch auf ihr junges Alter.

Die amerikanischen Medien scheinen von Claudia Conway ohnehin geradezu besessen zu sein. Jedes Posting von ihr verbreiten sie in Höchstgeschwindigkeit. Journalisten bitten sie regelmässig um Interviews, TV-Kommentatoren wünschen ihr in den Nachrichtensendungen eine baldige Genesung, wenn sie krank ist.

Viele aus ihrer Generation bewunderten Claudia Conway, sagt die TikTok-Nutzerin Isabelle Rittenhouse, Jura-Studentin aus Boston, zu CBS. «Gerade in ihrem Alter braucht es Mut, sich so gegen familiäre Werte zu engagieren – vor allem bei so berühmten Eltern.» Für sie ist der Unterhaltungswert von Claudias Beiträgen kaum zu übertreffen: «Es ist wie eine Reality-TV-Show. Man sitzt praktisch auf der Couch und hört Kellyanne schreien: 'Schreibst du wieder über mich? Ich lüge nicht!' Das ganze Land weiss, wie sie seit dem ersten Tag von Trumps Amtszeit gelogen hat.»

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