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Sexueller Missbrauch: Ehemalige Nummer drei des Vatikans überraschend freigesprochen



Der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Kardinal George Pell ist überraschend auf freien Fuss gekommen. Das höchste australische Gericht gab am Dienstag dem Berufungsantrag des 78-Jährigen statt.

In this Feb. 26, 2019, photo, Cardinal George Pell leaves the County Court in Melbourne, Australia. Australia’s highest court on Tuesday, April 7, 2020 will judge Pell’s appeal against convictions for molesting two teenage choirboys more than two decades ago. But the legal battle over the world’s most senior Catholic convicted of sexually abusing children may not end there. (AP Photo/Andy Brownbill)

George Pell im Februar 2019. Bild: AP

Die einstige Nummer Drei des Vatikans wurde daraufhin nach rund 13 Monaten in Haft aus einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Melbourne entlassen. Aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen wurde das Urteil in einem fast leeren Gerichtssaal in Brisbane von der Obersten Richterin Susan Kiefel gesprochen.

Australische Medien zeigten, wie Pell in einem Autokonvoi davonfuhr. Wohin, war zunächst nicht bekannt. In einer ersten Reaktion bezeichnete der 78-Jährige die Entscheidung des Gerichts als Heilmittel gegen die «ernsthafte Ungerechtigkeit», die ihm widerfahren sei.

«Kein Referendum über die katholische Kirche»

Er hege aber «keinen Groll» gegen seine Ankläger, sagte er in einer Presseerklärung. Er wolle nicht, dass sein Freispruch zum Schmerz und zur Bitterkeit, die so Viele fühlten, beitrage. Zudem betrachte er seinen Prozess nicht als Referendum über die katholische Kirche oder über den Umgang der australischen Kirchenbehörden mit Pädophilie. «Es ging darum, ob ich diese schrecklichen Verbrechen begangen hatte, und das habe ich nicht», betonte Pell.

Das Gericht befasste sich seit März mit dem letzten möglichen Einspruch des 78-Jährigen. Bei seiner Entscheidung folgte das Gericht den Argumenten der Verteidigung, die auf Schwächen in Zeugenaussagen hingewiesen hatte.

Im März 2019 war der frühere Erzbischof von Melbourne wegen des Missbrauchs von zwei Chorknaben in den 90er Jahren zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er weist alle Vorwürfe zurück. Der ehemalige Finanzchef des Vatikans ist der ranghöchste Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Die Aussage eines früheren Chorknaben, der heute Mitte 30 ist, war dabei massgeblich.

Pells Verteidiger argumentierten, dass diese nicht ausreichend war, um die Schuld des Kardinals zweifelsfrei festzustellen. Noch eines der Argumente: Nach einer Sonntagsmesse sei es unmöglich gewesen, dass ein Erzbischof fünf oder sechs Minuten in der Sakristei mit zwei Chorknaben alleine war – so soll es bei einem Übergriff gewesen sein.

Beweislast umgedreht

Bei dem anderen Fall, für den Pell verurteilt wurde, waren laut seiner Verteidigung keine Zeugen dabei. Die Anklage habe zudem die Beweislast umgedreht: Statt dass sie Pells Schuld beweist, musste die Verteidigung seine Unschuld beweisen.

Pells erster Versuch, das im März 2019 gesprochene Urteil von einem Berufungsgericht aufheben zu lassen, scheiterte im August. Demnach hätte Pell frühestens im Oktober 2022 aus der Haft entlassen werden können. Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts legten die Anwälte des Geistlichen beim obersten Gericht Einspruch ein, so dass sich dieses nun damit befasste. (sda/dpa)

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43
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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • De-Saint-Ex 07.04.2020 14:33
    Highlight Highlight Na ja... Pädophilie und sexueller Missbrauch von Minderjährigen generell ist nicht „nur“ eine katholische Spezialität... z.B. Epstein, Saville, Prinz Andrew (?), Polanski, Dutroux bis hoch hinauf in die belgische Politik, sprechen eine deutliche Sprache. Sogenannt Mächtige und Einflussreiche finden in der Regel immer „Schlupflöcher“... wird hier wohl noch anders gewesen sein.
  • stadtzuercher 07.04.2020 12:17
    Highlight Highlight @Füürtüfäli
    Was für ein primitiver Post. Erstens sprach eine Frau den Kardinal frei. Und zweitens waren die Opfer Männer.
  • Bruno Wüthrich 07.04.2020 10:53
    Highlight Highlight Wir alle wissen nicht, was damals war. Das Gericht muss Recht sprechen. Und das Recht (Gesetz) besagt fast überall, dass die Schuld eines oder einer Angeklagten zweifelsfrei feststehen muss, um ihn/sie verurteilen zu können. Wenn ein Gericht also Zweifel hat, muss es freisprechen. Zwingend!

    Es kommt auch so schon zu vielen Fehlurteilen. Würde auf Vermutung hin verurteilt, wären die Gefängnisse überfüllt mit Unschuldigen.

    Generell muss sich die Gesellschaft bewusst sein, dass es wohl eher vertretbar ist, dass ein Schuldiger nicht belangt werden kann, als dass ein Unschuldiger verurteilt wird.
    • Bits_and_More 07.04.2020 14:49
      Highlight Highlight Und in einem solchen Fall kommt erschwerend hinzu, dass der Missbrauch fast 30 Jahre zurückliegt. Die zweifelsfreie Schuld auf die Aussage eines damals 6-Jährige beweisen zu können, ist nach einer solchen langen Zeit extrem schwierig.
  • Strassenköter 07.04.2020 08:44
    Highlight Highlight „Überraschend...“
    Ist ja wiedermal sehr manipulativ genannt.
    Vielleicht sollte man Gerechterweise auch erwähnen das der Angeklagte von allen sieben Richter frei gesprochen haben.

    Aber natürlich kann man auch Verschwörungstheorien aufbauen, dass die ganze australische Justiz unterwandert wäre.
    • karl_e 07.04.2020 10:11
      Highlight Highlight Meines Wissens ist Australien grossmehrheitlich protestantisch. Folglich ist die australische Justiz wohl kaum katholisch unterwandert.
  • Name_nicht_relevant 07.04.2020 08:42
    Highlight Highlight Ich lese gerade ein Buch über die Domspatzen die Sexuell missbraucht und Misshandelt wurden, es ist extrem wie sich dieses Lügenhaus gebildet und gefestigt hat ohne das je Menschen an diese Schulen zweifelten. Es gab mehrere verurteilte Pedophile und trotzdem schickten Eltern die Kinder weiterhin i diese Internate. Ich bin froh das heute im www Zeitalter alles nachgelesen werden kann und man so die eigenen Kinder schützen kann.
    • Asho 07.04.2020 12:13
      Highlight Highlight @swisswitch: Ich arbeite im Sozialbereich und kann dir aus eigener Erfahrung berichten, dass mittlerweile praktisch alle Institutionen (städtische Tagesbetreuung, Kinderheime, Schulinternate, Beratungsstellen, Sozialämter, Jugendarbeit, Schulsozialarbeit) Strafregisterauszüge sowie den Sonderprivatauszug bei der Anstellung einfordern. Mein jetziger Arbeitgeber verlangt alle 4 oder 5 Jahre einen neuen Auszug. Es gibt keine Datenbank wo du privat nachschauen kannst (Datenschutz). Du könntest aber bspw. bei der Schulleitung nachfragen, ob die entsprechenden Strafreg.-Auszüge eingefordert wurden.
    • Name_nicht_relevant 07.04.2020 14:27
      Highlight Highlight @swisswitchbitch ja da hast du Recht, nur habe ich nicht gmeint das dies zu 100% Sicher ist, klar gibt es diese miesen Schlupflöcher. Jedoch ist es heute nicht mehr so schlimm wie damals und man konnte die Menschen noch eher Manipulieren wie heute. Wir sind offenener und ehrlicher und wir haben Internet und mehr Mundpropaganda wie früher.
    • Bits_and_More 07.04.2020 14:50
      Highlight Highlight Ich leistete vor wenigen Jahren Zivildienst in einer Schule und auch dort wurde mein Strafregisterauszug überprüft. Ich gehe stark davon aus, dass LehrerInnen genau so geprüft werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dracarys 07.04.2020 08:13
    Highlight Highlight Naja, ein bisschen veraltet als sich Pell noch versteckte, trotzdem
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  • Aliminator 07.04.2020 08:08
    Highlight Highlight Katholische Priester sind doch mittlerweile Synonym für Pädophilie. Einfach nur grausam, was Kindern angetan wird und von offizieller Stelle alles daran gesetzt wird, zu vertuschen und den Heiligenschein zu wahren.
  • insert_brain_here 07.04.2020 07:54
    Highlight Highlight „Überraschend“
  • Füürtüfäli 07.04.2020 07:39
    Highlight Highlight Das Netzwerk funktioniert!
    Mehr kann man dazu nicht sagen...

    Alte Männer sprechen alte Männer frei!
    • Brad Lit 07.04.2020 08:11
      Highlight Highlight Eine Frau hat ihn freigesprochen...
    • Ritiker K. 07.04.2020 09:59
      Highlight Highlight Lesen hilft:
      "Aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen wurde das Urteil in einem fast leeren Gerichtssaal in Brisbane von der Obersten Richterin Susan Kiefel gesprochen."
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 07.04.2020 10:24
      Highlight Highlight "Aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen wurde das Urteil in einem fast leeren Gerichtssaal in Brisbane von der Obersten Richterin Susan Kiefel gesprochen."
      Ist Frau Kiefel ein alter Mann ?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Therealmonti 07.04.2020 06:54
    Highlight Highlight Seinem Glauben nach wird er dereinst vor dem Jüngsten Gericht gerade stehen müssen. Und a gibt es dann keine Berufung mehr.
    • fabianhutter 07.04.2020 11:49
      Highlight Highlight @SwissWitchBitch: Da müssen Sie mir aber erklären, wie Sie auf diese theologische Fachaussage kommen.
      Abgesehen, dass das Konzept der Hölle allein sehr umstritten ist in theologie Kreisen, glaube ich nicht, dass Ihre Aussage im Einklang mit der katholischen Lehre steht.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 07.04.2020 12:01
      Highlight Highlight So wie ich die Bibel - als Nichtgläubiger - verstehe, muss ein Christ die Sünden bereuen um in den Himmel zu kommen. Entweder ist er unschuldig und kann beruhigt auf sein letztes Gericht warten oder er ist schuldig und so lange er leugnet bereut er nicht und....ab in die Hölle
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 07.04.2020 16:54
      Highlight Highlight Theoretisch.
      Der Papst kann ihnen theoretisch auch die Absolution erteilen, ohne dass sie wirklich bereuen, da er der absolute Stellvertreter des Big Boss ist. Ob das auch Bischöfe und Kardinäle können weiß ich jedoch überhaupt nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Freddie Quecksilber 07.04.2020 06:48
    Highlight Highlight Ich frage mich au ob ea überhaupt etwas bringt eine Person für etwas einzzsperren das vor fast 30 Jahren passiert ist. Die Rehabilationsaufgabe eines Gefängnis wird nicht mher Gewährleistet. Und ich finde Pädoohile sollte man eh nicht einsperren sondern durch einen Psychologen behandeln und vileicht in einer geschlossenen Wohngruppe für 2 Jahre unterzubringen. Sie können ja auch nichts dafür das sie diese Krankheit haben.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 07.04.2020 10:26
      Highlight Highlight Für die meisten Unterstütze ich deine Aussage zu 100%.
      Nur bei geistlichen, da bin ich vollkommen anderer Meinung, weil dort der Missbrauch System hat und systematisch gedeckt wird.
      Was für die gut wäre, weiß ich nicht. Und das was mir dazu durch den Kopf geht, darf ich nicht aufschreiben. Dafür kocht der Wahnsinn gerade viel zu sehr in mir.
    • Bits_and_More 07.04.2020 14:56
      Highlight Highlight Für die Krankheit können sie tatsächlich nichts, für die Tat jedoch schon. Leider ist Pädophilie in unserer Gesellschaft immer noch ein starkes Tabuthema. Es würde sehr viel bringen, wenn sich Pädophile vor einer Tat in Therapie begeben würden. Dazu gibt es auch das Programm "Kein Täter werden".
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 07.04.2020 15:22
      Highlight Highlight @Bits
      DAS ist echt mal ein so richtig großartiger Beitrag zum Thema Pädophilie.
  • The fine Laird 07.04.2020 06:42
    Highlight Highlight Nein so ein Zufall aber auch..🙄🙄🙄
  • Srslyguys? 07.04.2020 06:37
    Highlight Highlight Ahhh ja ich kenne das von solchen Psychotests oder Logik-games. Welches Wort passt nicht in die Wortgruppe/Satz des Titels... Bin mir sicher es ist "überraschend".....pls... wir haben es hier immernoch mit der Kirche zu tun. Bevor die einen ans Messer liefern (oder zum Kreuze tragen haha), kommt wohlmöglich wirklich der Messias.

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