International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Putin und Erdogan einigen sich auf Waffenstillstand für Idlib



Russia's President Vladimir Putin, right, and Turkish President Recep Tayyip Erdogan shake hands after a joint news conference followed six-hour talks in the Kremlin, in Moscow, Russia, Thursday, March 5, 2020. (Presidential Press Service via AP, Pool)

Erdogan (links) und Putin haben sich geeinigt. Bild: AP

Russland und die Türkei haben sich auf einen neuen Anlauf für einen Waffenstillstand in der syrischen Rebellenhochburg Idlib geeinigt. Dieser trete kurz nach Mitternacht zum Freitag in Kraft, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag in Moskau.

Der russische Staatschef Wladimir Putin sagte, dass nach rund sechs Stunden gemeinsamer Arbeit ein entsprechende Dokument entstanden sei.

Dem türkischen Aussenminister Mevlüt Cavusoglu zufolge, der kurz darauf einige Details des Abkommens beschrieb, garantieren Russland und die Türkei gemeinsam die Einhaltung des Waffenstillstands. Ausserdem soll ein Sicherheitskorridor entlang der wichtigen Verbindungsstrasse M4 eingerichtet werden. Der werde «sechs Kilometer tief im Norden und sechs Kilometer tief im Süden» der M4 etabliert.

Die M4 verläuft von der Regierungshochburg an der Mittelmeerküste im Westen des Landes über die Provinz Idlib Richtung nordsyrische Grossstadt Aleppo. Weil sie strategisch wichtig ist, wollen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sie unter Kontrolle bringen. Welchem Zweck der Korridor dienen soll, blieb zunächst unklar.

Das Abkommen gilt für den Teil der M4, der bislang von Rebellen gehalten wird. Innerhalb des geplanten Korridors liegen wichtige Städte, aus denen sich die Regierungsgegner dann zurückziehen müssten. Schon früher hatten sich die Türkei und Russland auf eine Pufferzone für Idlib geeinigt, die jedoch eine weitere Eskalation nicht verhindern konnte.

Umsetzung des Sotschi-Abkommens

Nach Angaben des russischen Aussenministers Sergej Lawrow sollen die Waffen entlang der Frontlinie in der bereits mit dem Sotschi-Abkommen von 2018 vereinbarten Deeskalationszone schweigen. Die Verteidigungsministerien beider Länder wollten in den nächsten sieben Tagen konkrete Massnahmen vereinbaren, um den Waffenstillstand zu überwachen.

Eigentlich gilt in Idlib bereits eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war aber das syrische Militär mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt. Hunderttausende Menschen fliehen derzeit vor den syrischen und russischen Angriffen in Richtung türkische Grenze. Beide Parteien des Waffenstillstandsabkommens sind sich einig, dass Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur nicht geduldet werden.

Russland ist in dem Bürgerkrieg die Schutzmacht der syrischen Regierung. Die Türkei unterstützt in der Region Rebellen, darunter islamistische Gruppen. Nach einem Abkommen mit Russland hat die Türkei in Idlib Beobachtungsposten eingerichtet, die sie mit Waffen und Personal in den vergangenen Wochen massiv aufgerüstet hatte.

950'000 Menschen in Idlib auf Flucht

Wegen der grossen Zahl an Flüchtlingen kommen Hilfsorganisationen in kurzer Zeit kaum noch damit nach, die Menschen zu versorgen. Die Region rund um Idlib ist eines der letzten Rebellengebiete in dem Bürgerkriegsland. Nach Uno-Angaben sind inzwischen 950'000 der drei Millionen Einwohner der Region auf der Flucht.

Die Türkei schloss am Donnerstag nicht aus, auch ihre Südgrenze zu Syrien für Flüchtlinge aus Idlib zu öffnen. Sie könnten dann auch weiter in die EU gelangen, warnte Innenminister Süleyman Soylu. «3,5 Millionen Menschen in Idlib und an den türkischen Grenzen sind derzeit in Not.»

Neue Luftangriffe

Kreise der syrischen Opposition meldeten erst am Donnerstag, dass bei neuerlichen Luftangriffen in der Provinz Idlib mindestens 14 Menschen getötet und etwa 20 verletzt worden seien.

Erdogan wollte mit seinem Besuch in Moskau verhindern, dass angesichts der Kämpfe in Idlib weitere Flüchtlinge in die Türkei kommen - sie hat bereits Millionen Syrer aufgenommen.

Am Samstag hatte die Türkei die Grenze in Richtung EU geöffnet. Daraufhin hatten sich Tausende Flüchtlinge auf den Weg zur türkisch-griechischen Grenze gemacht. Beobachter gehen davon aus, dass Erdogan die EU damit unter Druck setzen wollte, um der Türkei Beistand zu leisten und mehr finanzielle Hilfe zu bekommen.

Mit Spannung erwartet worden

Das Treffen zwischen Erdogan und Putin war angesichts der dramatischen Lage der Flüchtlinge in Idlib und der Gemengelage an der EU-Grenze mit Spannung erwartet worden. Erdogan wurde der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge von einer grossen Delegation begleitet, darunter Verteidigungsminister Hulusi Akar und Aussenminister Mevlüt Cavusoglu.

«Ich weiss, dass die Welt gerade zuschaut», sagte Erdogan zum Auftakt. Er verwies auch auf die guten Beziehungen zwischen Russland und der Türkei. Sie seien «auf dem Höhepunkt». Putin und Erdogan hatten in den vergangenen Wochen mehrfach über Idlib gesprochen. Trotzdem spitzte sich die Lage zu.

Nach dem Tod von mindestens 34 türkischen Soldaten bei einem syrischen Luftangriff in der vergangenen Woche hatte die Türkei eine Militäroffensive gegen das syrische Militär in der Region begonnen. Putin äusserte sein Bedauern über den Tod der Soldaten und nahm die syrische Armee in Schutz, die das nicht gewollt habe.

Gespräche zwischen Putin und EU-Ratspräsident

Der russische Präsident erörterte vor dem Treffen mit Erdogan nach Kremlangaben mit EU-Ratspräsident Charles Michel die schwierige humanitäre Situation in Idlib. Dabei verurteilte Putin das aggressive Vorgehen der Rebellen. Russland gibt ihnen die Schuld an der dramatischen Flüchtlingssituation. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Türkei verhaftet Journalisten

Unsicherheit und Unmut in der Türkei

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

19
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stef96 05.03.2020 20:46
    Highlight Highlight 'Die Region rund um Idlib ist eines der letzten Rebellengebiete in dem Bürgerkriegsland" Bürgerkrieg? Ach kommt schon.. In meinen Augen seit langem ein Stellvetreterkrieg der Grossmächte Russland & westlichen Nato-Partnern
    • So oder so 05.03.2020 23:05
      Highlight Highlight Das so was 2020 immer noch zieht? Aber ja, die Türkischen Nato Partner sind ja soooo Begeistert vom Erdogan.
  • äti 05.03.2020 19:55
    Highlight Highlight Waffen ist das eine: das verstehen die zwei. Humanitäre Hilfe ist das andere: da herrscht blankes Unverständnis. Übel.
  • Von Bönigen 05.03.2020 19:54
    Highlight Highlight Dieser Waffenstillstand ist zwar vorerst für die Zivilbevölkerung gut. Dennoch ist er wohl nicht viel wert. Hätte der Westen (=USA) 2015 eingegriffen, hätte Putin sich in die Hundehütte zurückgezogen.
    • easy skanking 06.03.2020 09:53
      Highlight Highlight jopp, weil das eingreifen der usa so legal ist (niiicht). uno gewaltverbot! nachzulesen im internet odr wiki
    • laska 06.03.2020 11:47
      Highlight Highlight Selten so einen Blödsinn gelesen. Im Übrigen ist Russland die völkerechtsmässig einzig legitime ausländische Macht in Syrien. Die USA hatten nie das Recht, in dem auch mit Hilfe des Westens angezettelten Konflikt einzugreifen. Die Resultate ihrer Eingriffe kann man ja u.a. im Irak, Libyen oder Afghanistan sehen. Bei den Letzteren haben sich auch die Taliban nicht in die Hundehütte zurückgezogen, sondern im Gegenteil den USA eine bittere Lektion erteilt.
    • easy skanking 06.03.2020 18:31
      Highlight Highlight danke Iaska.. schon erstaunlich, wie die menschen sich an schlagzeilen festklammern, obwohl diese längst völlig offiziell widerlegt wurden.
      fakt ist, bleibt und wird immer sein: als saddam, mubarak, muammar, etc.. regierten, herrschte eben auch frieden in der region.. seit den 'humanitären' einsätzen, seitens der nato und der usa, seh ich kein frieden in den ländern, oder bin ich so geblendet von den tatsachen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • easy skanking 05.03.2020 19:53
    Highlight Highlight in jedem anderen land, werden gruppierungen, welche mit waffen und gewalt gegen die regierung und bevölkerung vorgehen, als terroristen bezeichnet. hier nennt man sie "rebellen", in afghanistan terroristen.. kann es sein, dass die medien uns mit falschen bezeichnungen in die irre führen, um meinungen zu schaffen, und militärisches eingreifen zu rechtfertigen? sowie 2x irak, iran, lybien, afghanistan, etc.?
    • So oder so 05.03.2020 23:07
      Highlight Highlight Wie Alt waren sie als der Irak Krieg (2) begonnen hat ?
    • Locutus70 05.03.2020 23:51
      Highlight Highlight @make.love.not.war - Ich fand heute einen Videobericht auf tagesschau.de - da war davon die Rede, das die türkische Armee zusammen mit ISLAMISTISCHEN Rebellen gegen syrische Truppen kämpfen und das dies lt. der Leute in der Region der Frieden bringen soll. Danach sah man zwei Frauen im Niqab - ich fasse es wirklich nicht, was mit den JournalistInnen in Deutschland los ist.
    • Töfflifahrer 06.03.2020 06:23
      Highlight Highlight Die Rebellen so d die Gruppierung die im sog. Arabischen Frühling sich gegen Diktator Assad auflehnten. Die Terroristen ist der IS. Für Erdogan sind die Terroristen jedoch die Kurden. Er hat ja den Kampf gegen den Terrorismus aktiv unterstütz und dabei IS Gruppierungen unterstützt und die Kurden angegriffen.
      Was jetzt in Idlib ist sind also die ehemals vom Westen gefeierten Assad Gegner.
    Weitere Antworten anzeigen

Analyse

Warum in den USA Schwarze nicht mehr atmen können

Wieder töten Polizisten Schwarze. Auch bald 160 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges ist der Rassismus noch allgegenwärtig.

Die erste Szene scheint harmlos genug zu sein: Im New Yorker Central Park bittet ein Schwarzer eine weisse Frau, doch bitte ihren Hund an die Leine zu nehmen, wie es gesetzlich vorgeschrieben sei. Die junge Frau flippt aus und droht, die Polizei zu rufen. Der schwarze Mann bleibt ruhig und beginnt, die Szene mit seinem iPhone zu filmen.

Die Polizisten erscheinen und stellen fest, dass die junge Frau zu keinem Zeitpunkt bedroht war, und ziehen wieder ab. Der schwarze Mann stellt das Video ins …

Artikel lesen
Link zum Artikel