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Türkei schiebt «IS»-Kämpfer nach Europa ab – aber nicht in die Schweiz



Turkish President Recep Tayyip Erdogan speaks to reporters,  in Ankara, Turkey, Thursday, Nov. 7, 2019. Erdogan said Thursday members of slain Islamic State group leader Abu Bakr al-Baghdadi's

Recep Tayyip Erdogan. Bild: AP

Etwa jeder dritte der Islamisten, die aus Deutschland ins Gebiet des sogenannten «Islamischen Staates» («IS») ausgereist waren, ist tot. Von denen, die den Niedergang des Pseudo-Kalifats überlebt haben, kommen jetzt einige zurück. Abgeschoben aus der Türkei. Darunter sind auch andere Nationalitäten – allerdings keine Schweizer, wie aus Bern heisst.

Das Aussendepartement (EDA) habe keine Kenntnis, dass kürzlich terroristisch motivierte Schweizer Reisende in der Türkei festgenommen worden seien, hiess es am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA in Bern.

Die Türkei schiebt in dieser Woche mindestens sieben mutmassliche Anhänger der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») mit zwei Kindern nach Deutschland ab. Es ist das erste Mal, dass militante Islamisten auf diesem Weg nach Deutschland zurückkehren.

Bisher hatte die deutsche Regierung nur bei der Rückholung einiger weniger «IS»-Kinder assistiert. Dutzende Anhänger der Terrormiliz kamen in den vergangenen Jahren auf eigene Faust zurück – viele von ihnen landeten später vor Gericht.

Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Montag mit, dass am Donnerstag sieben deutsche Staatsangehörige aus der Türkei ankommen sollen, am Freitag dann noch einmal zwei weitere Deutsche. Insgesamt kämen in dieser Woche fünf Frauen, drei Männer und zwei Kinder an. Bei einem Mann, der bereits am Montag aus der Türkei nach Deutschland abgeschoben werden sollte, gibt es nach Angaben der deutschen Regierung keine Beziehung zu der Terrormiliz.

Bei zwei der Frauen gebe es Anhaltspunkte, dass sie sich in Syrien aufgehalten hätten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Bei den anderen Deutschen könne dies ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Noch sei aber nicht klar, ob es einen Bezug zum «IS» gebe.

Wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr, sollen mindestens zwei der Frauen aus dem Lager Ain Issa in Syrien ausgebrochen sein. Vier der insgesamt fünf Frauen sollen in der vergangenen Woche in der Türkei festgenommen worden sein. Eine von ihnen ist dem Vernehmen nach eine Konvertitin aus Hamburg. Der Mann, mit dem sie einst ins «IS»-Gebiet ausgereist war, soll schon vor Jahren getötet worden sein.

Zwei der Deutschen seien in Syrien gefasst worden, sagte der Sprecher des türkischen Innenministeriums, Ismail Catakli, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Wo die anderen aufgegriffen wurden, sagte er nicht.

Amerikaner, Däne, Iren, Franzosen

Neben den Deutschen sind demnach 15 weitere ausländische «IS»-Mitglieder betroffen. Ein Amerikaner und ein Däne wurden nach Angaben Cataklis bereits abgeschoben. Die Rückführung von elf französischen «IS-Kämpfern» und zwei Iren sei geplant. Sie seien ebenfalls in Syrien gefasst worden.

Die türkische Armee hatte am 9. Oktober Nordsyrien überfallen und eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die sie als Terrororganisation betrachtet.

Während der Militäroffensive wurden nach offiziellen Angaben 287 «IS»-Anhänger festgenommen, darunter Frauen und Kinder. Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sitzen derzeit mehr als 1000 Anhänger des «IS» in türkischen Gefängnissen, darunter 737 ausländische Staatsbürger.

Unklar ist, wo sie aufgegriffen wurden. Der «IS» hatte in der Vergangenheit auch zahlreiche Terroranschläge in der Türkei verübt.

Schutzmacht Russland

In Nordsyrien haben sich die Türkei und Russland als Schutzmacht des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad inzwischen darauf geeinigt, den zuvor zwischen der Kurdenmiliz YPG und türkischen Truppen umkämpften Grenzstreifen gemeinsam zu kontrollieren. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben sich nach russischen Angaben zurückgezogen.

Die SDF hatten vor Beginn des türkischen Einmarschs die Kontrolle über Tausende «IS»-Gefangene. Schätzungsweise 10'000 «IS»-Kämpfer waren in mehreren SDF-Gefangenenlagern im Nordosten Syriens untergebracht, davon etwa 2000 ausländische Kämpfer sowie etwa 8000 syrische und irakische Staatsbürger.

Die Kurdenmilizen hatten ausserdem die Kontrolle über mehrere Lager, in denen rund 70'000 Frauen und Kinder untergebracht waren. Tausende von ihnen sollen Angehörige von «IS»-Mitgliedern sein.

Mit dem Abzug der US-Truppen aus dem Nordosten Syriens war der Druck auf die Kurden gestiegen, die Gefangenen unter Kontrolle zu halten. Im Oktober gab es Berichte über Gefängnisausbrüche. Mehrere europäische Staaten haben es bisher abgelehnt, «IS»-Anhänger zurückzuholen, die von den SDF in Nordsyrien gefangen genommen worden waren. (aeg/sda/afp/reu)

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