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Jürgen Todenhöfer in seinem jüngsten Interview aus Syrien. bild: screenshot Jürgen todenhöfer/facebook

Bekannter deutscher Journalist interviewt «Al-Nusra»-Kommandant – alles nur ein Fake?



Scoop oder Propaganda? Ein am Montag veröffentlichtes Interview des deutschen Publizisten Jürgen Todenhöfer mit einem angeblichen Rebellen-Kommandeur mit dem Namen Abu Al Ezz aus Syrien sorgt für Furore. Der interviewte Al-Nusra-Kämpfer – die dschihadistische Gruppe hat sich erst im Juli mit «Jabat Fatah al-Sham» einen neuen Namen gegeben –behauptet, man erhalte Unterstützung aus Israel und aus den USA. «Die Amerikaner stehen auf unserer Seite», sagt der Kommandeur zu Todenhöfer im Interview. 

Wer ist Jürgen Todenhöfer?

Jürgen Todenhöfer ist ehemaliger CDU-Abgeordneter und Publizist. Als erster Journalist bereiste er Gebiete unter Kontrolle des sogenannten «Islamischen Staates» und interviewte «IS»-Kämpfer. Er hat mehrere, teilweise polarisierende, Bücher und Publikationen über Terrorismus und den sogenannten «Islamischen Staat» verfasst. Er gilt als Experte auf dem Gebiet. (leo)

13 Tage lang hat sich Todenhöfer laut eigener Aussage mit seinem Sohn in Syrien aufgehalten. «Mit Worten lässt sich das Ausmaß der Zerstörungen und des Leids auf beiden Seiten kaum noch beschreiben», schreibt er nach seiner Rückkehr im «Kölner Stadt Anzeiger». Das Interview sei von einem syrischen Rebellen aus Aleppo organisiert worden und der Steinbruch in dem es stattfand, sei unter Kontrolle der Rebellen.

Er habe die Identität von Abu Al Ezz recherchiert und wisse praktisch alles über ihn. Für Todenhöfer ist der Mann eine vertrauenswürdige Quelle und er berichtet offen über die Geldgeber der Al-Nusra-Front: Saudi-Arabien, Katar und Kuwait, Israel und die USA.

Das Video schlägt ein. Es wird innerhalb von zwei Tagen mehr als 700'000 aufgerufen und 14'000 Mal geteilt. Unterschiedliche Medien nehmen das Interview auf. Die schweren Anschuldigungen werfen aber Fragen auf. In den Kommentarspalten wird heiss diskutiert: «Die USA und die NATO gehen wirklich über Leichen. Wir werden nur noch manipuliert», so ein User auf Facebook. Andere hingegen zweifeln die Authentizität des Al-Nusra-Mannes an.

Al-Nusra und Al-Qaida

Die Al-Nusra-Front ist eine der stärksten Milizen im Kampf gegen Assad. Sie war zuvor der Ableger der Al-Qaida in Syrien, löste sich aber im Juli offiziell von der Terrororganisation ab. Experten vermuten, diese Abspaltung diene lediglich dem Zweck, das Label als Terrororganisation abzulegen. Die Verbindungen zwischen den beiden Milizen bestünden nach wie vor.

Obwohl die Al-Nusra-Front eine ähnliche Ideologie wie die des sogenannten «Islamischen Staates» verfolgt, gelten die beiden Gruppen als verfeindet. (leo)

Ein User der Online-Community-Plattform Reddit will den Drehort des Interviews lokalisiert haben. Die Region sei schon lange in der Hand des Regimes. Weiter lauten die Vorwürfe, die vermeintlichen Al-Qaida-Kämpfer trügen die Uniformen der syrischen Armee und seien rasiert. Eher untypisch für die Dschihadisten unter den Rebellen-Kämpfern. Er erwähnt auch, dass der Interviewte einen goldenen Ring trage. Ein schweres Vergehen unter Dschihadisten.

Ein anderer Kommentator des Videos schreibt: «Der Typ heisst Abou Hamdou und ist Agent des syrischen Geheimdienstes von Baschar al Assad. Herr Todenhöfer, wieviel haben Sie bezahlt und an wen, um dieses Interview zu machen? Der Mann hat einen goldenen Ring an seiner Hand, gemäss dem radikalen Islam muss man dafür bestraft werden.»

Auch auf Twitter haben sich mehrere Kommentatoren an den Unstimmigkeiten gestossen. Ein Propaganda-Kanal der Al-Nusra-Front auf der Kurznachrichtenplattform bestreitet, dass Todenhöfer mit einem ihrer Mitglieder gesprochen habe.

Todenhöfer reagierte bisher nicht auf die Kritik. In seiner Einleitung zum Video auf Facebook schreibt er: «Ich mache mir keine der Äusserungen von ‹Abu Al Ezz› zu eigen. Jeder kann und soll sich selbst ein Urteil bilden.» 

Update: Jürgen Todenhöfer hat inzwischen auf Facebook Stellung genommen zu den diversen Vorwürfen.

(leo)

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