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Twitter-Heldin mit Kopftuch und Duckface als Antisemitin entlarvt



Was für eine anrührende Story: Da macht eine junge Muslima ganz entspannt «Peace-Selfies» vor einer Anti-Islam-Demo in Antwerpen, lässt so das traurige Häufchen flämischer Rechtsextremisten steinalt aussehen und avanciert prompt zur strahlenden Twitter-Heldin. 

Die mutige junge Frau kam dem Fotografen Jürgen Augusteyns vor die Kamera – und bald hypten zahllose Medien die Fotos der Selfie-Frau im Hidschab: BBC, TelegraphHet Laatste Nieuws, Huffington Post, Vice, Buzzfeed  oder Mashable France, sie alle lobten den charmanten Protest gegen dumpfbackige Islam-Feinde. 

Ein verhängnisvoller Tweet

Leider hat die Geschichte einen Haken. Zakia Belkhiri, wie die Muslima heisst, hat selber rassistischen Dreck am Stecken. Im November 2012 hatte die 22-Jährige getwittert:  

«Hitler brachte nicht alle Juden um, er liess ein paar übrig. Damit wir wissen, warum er sie tötete #fuckrs.»

Zwar säuberte Belkhiri flugs ihren Twitter- und Facebook-Account, kaum war sie zur Toleranz-Ikone avanciert. Doch sie war nicht schnell genug – Screenshots ihres antisemitischen Tweets begannen auf Twitter zu kursieren:  

Und auch ein einschlägiges Zitat aus ihrem – inzwischen gelöschten – Facebook-Account machte nun die Runde: 

«Verdammte Juden wollaah habe so einen Hass auf sie a3oedoebillah!»

Zu unguter Letzt grub noch jemand ein Posting von Belkhiri auf Ask.com aus. Dort hatte sie vor zwei Jahren die Frage «Würdest du gern Hebräisch sprechen lernen?» eher undiplomatisch mit «Fuck diese Judensprache!» beantwortet. 

«Fuck diese Judensprache!»

Zakia Belkhiri

Alles falsch gemacht

Was folgte, war ein Lehrstück aus der beliebten Serie «Wie ich auf Social Media alles falsch mache». Die ertappte Twitter-Heldin wollte zuerst plötzlich ganz bescheiden zurück in die Anonymität («ich will nicht berühmt sein») und ersuchte die Twitter-Öffentlichkeit so flehentlich wie aussichtslos, ihre Bilder zu löschen: 

Zakia Belkhiri

Im nächsten Schritt behauptete sie dann keck, die inkriminierten Tweets seien mit Photoshop gefälscht worden: 

Zakia Belkhiri

«Ich habe nichts gegen Juden und diese Tweets sind nicht einmal echt?? Das ist gephotoshopt, aber wow wie traurig, alles suchen, um mich fertig zu machen.. »

Zuletzt erklärte sie, sie habe ja nur die «Zionisten» gemeint: 

Zakia Belkhiri

«Meine Aussage vor so vielen Jahren war damals auf die Zionisten gemünzt, an alle anderen Juden meine ehrlichen Entschuldigungen! Peace and love.»

Wer den Schaden hat ... 

Der Rest war dann, wie so oft in diesen Fällen, Schweigen: Mittlerweile ist Belkhiris Twitter-Account nicht mehr zugänglich; auch ihren Facebook- und den Ask-Account hat sie offenbar gelöscht. 

Dafür sind andere auf Twitter umso aktiver: Auf der Plattform kursieren Fotomontagen, auf denen die Selfie-Muslima mit Duckface vor Bilder von KZ-Häftlingen oder islamistischen Terroranschlägen gestellt wird. 

Die unschöne Geschichte vom Aufstieg und Fall der Twitter-Heldin Belkhiri ist auch ein Lehrstück in Medienkunde: Zahlreiche Medien berichteten über Belkhiris Selfie-Protest gegen die Demonstration des rechtsextremen Vlaams Belang, aber nur eine Handvoll von ihnen – so die BBC oder Het Laatste Nieuws  – machten sich die Mühe, auch den unschönen Ansichten der Twitter-Heldin ein paar Zeilen zu widmen. 

Umso breiter walzen dafür rechtspopulistische Blogs wie Geenstijl.nl – der als erster über Belkhiris Tweets berichtete – oder Breitbart.com die antisemitischen Tiraden der Muslima aus.  (dhr)

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