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epa05338938 Human rights activist Nadia Murad Bansee Taha speaks at the state parliament in Hanover, Germany, 31 May 2016. The human right activist spoke about her time as a prisoner of the Islamic State during a fraction meeting of SPD party. Nadia Murad Basee Taha is nominated for the Nobel Peace Prize.  EPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Nadia Murad wurde am Freitag offiziell in ihr Amt als Sonderbotschafterin eingeführt. Bild: EPA/DPA

Nadia Murad wurde vom «IS» als Sexsklavin misshandelt – jetzt ist sie UNO-Sonderbotschafterin



Eine 23-jährige Jesidin aus dem Irak, die vom «IS» als Sexsklavin missbraucht wurde, ist zur UNO-Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel ernannt worden. Nadia Murad Basee Taha wurde am Freitag in New York offiziell in das Amt eingeführt.

«Ich hatte Glück, denn ich konnte entkommen, was tausenden anderen nicht gelang», sagte Murad bei der Zeremonie am UNO-Sitz. Murad war im August 2014 aus ihrem Heimatdorf Kocho nahe der nordirakischen Stadt Sindschar in die Hochburg der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») nach Mossul verschleppt worden.

Sindschar liegt westlich von Mossul, nahe der syrischen Grenze. google maps

«Ich war nicht allein»

Dort wurde sie Opfer von Gruppenvergewaltigungen, mehrmals wurde sie weiterverkauft. «Ich wurde auf die Art und Weise benutzt, wie sie es wollten», sagte die 23-Jährige. «Ich war nicht allein.»

Murad forderte die Freilassung von schätzungsweise 3200 jesidischen Frauen und Mädchen, die weiter als Sexsklavinnen vom «IS» festgehalten werden, und verlangte, die Täter vor Gericht zu stellen. Ihre grosse Angst sei es, dass die «IS»-Kämpfer, wenn die Miliz einmal besiegt sei, «einfach ihre Bärte abrasieren und durch die Strassen der Städte gehen, als sei nichts gewesen», sagte Murad. «Wir dürfen das nicht geschehen lassen.»

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er sei «zu Tränen gerührt» vom Schicksal der jungen Frau, aber auch von «ihrer Kraft, ihrem Mut und ihrer Würde».

Unterstützung von Amal Clooney

Als Sonderbotschafterin der UNO wird Murad auf das Leid der Opfer von Menschenhandel aufmerksam machen, vor allem auf das Schicksal von Flüchtlingen, Frauen und Mädchen. Unterstützt wird sie dabei von der Anwältin Amal Clooney. Diese bezeichnete das Vorgehen des «IS» gegen die Jesiden als «Völkermord». «Und wir wissen, dass er andauert», fügte sie hinzu. «Ich schäme mich als Mensch, dass wir ihre Hilferufe ignorieren», sagte Clooney mit Blick auf die Opfer.

epa05536754 British human rights attorney Amal Clooney (L) and Premier of federal state Baden-Wuerttemberg Winfried Kretschmann (R) speak to the press at state ministry in Stuttgart, Germany, 12 September 2016. Amal Clooney is campaigning for international awareness of the Yezidi people's situation in the northern Iraq.  EPA/BERND WEISSBROD

Amal Clooney. Bild: EPA/DPA

Anlässlich der kommende Woche beginnenden Generaldebatte der UNO-Vollversammlung in New York, zu der Staats- und Regierungschefs aus aller Welt anreisen, wollen der Irak und Grossbritannien am Montag eine Kampagne für die Bestrafung von Verbrechen des IS starten. An der Veranstaltung sollen neben dem britischen Aussenminister Boris Johnson auch Murad und Clooney teilnehmen. (dwi/sda/afp)

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