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USW Jumbo US-Wahlen Donald Trump Joe Biden

Biden oder Trump? Es kann nur einen geben. Bild: watson/keystone/shutterstock

Trump vs. Biden: Das ist der Stand der letzten Umfragen und Prognosen

In den USA sind die Wahllokale geöffnet. Die Umfragen und Prognosemodelle lassen mehrheitlich einen Sieg von Joe Biden erwarten. Aber ganz klar ist die Sache nicht.



Für viele Menschen in Amerika ist es die wichtigste Präsidentschaftswahl ihres Lebens: Heute entscheidet sich, ob Donald Trump im Amt bleiben oder der Demokrat Joe Biden ihn aus dem Weissen Haus verdrängen wird. Oder auch nicht. Bei einem knappen Ausgang drohen wüste Streitigkeiten vor Gericht und womöglich gewalttätige Ausschreitungen.

In den meisten Umfragen und Prognosemodellen allerdings liegt Biden in Führung. Teilweise deuten sie auf einen Landslide hin, einen Erdrutschsieg. Eine gewisse Unschärfe aber bleibt. Wir zeigen einen Überblick über den letzten Stand der meistbeachteten Vorhersagen:

Umfragen

Fox News letzte Umfrage Wahlen 2020

Nationale Umfragen sind mit dem Makel behaftet, dass der US-Präsident nicht direkt gewählt wird, sondern vom Electoral College (Hillary Clinton holte 2016 fast drei Millionen Stimmen mehr als Donald Trump). Wichtiger sind die Ergebnisse vor allem in den Swing States, in denen das Rennen knapp ist. Wir beschränken uns deshalb auf zwei Umfragen.

Trumps «Haussender» Fox News sieht in der letzten Umfrage unter wahrscheinlichen Wählern Joe Biden mit 52 : 44 Prozent in Führung. Bei «Erzrivale» CNN ist Bidens Vorsprung mit 52 : 42 Prozent etwas grösser. Der Sender aus Atlanta wagt auch eine Prognose zum Electoral College: Biden holt 279 Stimmen (270 sind notwendig).

Real Clear Politics

Das politisch neutrale Medienunternehmen wird stark beachtet, auch weil es bei seinen Querschnittsumfragen und Prognosen auf der vorsichtigen Seite agiert. 2016 lag es nicht völlig daneben: Auf nationaler Ebene hatte Clinton am Wahltag einen Vorsprung von 3,2 Prozent (tatsächlich waren es 2,1). Bei den Elektoren führte sie mit 203 zu 163 Stimmen.

Auch 2020 wagt sich RCP nicht auf die Äste hinaus. Joe Biden liegt gegen Donald Trump mit 6,7 Prozent vorne. Im Electoral College ist das Rennen in zwölf Staaten offen, weshalb Biden/Harris auf 216 und Trump/Pence auf 125 Stimmen kommen. Im «bereinigten» Modell ohne Swing States ist das Bild klarer: Biden siegt mit 319 zu 219 Stimmen.

Fivethirtyeight

Bild

Der Statistiker Nate Silver erreichte mit seinem selbst entwickelten Prognosemodell Kultstatus, weil er die Wahlsiege von Barack Obama 2008 und 2012 fast auf den Bundesstaat genau vorhergesagt hatte. 2016 hingegen lag er ziemlich falsch: Am Wahltag errechnete er für Hillary Clinton eine Siegchance von 71,4 : 28,6 Prozent.

Die Kritik an Silver war teilweise überzogen, denn mit fast 30 Prozent hatte Donald Trump eine beachtliche Chance, das Blatt zu wenden. Jetzt sieht es schlechter aus: Fivethirtyeight kommt im aktuellen Modell auf 89 : 10 Prozent für Biden (der Rest ist Unschärfe). Nate Silver aber warnt, das Rennen sei «tricky». Denn 10 Prozent sind nicht nichts.

The Economist

Das britische Wirtschaftsmagazin riskiert dieses Jahr erstmals eine Prognose zur US-Präsidentschaftswahl. Der letzte Befund ist sehr deutlich: Joe Biden wird im Electoral College mit 96 Prozent Wahrscheinlichkeit gewinnen. Trump kommt nur auf 4 Prozent. Doch die Macher dieses Modells fragen sich, ob sie Bidens Chance nicht überbewerten.

270toWin

Die überparteiliche Website erfasst Umfragen und Modelle von neun Organisationen. In der letzten Prognose zur Wahl 2020 liegt Joe Biden mit 279 Elektorenstimmen über der «magischen» Marke von 270. Donald Trump kommt auf 163 Stimmen. Die restlichen 85 entfallen auf fünf Swing States sowie einen unklaren Wahlkreis im Staat Maine.

Crystal Ball

Larry Sabato Crystal Ball letzte Prognose Wahl 2020

Larry Sabato von der Universität Virginia ist einer der angesehensten Politologen der USA. Er hat ein Prognosemodell namens Crystal Ball (Kristallkugel) entwickelt. 2016 hatte er sich böse vertan, als er einen Sieg für Hillary Clinton mit 322 zu 216 Elektorenstimmen berechnete. «Was soll man sagen – wir haben es vermasselt», meinte Sabato zum Flop.

Dennoch ergibt der Blick in die Kristallkugel 2020 eine ähnlich klare Prognose: Joe Biden wird mit 321 : 217 die Wahl gewinnen. Larry Sabato begründet die Prognose damit, dass Bidens Vorsprung während des Wahlkampfs weitgehend stabil war. Wegen der weltweiten Pandemie sei Trump zudem in einer erheblich schwächeren Position als 2016.

Trafalgar Group

Der Meinungsforscher Robert Cahaly landete 2016 einen Volltreffer, als er Donald Trumps Sieg gegen Hillary Clinton fast punktgenau vorhersagte. Das machte ihn zum Liebling der Trump-Fans. Dieses Jahr sieht seine Trafalgar Group den Präsidenten erneut vorne. Er werde mehr als 270 Elektoren erreichen, sagte Cahaly gegenüber «Newsweek».

In der Fachwelt ist Cahaly eine umstrittene Figur. Seine Methoden gelten als intransparent und wenig vertrauenswürdig. «Die Leute sind nicht ehrlich zu den Meinungsforschern», verteidigte sich Robert Cahaly letzte Woche auf CNN. Er kann darauf verweisen, dass er auch bei den Midterms 2018 eine hohe Trefferquote erzielen konnte.

Primary Model

Primary Model Prognose US-Wahl 2020

Der deutsche Politologe Helmut Norpoth von der Stony Brook University in New York hat ein Modell entwickelt, das den Sieger der Präsidentschaftswahl aufgrund der Ergebnisse und des Enthusiasmus in den Vorwahlen ermittelt. Seine Prognose für 2020 ist eindeutig: Donald Trump hat eine Erfolgschance von 91 Prozent. Joe Biden kommt nur auf 9 Prozent.

Seine Methode habe rückblickend in 25 von 27 Wahlen seit 1912 zum richtigen Ergebnis geführt, behauptet Norpoth. Die einzigen Ausnahmen seien die extrem knappen Wahlen 1960 und 2000. Es fragt sich allerdings, welche Rolle die Primaries in einem Jahr spielen, in dem die Corona-Pandemie so ziemlich alles in den Schatten stellt.

13 Keys to the White House

Der Politologe Allan Lichtman von der American University in Washington gilt als Superstar unter den Politauguren. Mit seinen «13 Schlüsseln zum Weissen Haus», einer Kombination verschiedener Parameter, hat Lichtman seit 1984 jeden Wahlsieger akkurat vorhergesagt, vor vier Jahren auch Donald Trump. 2020 hingegen tippt er auf Joe Biden.

Insgesamt ergibt sich eine klare Tendenz für Joe Biden. Die Pollster und Analysten haben aus den Fehlern von 2016 gelernt und ihre Methoden verfeinert. Aber Covid-19 und die allen Konventionen widersprechende Persönlichkeit von Donald Trump machen das Rennen bis zum Schluss spannend. Entscheidend dürfte die Mobilisierung sein.

Filmemacher und Linken-Ikone Michael Moore jedenfalls ist skeptisch. Er hat 2016 Trumps Sieg vorhergesagt. Dieses Jahr will er sich nicht festlegen, doch er ist überzeugt, dass Trump-Wähler ihre wahren Absichten in den Umfragen häufig verschleiern. Man müsse Bidens Vorsprung halbieren, «und dann ist man innerhalb der Fehlermarge».

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