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epa06980461 Pope Francis (R) poses with a group from Quintana Roo in Mexico during the weekly general audience in Saint Peters Square, Vatican City, 29 August 2018.  EPA/ANGELO CARCONI

Papst Franziskus mit mexikanischen Ureinwohnern. Bild: EPA/ANSA

Der «katholische Bürgerkrieg» ist ausgebrochen – und mitten drin der Papst



Papst Franziskus habe «die abscheulichen und frevelhaften Verhaltensweisen des ehemaligen Erzbischofs von Washington, Theodore McCarrick» lange Zeit gedeckt. Durch die Zusammenarbeit mit McCarrick habe der Papst «das Böse vervielfältigt» und «die Wölfe ermutigt, weiterhin die Schafherde Christi zu zerfleischen». So steht es in einem Brief verfasst vom 77-jährigen Erzbischof Carlo Maria Vigano und gespickt mit Vorwürfen. Gemäss dem Spiegel war Vigano von 2011 bis 2016 Botschafter des Vatikans in der amerikanischen Hauptstadt Washington und er formulierte in Richtung Franziskus: «Möge er der Erste sein, der zurücktritt.»

Konkret geht es um eine riesige Zahl von mutmasslichen Fällen sexuellen Missbrauchs im Rahmen der katholischen Kirche. Die Rede ist von über 1000 Kindern, die Opfer geworden seien, und über 300 Priestern, die sich schuldig gemacht hätten. Der eingangs erwähnte Theodore McCarrick – ehemaliger Bischof von Washington – soll in den 80er Jahren junge Männer und auch Minderjährige zu Sex genötigt haben.

Die aufkeimenden Vorwürfe sorgen nun dafür, dass sich die Fronten in der katholischen Kirche zusätzlich erhärten. Kirchen-Journalist Matthew Schmitz schreibt in der New York Times von einem «katholischen Bürgerkrieg». 

Analog zu vielen Gebieten und Staaten der Welt, in welchen sich die Pole zunehmend radikalisieren, erlebe auch die katholische Kirche ein Auseinanderdriften der eher liberalen und fundamentalistischen Katholiken, speziell in den USA.

«Tentakel einer Krake»

Die orthodoxen Katholiken stehen gemäss «Spiegel» dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump deutlich näher als Vorgänger Barack Obama, das moderne Handeln von Papst Franziskus, seine seelsorgerische Art passt ihnen gar nicht. Dass der Papst sich in seiner Funktion neu auch zu Themen wie Migration, Weltklima oder Todesstrafe äussert, halten die fundamentalen Katholiken für grundfalsch. Der Papst löse so die existierenden Regeln von Ehe und Familie auf, und konzentriere sich stattdessen darauf, Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern entgegenzukommen.

Archbishop Carlo Maria Vigano, Apostolic Nuncio to United States, listens to remarks at the United States Conference of Catholic Bishops' annual fall meeting, Monday, Nov. 16, 2015, in Baltimore. (AP Photo/Patrick Semansky)

Vigano im November 2015. Bild: AP/AP

Doch nicht nur Franziskus ist den orthodoxen Katholiken ein Dorn im Auge, auch die liberalen Bischöfe in den USA bekommen ihr Fett weg. Im Brief Viganos sind es dann auch genau die papstnahen Bischöfe, die mit McCarrick und weiteren Geistlichen die katholische Kirche zerstören wollen. Vigano formuliert in seinem Brief unmissverständlich, man müsse «die homosexuellen Netzwerke in der Kirche ausradieren», diese seien überall und «agieren verdeckt von Geheimnissen und Lügen mit der Macht der Tentakel einer Krake.»

Fakt ist: Der Brief Viganos kommt den orthodoxen Kirchen-Anhängern sehr recht, es kursiert auch das Gerücht, wonach er bestellt worden sei. Stellt sich noch die Frage nach dem Motiv Viganos. 2015 wurde dieser nach einem Zwischenfall nicht zum Kardinal befördert, sondern von Franziskus rausgeschmissen. Der Erzbischof hatte die Standesbeamte Kim Davis ins Programm einer USA-Reise Franziskus' geschmuggelt, diese weigerte sich in der Folge, homosexuelle Paare zu trauen. Davis' verbreitete in den Medien danach den Eindruck, dass der Papst in ihrem Kampf gegen die Homo-Ehe hinter ihr stehe – sehr zur Freude der fundamentalen Katholiken. Der Ärger des Papstes war gross und Viganos nächste Station der Ruhestand. (rst)

Maria Valentina rappt für den Papst

Video: srf/SDA SRF

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • lilie 03.09.2018 21:16
    Highlight Highlight Genau, was ich dachte: Es geht nicht darum, einen fehlbaren Papst abzusägen, sondern einen Papst, der den "Falschen" am Stuhl sägt.

    Papst Franziskus hat angefangen, langjährige Dogmen in Frage zu stellen. Den Fundis passt das nicht, deshalb wollen sie ihn jetzt für irgendwas drankriegen.

    Ich gab schon verstanden, warum der Ratzinger zurückgetreten ist: Diese Firma ist so marode, dass man sich nur die Finger verbrennen kann. Denn es ist wie überall: Es ist nicht der CEO, der das Sagen hat, sondern der Verwaltungsrat.

    Und wenn dem die Suppe zu heiss wird, sägen sie den CEO ab.
    • Samurai Gra 03.09.2018 22:58
      Highlight Highlight Ich sehe ehrlich als Nichtkatholik wo der Franziskus den Moderater sein soll als andere Päpste wenn er z.B. Schwule Kinder in die Psychiatrie stecken will.

      Er war eine PR Wahl, das hat geklappt.
      Die Macht hat eh nicht der Papst inne.

      Würde mich nicht wundern wenn der "Krieg" auch PR ist um das ansehen des Papstes noch mehr Aufzupolieren
  • Ueli der Knecht 03.09.2018 19:06
    Highlight Highlight «Möge er der Erste sein, der zurücktritt.»

    Bereits Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) ist zurückgetreten.

    Der Bayer Ratzinger war Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und somit praktisch der Oberstaatsanwalt, der auch die vielen sexuellen Übergriffe innerhalb der katholischen Kirche untersuchte, bzw. unter den Teppich kehrte.

    Auch Joseph Ratzinger entzieht sich der weltlichen Gerichtsbarkeit, indem er weiterhin in den Hoheitsgebieten des Vatikans wohnen bleibt (https://reut.rs/2ClbB98).

    Kanonisches Recht ist wie die Scharia. Bayrische christlich-abendländische "Leitkultur".
  • Angelo C. 03.09.2018 17:57
    Highlight Highlight Ich gehöre keiner Kirche an und komme daher objektiv zum Schluss, dass da nicht allzuviei Fleisch am Knochen ist:

    Bei den durchsichtigen Anwürfen und Argumenten des früheren und von Franziskus zurecht abgehalfterten Erzbischofs Vigano handelt es sich nachvollziehbar um eine Retourkutsche 🤔.

    Auch an diesem aktuellen Papst wird man einIges kritisieren können, jedoch ist es für die Meisten evident, dass er im Vergleich zu früheren Würdeträgern offener kommuniziert, gar manches anspricht und auf den Weg gebracht hat, was nicht unbedingt zu erwarten war.

    Die konservativen Kleriker hassen ihn!
    • Der Rückbauer 04.09.2018 00:12
      Highlight Highlight Schon einige Päpste vor dem aktuellen haben offen kommuniziert und von progressiven Aenderungen gesprochen (zB Johannes 23). Nichts hat sich jedoch geändert. In Rom regiert nicht der Papst, sondern die Kurie. Gegen die "vatikanische Mafia" kommt niemand an, auch kein Papst.
    • Angelo C. 04.09.2018 12:44
      Highlight Highlight swisskiss :

      Ich kann dir da nur teilweise recht geben....

      Denn es ist absolut bekannt und oftmals medienerwähnt, dass die steinalten, ultrakonservativen Moosrücken unter den Kardinälen den doch eher fortschrittlichen und politisch offensiven Franzikus mehrheitlich abgrundtief dafür hassen.

      Das ist bei allen kirchlichen Insidern nachlesbar.

  • Snowy 03.09.2018 17:56
    Highlight Highlight Noch besser:
    Den Papst vor einem (selbstverständlich) weltlichen Gericht anklagen und - wenn die vorgebrachten Beweise stimmen - verurteilen.
    • Gawayn 03.09.2018 18:43
      Highlight Highlight Wenn in einer Firma mit 10 Tausenden Angestelten, Abteilungsleiter die Praktikanten zu Sex nötigen, wird dann der CEO, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen verurteilt?

      Eben nicht.
      Einer hat gegen den Papst gewettert. Bewiesen ist noch gar nichts.
      Auch für den Klerus sollte die Unschuldsvermutung gelten
    • Nelson Muntz 03.09.2018 18:44
      Highlight Highlight eher gibts ein Impeachment gegen DT...
    • Jazzdaughter 03.09.2018 18:54
      Highlight Highlight Und was, wenn die Anschuldigungen gegen den Papst falsch sind und dazu dienen, den liberalen Wind auszulöschen? Das würde der konservativen Seite zu Recht kommen und der nächste Papst wäre wohl weniger liberal.
      Es tönt verschwörerisch aber Intrigen sollten der katholischen Kirche ja nichts Neues sein... Ich schliesse jedenfalls noch nichts aus und warte auf mehr Fakten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. D. 03.09.2018 17:56
    Highlight Highlight Etwas wird mir aber ein ewiges Rätsel bleiben :

    Wenn (viele, aber nicht alle) Eltern bemerken, dass ihr Sohn / Tochter von einem Geistlichen missbraucht worden ist. Wieso, frage ich mich, gehen sie damit zur katholischen Kirche ? Ich verstehe diese Eltern einfach nicht.
    Die Kirche versetzt lediglich ihr Personal und am neuen Ort geht es wieder von neuem los.

    Wieso gehen diese Eltern nicht zur
    Polizei ?
  • i-Aeglos 03.09.2018 17:49
    Highlight Highlight Ich bin selber gläubiger Katholik, aber solche Aussagen wie "man müsse die homosexuellen Netzwerke in der Kirche ausradieren" sind grundfalsch und sollten nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben. Die Kirche sollte alle aufnehmen und respektieren, unabhängig von Herkunft, sexueller Aussrichtung usw. Aber dafür muss in der Kirche ein Umdenken stattfinden und Papst Franziskus wollte in diese Richtung grosse Schritte unternehmen, wurde aber leider von den extrem konservativen Kirchenmitgliedern daran gehindert. Ihm kann man in dieser Hinsicht kaum etwas vorwerfen.
    • Karl Marx 04.09.2018 08:15
      Highlight Highlight Warum bist du dann Katholik, wenn du dich nicht mit deren Werten identifizierst?
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 04.09.2018 09:59
      Highlight Highlight Gesprochen wie ein wahrer Christ.
      Genau dieses denken fehlt der Kirche.
    • i-Aeglos 04.09.2018 13:45
      Highlight Highlight @Slavoj Žižek Ich stehe für meine Kirche und meinen Glauben ein und vertrete ihre wunderbaren Werte wie Nächstenliebe, Frieden und Hilfe an Schwächeren. Nur weil ich mich nicht mit allen Sichten und Seiten der katholischen Kirche identifiziere, heisst das nicht, dass ich kein Katholik bin. Die Kirche hat Fehler gemacht und wird weiter Fehler machen, doch zu diesen stehe ich und vertusche sie nicht. Ich setze mich dafür ein, dass wir aus diesen Fehlern lernen und die Welt besser machen.

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