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epa08806162 Trump lawyer Rudy Giuliani gives a press conference at a podium set up in the parking lot of a landscaping company after Joe Biden was declared as winner of the 2020 Presidential Election in Philadelphia, Pennsylvania, USA, 07 November 2020.  EPA/JUSTIN LANE

Gegenüber eines Krematoriums und neben einem Buchladen für Erwachsene hielt Trumps Anwalt Rudy Giuliani am Samstag eine Pressekonferenz. Bild: keystone

Das «Four Seasons Total Landscaping» macht gerade das Geschäft seines Lebens

Am Samstag hielt Trumps Anwalt Rudy Giuliani auf dem Vorplatz einer Landschaftsgärtnerei eine Pressekonferenz. Im Buchladen für Erwachsene daneben klingle seither ununterbrochen das Telefon – und auch die Gärtnerei selbst weiss aus der weltweiten Aufmerksamkeit Profit zu schlagen.



Es begann mit einem Tweet des noch amtierenden Präsidenten Donald Trump und endete mit einer Pressekonferenz auf dem Parkplatz einer Landschaftsgärtnerei.

Fast zur selben Zeit, als mehrere US-Medien Joe Biden am Samstagabend als den neuen «president elect» verkündeten, hielt Trumps Anwalt Rudy Giuliani eine Pressekonferenz in Philadelphia ab. Das tat er nicht im luxuriösen «Four Seasons» Hotel, sondern auf dem Vorplatz des «Four Seasons Total Landscaping», einer Landschaftsgärtnerei im Industriequartier von Philadelphia.

Gemäss «New York Times» sei die Wahl der Lokalität keineswegs ein Versehen gewesen. Man habe immer beabsichtigt, die Pressekonferenz in einem «freundlicheren Stadtteil» abzuhalten, da sich die Strassen im Zentrum Philadelphias bereits seit Mittwoch mit Pro-Biden-Fans füllten.

Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Eins aber ist klar: Giulianis Pressekonferenz verhalf der kleinen Landschaftsgärtnerei zu weltweiter Bekanntheit. Die Like-Zahlen auf den sozialen Kanälen explodierten. Wo vorher 288 Leute den Instagram-Kanal der Gärtnerei abonnierten, sind es jetzt fast 4000.

Die familiengeführte Gärtnerei erkannte ihre Chance: Bereits am Sonntagabend warb die Gärtnerei mit Merchandise. Zu kaufen gibt es «Four Season» Stickers, Kappen und Pullover. Die scheinen so beliebt, dass das Unternehmen kurz darauf auf Facebook um etwas Geduld bittet. «Vor 36 Stunden hätten wir uns nicht vorstellen können, dass wir so im Mittelpunkt stehen würden. Wir wissen eure Geduld zu schätzen und arbeiten daran, mehr Warenoptionen zu erhalten.»

Die Inhaberinnen der Landschaftsgärtnerei wurden aber nicht nur mit positiven Reaktionen konfrontiert. Nachdem das Unternehmen auch noch bei Saturday Night Live vorgestellt wurde, sank die Yelp-Bewertung des Unternehmens in den Keller. Das ging soweit, dass die Betreibenden der Yelp-Seite die Kommentarfunktion kurzerhand auf Eis legen mussten.

«Wir verstehen viele der negativen Kommentare, trotzdem macht es uns traurig, dass wir so hart verurteilt werden», schrieb die Gärtnerfamilie darauf auf Twitter. Man habe sich geehrt gefühlt, das Grundstück der Gärtnerei Trumps Pressekonferenz zur Verfügung zu stellen, hätte dies aber auch bei jedem anderen Präsidentschaftskandidaten getan, versuchen die Inhaberinnen die Meute zu beschwichtigen. «Wir hoffen, dass alle Amerikanerinnen und Amerikaner zusammenfinden, um kleine Unternehmen während dieser Zeit zu unterstützen.»

Nebst der digitalen Aufmerksamkeit scheint der Vorplatz des «Four Seasons Total Landscaping» unterdessen auch zum neuen Selfiespot verkommen zu sein, wie der «Philadelphia Inquirer» berichtet.

Die Mitarbeitenden des Four Seasons indes bleiben etwas ratlos zurück, so die Zeitung. «Ein Vorarbeiter der Firma Four Season zuckt einfach mit den Achseln, als er am Sonntag beim Öffnen des Tors zum Parkplatz an den selfieschiessenden Menschen vorbeilief.»

Den Rummel an der State Road, wo die Landschaftsgärtnerei liegt, scheint nicht alle zu freuen. Beim Buchladen für Erwachsene gleich nebenan hält sich die Begeisterung in Grenzen. Der 78-jährige Angestellter am Tresen des «Fantasy Island», habe sich geweigert seinen Namen zu nennen. Er soll sich aber beklagt haben, dass das Telefon seit Samstag ununterbrochen klingle und die Anrufer ihn auch schon gefragt hätten: «Ist Rudy Giuliani da?»

(ohe)

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