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Front pages of two Australian newspapers on Tuesday, July 18, 2017, featuring photos and story of the shooting death of Australia's Justine Damond who was shot dead by a Minneapolis police officer on Saturday. Australia's airwaves, newspapers and websites have been dominated by the news of Damond's death which has stunned many in her native Australia and fed into Australians' darkest fears about America's culture of gun violence. (AP Photo/Kristen Gelineau)

In Australien wurde breit über den Tod von Justine Damond berichtet. Bild: AP/AP

«Umgekehrte» Polizeigewalt in den USA: Schwarzer Beamter erschiesst weisse Frau

Einmal mehr wurde in Amerika eine unbewaffnete Person von einem Polizisten getötet. Dieses Mal aber war das Opfer weiss und der Schütze schwarz. Nun ringt das Land um Erklärungen.



Justine Ruszczyk aus Sydney wollte in den USA ein neues Leben anfangen. In Minneapolis im Bundesstaat Minnesota hatte die ausgebildete Tierärztin eine Praxis für Meditation und Lebensberatung eröffnet. Im August wollte sie ihren amerikanischen Verlobten Don Damond auf Hawaii heiraten. Seinen Namen hatte die 40-jährige Australierin schon zuvor angenommen.

Am 15. Juli endete der amerikanische Traum von Justine Damond durch die Kugel eines Polizisten. Kein neues Phänomen: In den letzten Jahren waren in den USA mehrfach unschuldige Menschen von Ordnungshütern getötet worden. Meist war das Opfer schwarz. In Minneapolis war es umgekehrt: Die Tote war weiss, und der Schütze ein Einwanderer aus Somalia.

ADDS NAME OF WOMAN KILLED - People listen as Bethany Bradley of Women's March Minnesota speaks at the beginning of a vigil to remember Justine Damond, from Sydney, Australia, who was shot and killed late Saturday by police, Sunday evening, July 16, 2017 in Minneapolis. The Bureau of Criminal Apprehension released a statement Sunday saying two Minneapolis officers responded to a 911 call for a potential assault late Saturday. Exact details weren't released, but officials said an officer fired a gun, killing the woman. (Jeff Wheeler/Star Tribune via AP)

Am Tag nach der Bluttat organisierten Anwohner und Freunde eine Mahnwache am Tatort. Bild: AP/Star Tribune

Der Vorfall sorgte für Aufsehen, doch anfangs geschah wenig. Amerika schien nicht zu wissen, wie man mit einer Bluttat umgehen sollte, die nicht in das übliche Schema passte. In Australien jedoch waren die Trauer und das Entsetzen immens. Premierminister Malcolm Turnbull bezeichnete die Tötung als «schockierend» und «unerklärlich»: «Wir verlangen Antworten im Namen der Familie

Was geschah an jenem Samstagabend?

Kurz vor 23.30 Uhr rief Justine Damond ihren Verlobten an, der sich auf Geschäftsreise befand. Sie habe auf der Strasse hinter ihrem Haus Geräusche gehört, die sich wie eine Vergewaltigung anhörten, sagte sie ihm. Don Damond riet ihr, den Notruf zu verständigen. Zwei Polizisten machten sich auf den Weg, der 25-jährige Matthew Harrity und der 31-jährige Mohamed Noor.

Gegen 23.40 Uhr waren sie vor Ort. Harrity, der am Steuer sass, schaltete die Scheinwerfer des Streifenwagens aus, Noor entsicherte seine Pistole. Justine Damond begab sich im Pyjama auf die Strasse und ging zum Polizeiauto. Als sie beim offenen Fenster auf der Fahrerseite angelangt war, schoss Noor ihr in den Bauch. Zuvor soll es ein lautes Geräusch gegeben haben. Die Polizisten wollten die Frau wiederbeleben, doch zehn Minuten später wurde sie für tot erklärt.

Die beiden Beamten wurden vom Dienst suspendiert. Während Harrity einer Einvernahme zustimmte, verweigert Noor, der den Schuss abgefeuert hat, bislang die Aussage. Sicher ist, dass beide ihre Körperkameras ausgeschaltet hatten. Diese wurden eingeführt, um unter anderem solche Fälle zu verhindern. Ebenso klar ist, dass Justine Damond unbewaffnet war.

In this May 2016 image provided by the City of Minneapolis, police officer Mohamed Noor poses for a photo at a community event welcoming him to the Minneapolis police force. Noor, a Somali-American, has been identified by his attorney as the officer who fatally shot Justine Damond, of Australia, late Saturday, July 15, 2017, after she called 911 to report what she believed to be an active sexual assault. (City of Minneapolis via AP)

Der Polizist Mohamed Noor feuerte den tödlichen Schuss ab. Bild: AP/City of Minneapolis

Warum musste sie trotzdem sterben? Ein Grund mag sein, dass «zwei der unerfahrensten Beamten aus dem Polizeikorps von Minneapolis» an den Ort des Geschehens entsandt worden waren, schrieb die Zeitung «The Australian». Matthew Harrity war erst ein Jahr zuvor der Polizei beigetreten. Mohamed Noor vor 21 Monaten.

Ein Vorzeige-Polizist

Der Sohn einer Einwandererfamilie hatte sich zuvor im Gastgewerbe und in der Immobilienbranche versucht. Sieben Monate vor der Bluttat hatte er einen Sorgerechtsstreit gegen seine frühere Partnerin um den gemeinsamen Sohn verloren. Ausserdem war er mit einer Klage wegen Freiheitsberaubung konfrontiert. Er soll mit zwei Kollegen eine Frau gegen ihren Willen in ein Spital eingeliefert haben.

Dennoch galt Noor als Vorzeige-Polizist. Er war der erste somalische Beamte in seinem Bezirk. In Minneapolis leben rund 30'000 Menschen aus Somalia, es ist die grösste Gemeinde in den USA. Das Zusammenleben verläuft nicht konfliktfrei. Mehrere Somalis aus Minnesota waren an der Planung von Terroranschlägen in den USA beteiligt.

Entsprechend schwer tut man sich nun mit dem Fall Damond. Ausser Mahnwachen vor ihrem Haus geschah wenig. Black Lives Matter, die als Reaktion auf die Tötung von Schwarzen gegründete Bürgerrechts-Organisation, schwieg genauso wie die «Blue Lives Matter»-Bewegung, die als Gegenreaktion entstand und sich für angeschuldigte Polizisten einsetzt.

Gewalt an Schwarzenprotesten in Minneapolis

Rechte Kreise witterten ein Komplott, weil der Schütze «ein schwarzer, islamischer Einwanderer aus Somalia» war. Sie beschuldigten die Medien, sie wollten den Fall «beerdigen». Das trifft nicht zu, dennoch war der Kontrast zu den Protestkundgebungen nach der Tötung von Schwarzen durch die Polizei auffällig. Erst im Juni hatten in Minneapolis solche Demonstrationen stattgefunden, nach dem Freispruch für einen Polizisten im Fall Philando Castile.

Der Afroamerikaner war vor einem Jahr mit dem Auto angehalten worden, weil ein Bremslicht defekt war. Der Polizist tötete ihn mit fünf Kugeln, weil er angeblich befürchtete, Castile wolle eine Waffe zücken. Der Vorfall ging um die Welt, weil seine Freundin auf dem Beifahrersitz ihn mit dem Handy filmte und auf Facebook streamte. Ihre vierjährige Tochter sass auf dem Rücksitz.

Der Polizist – ein Latino – wurde vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Die Familie von Philando Castile erhielt eine Entschädigung von drei Millionen Dollar, dennoch war die Empörung über das Urteil gross. Mit Verzögerung setzte dieser Prozess auch im Fall von Justine Damond ein. Janee Harteau, die Polizeichefin von Minneapolis, musste zurücktreten.

«Verstörende Waffenkultur»

Letzte Woche fand unter dem Motto «Justice for Justine» eine Kundgebung statt. Dabei kam es zu einer symbolträchtigen Umarmung von Don Damond und Valerie Castile, der Mutter von Philando Castile. «Man versteht langsam, dass es nicht um schwarz oder weiss geht, sondern um Menschen», sagte Castile. Nach dem Freispruch habe sie gewusst, dass es wieder Tote geben würde.

Don Damond, the fiance of Justine Damond, is comforted outside his home by Valerie Castile, the mother of Philando Castile, as demonstrators march by Damond's home during the Peace and Justice March for Justine Thursday, July 20, 2017, in Minneapolis. Both Philando Castile and Justine Damond were shot and killed by Minneapolis police officers. (Aaron Lavinsky /Star Tribune via AP)

Die symbolträchtige Umarmung von Valerie Castile und Don Damond. Bild: AP/Star Tribune

Der genaue Hintergrund der Tötung von Justine Damond bleibt mysteriös. Aus einem Durchsuchungsbefehl geht laut CNN hervor, dass sie auf die Rückseite des Streifenwagens «geschlagen» habe. Das könnte das laute Geräusch erklären. Ob diese Information der Aussage von Matthey Harrity entnommen wurde, ist unklar. Mohamed Noor schweigt weiter.

Über die eigentliche Ursache der Polizeigewalt wird in den USA kaum, in Australien dafür umso heftiger diskutiert: Eine «verstörende Waffenkultur» habe Justine Damond getötet, schrieb ein Kolumnist der Zeitung «The Advertiser» aus Adelaide. Amerikas Waffenwahn sorgt dafür, dass die Knarre bei der Polizei locker sitzt, aus Selbstschutz. Den Preis zahlen unschuldige Opfer, die meistens schwarz sind. Für einmal traf es eine weisse Frau aus Australien.

Spike Lee warnt vor Waffengewalt in den USA

Video: reuters

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68 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Peace93
27.07.2017 10:02registriert February 2017
Wieder ein Fall von US-Polizisten die keine Beherrschung besitzen! Klar nicht jeder ist so aber genau diese Beamten bringen ihre Kollegen in Erklährungsnot. Traurig wie so eine Story (für das Opfer und deren Verlobten) enden muss ..
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gnp286
27.07.2017 10:57registriert October 2016
«Man versteht langsam, dass es nicht um schwarz oder weiss geht, sondern um Menschen»
Der Satz sagt eigentlich alles. In den USA halte ich jedoch die "Social Justice Warriors" für die grössten Rassisten, die es dort gibt.
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Max Dick
27.07.2017 11:31registriert January 2017
Herr Blunschi, Sie sprechen von einem "umgekehrten Fall" und schreiben, dass die Todesopfer infolge Polizeigewalt meist schwarz seien. Können Sie diese Behauptung irgendwie mit Zahlen belegen?
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