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Die Highlights im Video:

Video: watson/een

Kamala on Fire, eine Fliege und offene Fragen – das sind die Highlights der Vize-Debatte

Die Debatte der beiden US-Vize-Anwärter ist vorbei. Wir haben die besten Voten von Kamala Harris und Mike Pence zusammengetragen – der heimliche Star war aber eine Fliege.



Die einzige TV-Debatte zwischen den US-Vize-Kandidaten Kamala Harris und Mike Pence ging im Vergleich zur letztwöchigen Debatte zwischen Trump und Biden sehr gesittet über die Runden.

Zwar unterbrach Mike Pence doppelt (10) so oft wie Kamala Harris (5), im Vergleich zu letzter Woche aber relativ wenig – auch weil Harris zwei Anläufe von Pence mit einem resoluten «Mr. Vizepräsident, jetzt rede ich» unterband. Dafür überzog Pence immer wieder die ihm zugeteilte Zeit.

Er liess sich auch von der Moderatorin – der Journalistin Susan Page von der Zeitung «USA Today» – nicht stoppen und redete einfach weiter. 79 Beispiele gefällig? Hier entlang:

«Tha– Thank you!» – So vergeblich versucht die Moderatorin die Kandidaten in Schranken zu halten

Video: watson/een

Aber genug unterbrochen, kommen wir zu den Highlights der Debatte:

Frontalangriff auf Trump-Regierung

Kamala Harris hat US-Präsident Donald Trump Versagen in der Corona-Pandemie vorgeworfen. «Diese Regierung hat das Recht auf eine Wiederwahl verwirkt», sagte Harris. «Das amerikanische Volk ist Zeuge des grössten Versagens einer Regierung in der Geschichte unseres Landes geworden.»

Harris sagte, anders als die Trump-Regierung habe Biden einen Plan für den Kampf gegen das Coronavirus. So solle die Kontaktverfolgung verbessert und ein Impfstoff – wenn die Entwicklung abgeschlossen ist – kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Pence sagte, Trump und er hätten grosses Vertrauen in die Fähigkeit der Amerikaner, die Informationen zum Schutz vor dem Coronavirus selber in die Praxis umzusetzen.

Und konterte: «Wenn ich mir ihren Plan anschaue, der über das vermehrte Testen, das Entwickeln neuer Schutzmassnahmen und Impfstoffe spricht, dann sieht das ein bisschen wie ein Plagiat aus. Darin kennt sich Joe Biden ein bisschen aus.»

Wem schuldet Trump Geld?

Die Debatte drehte sich zu diesem Punkt um die Transparenz in Bezug auf die Gesundheit des Präsidenten. Kamala Harris schlug den eleganten Bogen zu Transparenz in Sachen Steuern und kam auf die geleakten Steuern von Trump zu sprechen.

Harris: «Wir wissen jetzt, dass Trump 400 Millionen Dollar schuldet. Das heisst, man schuldet jemandem Geld. Und es wäre wirklich gut zu wissen, wem Trump, der Präsident, der Oberste Befehlshaber, das Geld schuldet. Das amerikanische Volk hat das Recht zu wissen, wer die Entscheidungen des Präsidenten beeinflusst.»

Die Sache mit den Steuern

Nicht nur des Präsidenten Steuern waren aber Thema, sondern auch die der Bevölkerung. Joe Biden will im Fall seines Wahlsiegs die Steuerreform von Donald Trump rückgängig machen. Das betonte Harris in einem Votum.

Zugleich versicherte sie: «Joe Biden wird für niemanden die Steuern erhöhen, der weniger als 400'000 Dollar im Jahr verdient.» Pence behauptete unterdessen: «Joe Biden wird ihre Steuern am ersten Tag erhöhen.»

Harris warf der Trump-Regierung vor, sie messe den Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik daran, wie gut es den Reichen gehe – während sich Biden um die wirtschaftliche Lage der arbeitenden Amerikaner sorgen werde.

Pence stellte dagegen darauf ab, dass Trump unter anderem mit Steuersenkungen einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine schnelle Erholung der Konjunktur in der Corona-Krise erreicht habe.

«It's about relationships»

Kamala Harris hat Donald Trumps Regierung vorgeworfen, Amerika mit seiner Isolationspolitik unsicherer gemacht zu haben. «Er hat unsere Freunde verraten und sich mit Diktatoren auf der ganzen Welt verbündet», sagte Harris. In der Aussenpolitik gehe es um Beziehungen: Darum, gegenüber Freunden sein Wort und Feinde in Schach zu halten, sagte Harris und kritisierte ausdrücklich Trumps Austritt aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran.

Pence widersprach Harris' Darstellung umgehend. Die US-Regierung habe sich gegenüber Verbündeten stark gemacht, aber sei auch fordernd gewesen, sagte er und verwies darauf, dass die Nato-Verbündeten Trumps Forderung entsprechend die Verteidigungsausgaben erhöht hätten. Auf die Spannungen mit traditionellen Verbündeten wie Deutschland ging Trumps Vize nicht ein.

Viele offene Fragen

Pence fiel auch damit auf, dass er mehrfach einfach die Fragen ignorierte und stattdessen die Botschaften platzierte, die er unterbringen wollte. So redete er bei einer Frage nach der Position zu Abtreibungen zunächst einmal darüber weiter, wie die Trump-Regierung Irans Top-General Ghassem Soleimani mit einem Raketenangriff getötet hatte.

Beide Kandidaten wichen der Frage aus, wie ihre Absprachen mit den jeweiligen Präsidentschaftsanwärtern für eine Machtübergabe sind. Es ist ein wichtiger Punkt: Trump ist 74 Jahre alt und an Covid-19 erkrankt, Biden ist 77. Jeder der beiden wäre bei Amtsantritt im Januar 2021 der älteste Präsident in der US-Geschichte. Moderatorin Page hakte nicht nach.

Genauso wenig beantwortete Harris die von Pence gestellte Frage, ob Biden und die Demokraten im Falle ihres Wahlsiegs und der Rückeroberung der Mehrheit im Senat das Oberste Gericht vergrössern würden. Die Republikaner versuchen gerade, die Juristin Amy Coney Barrett in das höchste US-Gericht zu bringen. Sie würde eine konservative Mehrheit im Gericht zementieren. Pence ging nicht darauf ein, ob Trump und er eine Wahlniederlage akzeptieren würden. «Ich denke, wir werden diese Wahl gewinnen», sagte der Vizepräsident. Trump liegt in landesweiten Umfragen deutlich hinter Biden zurück.

Die Fliege auf Pences Kopf

Der heimliche Star der Debatte war allerdings eine Fliege, die auf dem Kopf von Pence landete und eine Zeit lang im Haar blieb.

Irrelevant? Mag sein, der Begriff «Fly» trendete aber nach kurzer Zeit auf Twitter und war einer der meistgesuchten Begriffe während der Debatte.

«Die Fliege tauchte auf, als der Vize die Existenz von systematischem Rassismus verneinte. Das ist alles.»

Die Biden-Kampagne reagierte schnell darauf und bietet nun auf ihrem Online-Shop eine Fliegenklatsche an:

Und jeder zweite Witz über die Fliege drehte sich darum, von was eine Flüge überhaupt angezogen wird. Wir verlinken's nicht – ihr könnt's euch wohl selber vorstellen.

(jaw/sda/dpa)

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Die wichtigsten Termine bis zu den US-Wahlen

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