DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Former President Donald Trump, right, listens as his daughter-in-law Lara Trump speaks at the North Carolina Republican Convention Saturday, June 5, 2021, in Greenville, N.C. Lara is from North Carolina. (AP Photo/Chris Seward)

Donald und Lara Trump bei einem Auftritt in North Carolina. Bild: keystone

Auftritt in North Carolina – Trump regiert die Partei wie ein Pate

Eine Rede vor seinen Anhängern im Bundesstaat North Carolina zeigt, wie Donald Trump versucht, seinen Einfluss bei den Republikanern zu sichern. Er teilt die Welt ein in Freunde und in Feinde der Familie.

Bastian Brauns / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Eine mögliche Nähe zur italienischen Mafia in New York City wurde  Donald Trump  bereits nachgesagt, da war er noch gar nicht im politischen Geschäft. Aber egal, ob und wie solche Kontakte zustande gekommen sein mögen: Wer den ehemaligen US-Präsidenten derzeit beobachtet, kann feststellen, wie sehr Trumps Auftreten an das eines Clan-Bosses erinnert. 

Deutlich wurde das am Wochenende bei einem Auftritt vor seinen Anhängern in der Stadt Greenville, im Bundesstaat North Carolina. Trump hatte dort das erste Mal seit längerer Zeit wieder eine öffentliche Rede gehalten. Es ging ihm aber vor allem um eines: Trump wollte seinem Publikum einen ihm treu ergebenen Politiker vorstellen, den Republikanischen Kongressabgeordneten Ted Budd.

Trump lässt Treue schwören

Trump will Budd unbedingt als neuen US-Senator für North Carolina im Kongress sehen. Denn unabhängig davon, ob er selbst bei den Präsidentschaftswahlen 2024 noch einmal antreten wird: Trumps wichtiger nächster Schritt sind vorerst die sogenannten Midterm-Elections, bei denen die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses (Repräsentantenhaus und Senat) zurückerobern wollen. Der Ex-Präsident will sicher gehen, dass möglichst viele ihm loyale Republikaner in beiden Häusern sitzen werden. Denn längst nicht alle in der Partei stehen hinter ihm.

Trump ist weder Vorsitzender der Partei, noch der Fraktion. Alles, was er besitzt, um seinen Einfluss zu sichern, ist letztlich seine erworbene Autorität bei der mächtigen Parteibasis, die bei den Vorwahlen über die verschiedenen Republikaner-Kandidaten entscheiden kann. Trump muss seine Zuhörer also mitreissen, er muss sie überzeugen, damit sie ihm weiterhin folgen und seine Kandidaten nach vorne bringen.

Die Familie ist das wichtigste

Geschickt setzt Trump dabei auch seine Familie ein. Immer wieder spricht er davon, wie sehr er seine Familie liebe und dass andere das leider nicht in dem Masse tun würden. Die Familie und die Loyalität zur ihr, so sagte es Trump auch früher schon, sei das wichtigste. Und noch bevor er Ted Budd als seinen präferierten Kandidaten bekannt gibt, ruft er deshalb die Frau seines Sohnes Eric auf die Bühne: die selbst aus North Carolina stammende Lara Trump.

Sie spricht über ihre Herkunft, darüber dass sie North Carolina so liebt, dass sie selbst ihre Tochter Carolina genannt habe. Dann kokettiert sie mit ihrer möglichen eigenen Kandidatur als US-Senatorin für den Bundesstaat. «Es hat da ein paar Gerüchte gegeben», ruft sie der jubelnden Menge zu. Aber ihre beiden Kinder seien noch zu klein, bräuchten sie noch zu sehr. Das heisse aber nicht, dass sie nicht irgendwann doch kandidieren werde. Und auch Trump wiederholt anschliessend, wie stark sie als Senatorin wäre. Es klingt beinahe wie eine Drohung für Ted Budd, den er dann mit folgenden Worten auf die Bühne bittet:

«Ich gebe ihm meine absolute und volle Zustimmung. Wir werden mit ihm arbeiten. Wir werden mit ihm Wahlkampf machen. Man kann keine Leute aussuchen, die bereits zwei Rennen verloren haben und die nicht für unsere Werte stehen.»Trump meint damit die beiden anderen Republikaner-Kandidaten Pat McCrory und Mark Walker. Und sollte Ted Budd nicht auf Linie bleiben und künftig im Sinne Trumps abstimmen, dann weiss er schon mal, mit wem er es zu tun bekommen könnte. Nämlich mit Trumps Schwiegertochter Lara. Und darum gibt Budd auch artig Trump die Hand bevor er spricht: «Wow. Danke Mr. President! Das bedeutet die Welt für mich.» Und Lara würde natürlich eine prächtige Senatorin abgeben.

Die «Grosse Lüge» vom Wahlbetrug

Budd muss «Präsident» so sagen, als wäre Trump eigentlich noch rechtmässig im Amt. Denn ins Zentrum seiner Ansprache hatte Trump einmal mehr seine Erzählung vom mehrfach widerlegten Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen 2020 gestellt. Wenn Trump von «unsere Werte» spricht, dann meint er damit auch diese Lüge. Der Wahlbetrug werde als «Verbrechen des Jahrhunderts» in die Geschichte eingehen, so Trump. Nicht er sei derjenige, der versuche, die amerikanische Demokratie zu untergraben, so Trump. «Ich bin derjenige, der versucht, sie zu retten».

Es ist jene «Big Lie», die «Grosse Lüge», mit der Trump nicht nur das Land, sondern auch die Republikaner selbst spaltet. Zugleich aber versammelt er so seine treue Anhängerschaft, insbesondere an der Parteibasis und nun auch Ted Budd hinter sich, der mit Trumps Motto schliesst: «Let's get back to make America great again.»

Gegen Facebook, China, Anthony Fauci und Joe Biden

Trump selbst sprach in durchaus altbekannter Art, so dass es fast wie 2020 wirkte. Er liess sich aus über den Facebook -Gründer Mark Zuckerberg . Diesen habe er auf dessen Wunsch zum Dinner ins Weisse Haus gelassen. Nach der Wahl dann aber Zuckerberg sein wahren Gesicht gezeigt. Trump spielt auf die Facebook-Sperre an, die er im Zuge der Erstürmung des Kapitols durch seine Anhänger verpasst bekommen hatte. Seine Aussage über den Facebook-Chef, «Wir können unser Land nicht von einem solchen menschlichen Wesen beherrschen lassen», liess erkennen, wie viel seiner eigenen Macht Trump sozialen Medien wie Facebook oder Twitter zu verdanken hat und wie sehr es ihn offenbar ärgert, sie nicht mehr in dem Masse zu haben. Die Veranstaltung in North Carolina übertrug übrigens kaum einer der bekannteren Sender. Lediglich einige Sparten-Kanäle und « Fox News North Carolina».

Den grössten Applaus von seinen Anhängern heimste Trump an diesem Tag für seine Forderung ein, China solle 3 Billionen Dollar an Reparationen bezahlen, dafür dass es das Coronavirus über die Menschheit gebracht habe. Den Immunologen Anthony Fauci bezichtigte er, nur auf Medienauftritte aus zu sein und unzählige Fehler gemacht zu haben. Etwa, weil dieser die Grenzen zu China nicht schliessen wollte. Er, Trump, habe letztlich Millionen von Leben gerettet in der Corona-Pandemie. Joe Biden sei nun Schuld daran, dass alles kaputt gehe und Russland die Vereinigten Staaten etwa mit Cyberangriffen überziehe und daran, dass es zu einer neuerlichen Migrationskrise an der Südgrenze zu Mexiko gekommen sei.

Feinde der Familie

Am Ende liess Trump erneut nur erahnen, dass er im Jahr 2024 wieder antreten wollen könnte: In einem Jahr, dann, wenn man mit Ted Budd den Senatssitz für North Carolina gewonnen habe, so sagte er, dann freue er sich am meisten auf: «2024». Jubel im Saal. 

Falls dies aber nicht klappen sollte, hat Trump bereits die Schuldigen gefunden: die Ermittler gegen ihn in New York City. Diese Feinde würden mit ihrem «Kreuzzug» gegen ihn vor 2024 ohnehin nicht aufhören. «In New York verbringen radikal linke Staatsanwälte gerade viel Zeit und Geld damit, Familien zu bedrohen und zu versuchen, das Leben unschuldiger Menschen zu zerstören», sagte er. Da war sie wieder, Trumps heilige Familie, mit der er es besonders geschickt versteht, konservative Werte für sich zu instrumentalisieren.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Donald Trump verlässt das Weisse Haus

1 / 19
Donald Trump verlässt das Weisse Haus
quelle: keystone / manuel balce ceneta
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Arnold Schwarzenegger über Trump: «Der schlechteste Präsident aller Zeiten»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

38-Jähriger nach Erstürmung des Kapitols zu Haftstrafe verurteilt

Gut ein halbes Jahr nach der Erstürmung des Kapitols durch Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald Trump ist in Florida Berichten zufolge ein Mann zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der 38-Jährige aus Florida hatte zuvor eingeräumt, in das Kapitol eingedrungen zu sein und die Arbeit des Kongresses behindert zu haben, berichtete am Montag unter anderem die Zeitung «Washington Post». Demnach handelt es sich bei diesem Fall um das erste Verfahren eines Schwerverbrechens im …

Artikel lesen
Link zum Artikel