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New York als Warnung für die USA

Amerika weist nun weltweit die meisten Coronainfektionsfälle auf. Besonders betroffen sind Ballungsräume.

Renzo Ruf, washington / ch media



A usually busy 7th Avenue is mostly empty of vehicles, the result of citywide restrictions calling for people to stay indoors and maintain social distancing in an effort to curb the spread of COVID-19, Saturday March 28, 2020, in New York. President Donald Trump says he is considering a quarantine affecting residents of the state and neighboring New Jersey and Connecticut amid the coronavirus outbreak, but New York Gov. Andrew Cuomo said that roping off states would amount to

Die üblicherweise stark frequentierte 7th Avenue in New York – nun fast leer. Bild: AP

Die Lage in New York City ist dramatisch. In der grössten Stadt des Landes nimmt die Zahl der offiziell registrierten Coronainfizierten weiterhin stark zu – auch weil in New York zwischenzeitlich mehr als 138'000 Tests durchgeführt wurden, oder gegen einen Fünftel aller Coronatests in Amerika. Offiziell sind im Bundesstaat New York bereits 519 Menschen an der Pandemie gestorben, die Mehrheit davon im Grossraum New York City.

In den Augen von Gouverneur Andrew Cuomo, einem Demokraten, ist sein Bundesstaat aber nicht ausserordentlich. New York stelle vielmehr eine «erste Warnung» für den Rest des Landes dar, darunter vor allem Ballungsräume. Das Beispiel New York City zeige, wie schnell sich das Coronavirus verbreite. Und dass der Höhepunkt der Krise noch lange nicht erreicht sei.

Höhepunkt der Fasnacht wurde nicht abgesagt

Besonders dramatisch scheint die Lage in New Orleans (Louisiana) zu sein. Vielleicht war es deshalb im Nachhinein keine gute Idee, den Höhepunkt der alljährlichen Fasnacht in der lebenslustigen Stadt am Mississippi nicht abzusagen. Also feierten am 25. Februar – im lokalen Sprachgebrauch wird der Tag vor dem Aschermittwoch «Mardi Gras» oder «Fat Tuesday», Fetter Dienstag, genannt – Hunderttausende von Menschen, auch weil die Feste in New Orleans seit Jahrhunderten stets rauschender ausfallen als im Rest des Landes. Einen Monat später ist die Metropole mit ihren 1,2 Millionen Bewohnern einer der «Hotspots» in Amerika, mit einer rasch steigenden Zahl von offiziellen Coronainfizierten und einem überlasteten Gesundheitssystem.

Nun sei man natürlich gescheiter, sagte Stadtpräsidentin LaToya Cantrell diese Woche im Gespräch mit dem Nachrichtensender CNN. Aber weil die nationalen Gesundheitsexperten darauf verzichtet hätten, Warnsignale an die lokalen Behörden auszusenden, und sie «keine klaren Anweisungen» bekommen habe, sei der «Mardi Gras» wie geplant über die Bühne gegangen, sagte Cantrell.

Andererseits fehlt nun die Zeit für politische Spielchen. Der Verwaltungsbezirk Orleans Parish weist derzeit landesweit die höchste Zahl von Corona-Todesopfern auf, gemessen an den Bevölkerungszahlen. Zwar sind die offiziellen Statistiken mit Vorsicht zu geniessen, auch weil immer noch nicht flächendeckend getestet wird und nicht alle Todesfälle richtig kategorisiert werden können.

Aber in den Augen lokaler Gesundheitsexperten ist die Lage im Grossraum New Orleans zweifelsohne düster – auch weil bereits vor dem Coronavirus viele Bewohner im Süden Louisianas krank waren, überdurchschnittlich an Diabetes oder hohem Blutdruck litten und deshalb nun besonders gefährdet sind.

Diese Promis, Sportler und Politiker haben das Coronavirus

Die hohe Todesrate verdeutliche, wie schlecht es um das Gesundheitssystem bestellt sei, sagte Susan Hassig, die an der School of Public Health & Tropical Medicine an der Tulane University in New Orleans forscht und unterrichtet. Hinzu komme die besondere soziale Dynamik in der Stadt, die eher einer französischen Provinzmetropole gleicht als einer anonymen amerikanischen Grossstadt. «Jeder spricht mit jedem», sagte Hassig, die derzeit eine gefragte Gesprächspartnerin ist, der «New York Times».

Eindringliche Worte an die Bevölkerung

Immerhin: Der Gouverneur von Louisiana, der Demokrat John Bel Edwards, versucht mit eindringlichen Worten die Bevölkerung aufzurütteln: So zog er diese Woche einen Vergleich zu Italien und wies darauf hin, dass dort zu spät mit ausserordentlichen Massnahmen auf das Virus reagiert worden sei.

In Central, einer kleinen Stadt am Rande der Hauptstadt Baton Rouge, ignoriert der Pfarrer Tony Spell allerdings die Anordnung von John Bel Edwards, auf Grossveranstaltungen zu verzichten. Seine Gottesdienste in der Life Tabernacle Church vor bis zu 1000 Menschen finden immer noch statt.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Cocalero 29.03.2020 15:24
    Highlight Highlight Als ob die schweiz besser dran ist!
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 29.03.2020 20:45
      Highlight Highlight Mal überlegen......
      Stabilere Infrastruktur, existentes und funktionierendes Gesundheitssystem, keinen dementen Halbidioten an der Macht, keine verblendeten religiös Fanatiker in der Regierung.....
      Doch, ich wage echt zu behaupten dass wir besser dran sind.
    • blueberry muffin 30.03.2020 00:46
      Highlight Highlight Wir haben weniger Tote und tatsächliche Massnahmen.
  • Steibocktschingg 29.03.2020 15:07
    Highlight Highlight Ich hab eine ganz furchtbar schlechte Vorahnung dazu, wie brutal die USA von der Pandemie getroffen werden könnten... Das könnte eine Katastrophe werden, die die Pandemie im Rest der Welt in den Schatten stellen könnte. Ich hoffe das natürlich nicht, aber im Moment deutet es darauf hin.
  • Lowend 29.03.2020 12:06
    Highlight Highlight Trump hält eben seine Wahlversprechen und dank ihm und seiner Regierung ist die USA nun auch bei der Corona Pandemie die unangefochtene Nr.1!
  • The fine Laird 29.03.2020 11:24
    Highlight Highlight Sie können es einfach nicht lassen. Immer müssen sie die Nr. 1 sein😇😇😇
    • südfüessler 29.03.2020 13:05
      Highlight Highlight Ja,und mr.trump wird sich bestimmt eine geschichte ausdenken warum es auch in diesem fall das beste für sein land ist.
  • Gawayn 29.03.2020 11:07
    Highlight Highlight Wer kennt den Film
    "Erik der Wikinger"?
    Dort landen sie in Atlantis. Lösen eine Katastrophe aus.
    Die Atlanter aber, weigern sich die Flut überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.
    "Nein wir sinken nicht..."

    Irgendwie erkenne ich in der Ami Regierung mit Grauen, gewisse Parallelen.

    Viele Amis glauben dem verlogenen Gewäsch Trumps.
    Es ist doch soo viel schöner zu hören,
    "Wir sind die Besten! Ich euer Presi hab alles im Griff!"

    Als die harten Fakten an zu erkennen.
    Trump nutzt genau das.
    Nur darum hat er Erfolg. Er hat rein gar nichts im Griff...
    • Blue Sun 29.03.2020 18:13
      Highlight Highlight Genau!
      Play Icon


      Der Tiefpunkt von Trump ist das er in der Krise nur sich selber lobt. Dem geht das völlig am a...h vorbei. Der Redet bei den PK nur von sich und wie toll er sei! Das ist doch nur noch Peinlich!
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 29.03.2020 20:47
      Highlight Highlight @Gawayn

      Der Vergleich ist ziemlich gut. 🤣
      Den Eindruck hab ich schon seit Trump vereidigt wurde. 😇😜
  • rodolofo 29.03.2020 10:09
    Highlight Highlight Der Nachteil von Grossstädten und erst recht Mega-Cities besteht im Falle einer Pandemie darin, dass dort sehr viele Menschen dicht gedrängt leben und arbeiten.
    Andererseits kommen ja diese gefährlichen Viren aus dem -solchen Ballungsräumen menschlicher Aktivität und Besiedelung entgegengesetzten- "Wildnis-Pol", von Fledertieren, wie ich im bisher informativsten Video von Terra X mit Harald Lesch entnehmen konnte:
    Play Icon

    Industrielle "Massenhaltungen", Globalisierung und Bedrängung der letzten Wildnis-Reservate begünstigen Pandemien jeglicher Art...
  • Myk38 29.03.2020 09:27
    Highlight Highlight Hätte ich keine Krankenkasse wie viele US-Amerikaner, ichqäre schon lange in Sebstquarantäne. Was wird schlimmer, der Virus oder die Rechnung?
    • Varanasi 29.03.2020 17:39
      Highlight Highlight Viele US-Amerikaner bekommen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Zusätzlich leben sie vom Hand in den Mund.
      Klar, lieber ist man in Selbstquarantäne, aber was macht man, wenn man dann kein Geld mehr hat um Nahrungsmittel zu kaufen?
      Ein Teufelskreis in dem kaputten System der USA.

  • Füürtüfäli 29.03.2020 09:11
    Highlight Highlight Wenn man in der Krise
    gegen eine Seuche und einen regierenden Idioten kämpfen muss, ist das eine echte Herausforderung.
  • Pana 29.03.2020 08:59
    Highlight Highlight Ich war zu Mardi Gras auch in einer Südstaaten Metropole. Zu dem Zeitpunkt gab es in den USA gerade mal einen offiziellen Fall.. Das "Ruhe vor dem Sturm" Gefühl hatte ich jedoch bereits da. Sieht nicht gut aus.
    • Genti 29.03.2020 13:06
      Highlight Highlight In den reddit-Foren gibt es stimmen vom Betroffenen, dass es bereits viel früher herumgeisterte, dies jedoch nicht erkannt wurde als Covid.
  • Kong 29.03.2020 08:32
    Highlight Highlight Die Kombination US-Gesundheitssystem, die politischen Strukturen, das allgemeine Gesundheitsbild der Amis (Übergewicht, Diabetes, Resistenz gegen Medis, etc), kann nur noch mit einem „stable Genius“ auf dem Weg zum Desaster perfektioniert werden... aber Moment 🤦‍♂️
    • DemonCore 29.03.2020 08:49
      Highlight Highlight Und Religiosität...
    • RAZZORBACK 29.03.2020 09:45
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