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Spricht Klartext: Kimberly Jones. screenshot: youtube

Diese Afroamerikanerin ist so richtig sauer – und zieht interessanten Vergleich

Kimberly Jones hat in rund sechs Minuten erklärt, weshalb in den USA momentan so viele auf die Strassen gehen. Und hat dabei einen Vergleich mit dem Brettspiel Monopoly gezogen.



Etwa eine Woche lang blieb der Rant von Kimberly Jones mehr oder weniger unbemerkt im Netz. Doch in den vergangenen Stunden hat sich der rund sechsminütige Auftritt der afroamerikanischen Frau rasant verbreitet. Grund dafür: Die beiden Late-Night-Stars Trevor Noah und John Oliver haben den Clip der Frau geteilt. Ihre Worte sind derart kräftig, dass Oliver ihr das letzte Wort seiner Sendung überliess.

Dieser Auftritt geht gerade viral: Kimberly Jones spricht Klartext

Video: watson/lea bloch

Worum geht es? Grundsätzlich erklärt Kimberly Jones in nur wenigen Minuten, weshalb viele Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner jetzt auf die Strasse gehen und sich so viel Wut aufgestaut hat.

Eigentlich wollte Jones an diesem Tag einige Interviews führen, während einer Drehpause setzte sie dann aber zu einem Monolog an, den der Kameramann festhielt. Dieser lässt sich grob in drei Punkte unterteilen.

Die Ungleichheit

Jones, welche selber Co-Autorin eines Buches zum Thema Rassismus ist, beginnt mit den Plünderungen, welche in diversen US-Städten beobachtet wurden. Sie stellt nicht in Abrede, dass es solche gegeben hat, meint jedoch, dass man sich nicht darauf konzentrieren solle, «was» diese Personen gemacht hätten, sondern «warum». Warum etwa der finanzielle Unterschied zwischen den armen Schwarzen und dem Rest derart gross sei, dass sie Plündern als ihre «einzige Hoffnung» betrachten würden. «Die Fragen, die wir stellen müssen, sind: Warum sind die Leute derart arm, warum sind die Leute derart pleite, warum haben die Leute keine Ernährungssicherheit?»

>>> Proteste nach dem Tod von George Floyd: Hier geht es zum Liveticker

Der Monopoly-Vergleich

Darauf zieht Jones einen Vergleich mit dem Brettspiel Monopoly, um die wirtschaftliche Situation in den USA zu erklären. «Die Wirtschaft war der Grund, weshalb schwarze Personen in die USA gebracht wurden. Wir kamen, um im Süden in der Landwirtschaft zu arbeiten und im Norden in der Textilindustrie.»

Weil die Schwarzen dabei als Sklaven gehalten wurden, sei dies so, als ob sie 400 Runden Monopoly gespielt hätten, ohne dabei aber Geld besitzen zu dürfen. «Und dann durften wir 50 Runden mitspielen, doch alles, was wir aufgebaut haben, wurde wieder von uns weggenommen und zerstört.» Sie bezieht sich auf die Massaker in Tulsa und Rosewood, als Weisse in den 20er-Jahren Afroamerikaner töteten und ihre Besitztümer zerstörten.

Nach 450 Runden Monopoly sei es den Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern dann endlich möglich gewesen, einigermassen richtig mitzuspielen. «So, jetzt dürft ihr aufholen!», sei die Message des Gegners gewesen. «Aber zu diesem Zeitpunkt wäre die einzige Möglichkeit gewesen, richtig aufzuholen, wenn sie den Wohlstand geteilt hätten», so Jones. Während 450 Runden hätten sie dem Gegner jeden Dime abgeben müssen, oder seien niedergebrannt worden, erklärt Jones zunehmend emotional und fragt: «Wie kann man da gewinnen?»

Der Bruch mit dem Gesellschaftsvertrag

Dann bezieht sich Jones auf eine viel beachtete Ausführung von Trevor Noah: Eigentlich gebe es einen Gesellschaftsvertrag, der dafür sorgen sollte, dass Verbrechen durch eine autoritäre Kraft geregelt würden. Doch dies sei in den USA nicht mehr der Fall. «Die Person, die diese Situation lösen sollte, bringt uns stattdessen um», sagt Jones wütend und bezieht sich dabei auf den brutalen Tod von George Floyd. «Also ist der Gesellschaftsvertrag zerstört. Ihr habt den Vertrag zerstört, als ihr uns auf den Strassen getötet habt. Während 400 Jahren haben wir euren Wohlstand aufgebaut und ihr habt den Vertrag zerstört.»

Jones schliesst mit den folgenden Worten: «Sie können sich glücklich schätzen, dass wir Schwarzen Gerechtigkeit und keine Rache wollen.» (cma)

>>> Hier geht es übrigens zum ungeschnittenen Video von Kimberly Jones

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