International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
An Air France jumbo jet rolls behind the tail of a KLM Royal Dutch airliner at Charles de Gaulle airport in Roissy, north of Paris, Tuesday, September 30, 2003. The two airlines announced Tuesday a landmark partnership to create Europe's largest airline group, in a deal they say will define the future of European aviation. (KEYSTONE/AP Photo/Remy de la Mauviniere)

Bild: AP

Bei Air France-KLM spielt sich gerade ein Machtkampf ab – Macron ist sauer



Die Niederlande sichern sich einen dicken Anteil an der Fluglinie Air France-KLM und halten plötzlich fast so viele Anteile wie Frankreich. Damit scheint in Paris wohl keiner gerechnet zu haben – und die Niederländer wollen ihren Einfluss noch ausbauen.

Der überraschende Einstieg der Niederlande bei der Fluglinie Air France-KLM verärgert Frankreich. «Es dürfen auf keinen Fall innenpolitische Debatten am Tisch des Verwaltungsrats ausgetragen werden», warnte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch. Er forderte die niederländische Regierung auf, über ihre Absichten aufzuklären.

epa07389536 French President Emmanuel Macron delivers a speech at the opening of the International Agriculture Fair (Salon de l'Agriculture) in Paris, France, 23 February 2019.  EPA/CHARLES PLATIAU / POOL  MAXPPP OUT

Emmanuel Macron Bild: EPA/REUTERS POOL

Noch deutlichere Worte fand Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire: «Die Entscheidung der niederländischen Regierung ist unverständlich und unerwartet.» Die französische Regierung und der Verwaltungsrat der Allianz seien im Vorhinein nicht über das Vorhaben informiert gewesen.

Am Dienstagabend wurde bekannt, dass der niederländische Staat sich einen Anteil von 12.68 Prozent an der Fluggesellschaft Air France-KLM gesichert hatte. Einen Tag später meldet die Regierung in Den Haag dann, nun 14 Prozent zu halten – insgesamt bezifferte sie den Kauf auf 744 Millionen Euro. Ziel sei es, den Einfluss auf die Airline zu stärken, so der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra der Nachrichtenagentur ANP zufolge. Der niederländische Anteil entspricht damit ungefähr der Beteiligung des französischen Staates, der 14.3 Prozent an der Holding hält.

Zum Schutz des Flughafens

Air France hatte sich 2004 mit der niederländischen Airline KLM zusammengeschlossen. Nach Angaben von Finanzminister Hoekstra senden die Niederlande mit dem Aktienkauf ein deutliches Signal, dass sie die Interessen von KLM, der Öffentlichkeit und auch des Flughafens Schiphol stärker schützen wollen. Die Niederlande wollten damit einen Beitrag für ein gesundes Unternehmen Air France-KLM leisten, aber auch die niederländischen Interessen in diesem gemeinsamen Luftfahrtunternehmen deutlicher zum Ausdruck zu bringen. «Die Crux ist, dass Schiphol von enormer Bedeutung für die niederländische Wirtschaft ist. Wir wollen sicherstellen, dass dies für lange Zeit so bleibt», sagte Hoekstra ANP zufolge.

epa07371898 Dutch Minister of Finances Wopke Hoekstra speaks to journalists after a meeting with his cabinet colleague, Infrastructure Minister  Cora van Nieuwenhuizen and Ben Smith, the chairman of the board of Air France-KLM, in The Hague, The Netherlands, 15 February 2019. Media reports say that the two Dutch ministers met the new Canadian Air France-KLM chief in order to stress the Dutch government's views on the importance of the KLM airline and the main Dutch Schiphol airport near Amsterdam for The Netherlands. They also spoke about the future of the airline and maintaining the independence and name KLM within the group, the reports said.  EPA/LEX VAN LIESHOUT

Wopke Hoekstra Bild: EPA/ANP

Aus dem französischen Wirtschaftsministerium hiess es, dass das Verhalten der Niederländer eher an die Techniken von Aktienhändlern als an einen staatlichen Aktionär erinnere. Es sei gegenüber dem Verwaltungsrat von Air France und den anderen Aktionären «überraschend» und «unfreundlich» gewesen, vorab nicht über diese Entscheidung zu informieren.

Le Maire hat nun seinen niederländischen Amtskollegen eingeladen, nach Paris zu kommen, damit dieser die niederländischen Absichten erklären könne, kündigte Präsident Macron an. Dies sei wichtig, denn Air France-KLM sei ein grosses europäisches Unternehmen mit vielen Mitarbeitern – nicht nur aus Frankreich und den Niederlanden. Macron und Le Maire betonten, dass das nun die Interessen von Air France-KLM gewahrt werden müssten. «Die Grundsätze der guten Führung müssen respektiert werden», erklärte Le Maire. Es dürfe keine «staatliche Einmischung» geben.

Auch Airline ist überrascht

«Der Verwaltungsrat wird die Auswirkungen dieser neuen Beteiligung auf die Gruppe, ihre Mitarbeiter, ihre Führungsstruktur und ihren Marktwert genau beobachten», teilte Air France-KLM mit. Die Fluggesellschaft bestätigte, dass der niederländische Staat den Anteil «ohne Rücksprache» erworben hatte. Nun solle sichergestellt werden, dass diese neue Beteiligung die neue Arbeitsdynamik der Gruppe nicht beeinflussen werde.

Air France-KLM hat trotz eines turbulenten Sommers mit Chefwechsel und Streiks in Europa 2018 mehr verdient. Unter dem Strich blieb ein Gewinn in Höhe von 409 Millionen Euro und damit deutlich mehr als ein Jahr zuvor mit 163 Millionen, hatte der Konzern unlängst mitgeteilt.

Air France KLM CEO Benjamin Smith arrives to present the company's 2018 full year results, Wednesday, Feb. 20, 2019 in Paris. Air France and KLM have reached a compromise on tightening ties between the airlines, ending a power struggle that had alarmed the Dutch government, staff and shareholders. (AP Photo/Michel Euler)

Benjamin Smith Bild: AP/AP

Im vergangenen Jahr steigerte Air France-KLM den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dank gestiegener Ticketpreise und besser ausgelasteter Flugzeuge um 2.5 Prozent auf 26.5 Milliarden Euro. Der Kanadier Benjamin Smith hatte im September den Chefposten bei Air France-KLM übernommen. Er folgte damit dem Franzosen Jean-Marc Janaillac, der vor dem Hintergrund eines Gehaltsstreits mit französischen Gewerkschaften zurückgetreten war. (sda/dpa)

Flugzeug oder Wal?

Video: watson

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Barcelona soll 2030 autofrei werden

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Verlassene Flugzeuge in aller Welt:

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Illegale Abschiebungen: Schweiz droht mit Abzug von Frontex-Beamten

Die Europäische Grenzschutzagentur Frontex ist Vorwürfen über illegale «Pushbacks» ausgesetzt. Die Schweiz, die ebenfalls Frontex-Beamte an die EU-Aussengrenze schickt, zieht jetzt eine rote Linie.

Die Europäische Union mag immer öfter den Eindruck eines zerstrittenen Haufens erwecken. In einem aber ist man sich einig: Der Schutz der Aussengrenzen muss gestärkt werden. Nie wieder soll sich der Kontrollverlust von 2015 wiederholen, als hunderttausende von Migranten irregulär in die EU eingewandert sind.

Und auch die Schweiz als Schengen-Mitglied stimmt regelmässig in den Chor ein und fordert einen besseren Schutz der Aussengrenzen. Zuletzt beim Treffen der EU-Justizminister Mitte November, …

Artikel lesen
Link zum Artikel