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FILE - In this Sept. 24, 2011, file photo, George Soros speaks during a forum at the IMF/World Bank annual meetings in Washington. The AP reported on May 26, 2017, that a story shared online that claims Soros was federally indicted for voter machine fraud is a hoax. (AP Photo/Manuel Balce Ceneta, File)

George Soros während einer Rede in Washington, September 2011. Bild: AP/AP

Starinvestor, Wohltäter und Reizfigur – George Soros wird 90

George Soros wird von Anhängern als Investorenlegende und Wohltäter verehrt, während Gegner ihn als rücksichtslosen Finanzhai und Strippenzieher charakterisieren. Der Staranleger, Multimilliardär und Philanthrop bleibt auch im hohen Alter sehr umstritten.



Er zwang die Bank von England in die Knie, forderte Deutschland zum Euro-Austritt auf und warnte die Welt vor Donald Trump. George Soros, der Altmeister unter den Finanzspekulanten, wird an diesem Mittwoch (12. August) 90 Jahre alt. Der Starinvestor gilt als eine der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Grössen der Finanzwelt. Als abgezockter Anlagestratege spekulierte er im grossen Stil gegen ganze Volkswirtschaften, als Philanthrop spendet er immense Summen. Und immer wieder mischt er sich in politische Diskussionen ein.

Der 1930 in Budapest geborene Hedgefonds-Manager, der 1947 zunächst nach Grossbritannien und 1956 in die USA auswanderte, polarisierte etwa in der Eurokrise mit dem Vorschlag, dass Deutschland und nicht das hoch verschuldete Griechenland den Währungsraum verlassen solle. «Europa spart sich kaputt, statt auch etwas fürs Wachstum zu tun», echauffierte sich Soros damals. Schuld seien die «Bürokraten bei der Bundesbank» mit ihrem Stabilitäts- und Ordnungsfimmel.

Warner gegen nationalistische Tendenzen

In den vergangenen Jahren meldete sich Soros kontinuierlich mit Warnrufen gegen nationalistische Tendenzen zur Wort. An US-Präsident Trump und auch Chinas Staatspräsident Xi Jinping etwa liess er kein gutes Haar. Die beiden versuchten, ihre Macht bis an die Grenzen und darüber hinaus auszudehnen. «Präsident Trump ist ein Betrüger und der ultimative Narzisst, der will, dass sich die Welt um ihn dreht», sagte Soros im Januar 2020 beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Doch selbst wenn die Stimme des New Yorker Multimilliardärs in der Öffentlichkeit Gehör findet – Gewicht hat Soros' Wort selten. Denn ihm hängt auch im fortgeschrittenen Alter als Fondsmanager im Ruhestand stets sein Image als abgebrühter Spekulant nach. Nie weiss man so recht, welcher Finanzwette seine «Ratschläge» und Meinungsbeiträge gerade dienen. Angesichts der Coups, auf denen sein Ruf als Investorenlegende beruht, ist das auch kein Wunder.

Wetten auf schwaches Pfund

1992 spekulierte Soros erfolgreich gegen das britische Pfund. Er machte ein Vermögen, weil Grossbritannien unter dem Druck der Finanzmärkte nachgab und seine Währung aus dem europäischen System fester Wechselkurse löste. Soros schrieb Finanzgeschichte als «der Mann, der die Bank von England knackte». Mit seinen Hedgefonds fuhr Soros jahrzehntelang traumhafte Renditen ein, wenngleich die Methoden nicht nur bei seinen Währungswetten mitunter umstritten waren.

FILE - In this Monday, Feb. 1, 1999 file photo, U.S. financier George Soros speaks during a press conference at the World Economic Forum in Davos, Switzerland. The mail bomb that showed up in the mail box of billionaire investor and philanthropist George Soros on Oct. 22, 2018 is a reminder of his place as one of the far right’s most hated boogeymen.  (AP Photo/Michel Euler)

George Soros im 1999 am WEF in Davos. Bild: AP/AP

Vor allem beim Thema Europa wurden Soros' Rollenkonflikte immer wieder deutlich. Der Geschäftsmann auf der Jagd nach Rendite und der altersweise Weltmann, der Regierungen mit Rat und Tat zur Seite stehen will – das passt nur begrenzt unter einen Hut. So stellte Soros einerseits lautstark Überlegungen an, in Griechenland oder in kriselnde Banken im Euroraum zu investieren. Dann tat er sich als Bedenkenträger hervor, Europa könne an Einzelinteressen und mangelnder Unterstützung für Schuldenstaaten zugrunde gehen.

Soros selbst beteuert indes immer wieder, der schnöde Mammon interessiere ihn bestenfalls am Rande. Vielmehr sieht sich der Geldguru, dessen Vermögen «Forbes» zuletzt auf 8,6 Milliarden Dollar (7,3 Mrd Euro) schätzte, der Philosophie verpflichtet und sehnt sich danach, auf diesem Feld ernst genommen zu werden. Doch das wollte bislang nicht so recht gelingen. So viele Bücher mit Soros' teilweise recht abstrakten Gedanken auch auf den Markt kommen – den Erfolg als Spekulant hat er als Autor noch nicht ansatzweise erreicht.

Geld für humanitäre Zwecke

Im Gegenteil wurde etwa Soros' «Reflexivitätstheorie», mit der er nicht weniger als die ganze Welt erklären zu können glaubte, in Fachkreisen eher belächelt. Sein fieberhafter Versuch, sich als Vordenker und grosser Theoretiker in der Tradition des von ihm hochverehrten Philosophen Karl Popper einen Namen zu machen, brachte wenig Lorbeeren ein. Dafür ist der Grossanleger, wie viele andere Superreiche in den USA, für sein gönnerhaftes Mäzenatentum bekannt.

FILE - U.S. first lady Hillary Clinton and international financier and philanthropist George Soros listen as Dr. Guy Theodore, founder and director of the Well Being Hospital in Pignon, Haiti, explains the programs at the facility during a tour Sunday, Nov. 22, 1998, on the last day of Mrs. Clinton's seven-day, six-nation tour of hurricane-damaged countries in Central America and the Caribbean. (AP Photo/Roberto Borea)

Hillary Clinton und Soros besuchen ein Spital auf Haiti, 22. November 1998. Bild: AP/AP

Als US-Amerikaner mit ungarischer Herkunft legt Soros grossen Wert auf seine europäischen Wurzeln. Über Osteuropa schüttet der Philanthrop schon seit Jahrzehnten ein Füllhorn aus – bereits Anfang der 1990er Jahre entschied er sich, seinen Reichtum für humanitäre Zwecke im ehemaligen Ostblock einzusetzen. Jahr für Jahr spendet Soros Milliarden an diverse Einrichtungen und Organisationen.

Dies sorgt jedoch auch für viel Argwohn, Kritiker nehmen ihm den Wohltätigkeitsgedanken nicht ab und sehen Soros als eine Art graue Eminenz in Hintergrund, die mit enormem Finanzaufwand Einfluss kauft. Im Internet ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um Stiftungen und Initiativen von Soros, die Rechtspopulisten helfen, ihn zur Zielscheibe zu machen. US-Präsident Trump etwa stellte Soros in seiner Wahlkampfwerbung 2016 als Sinnbild einer korrupten Finanzelite dar, obwohl sein Finanzminister Steven Mnuchin und Soros als frühere Geschäftspartner eine enge Verbindung zueinander haben. (jaw/sda/awp/dpa)

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • HerbertKappel 09.08.2020 20:58
    Highlight Highlight Gratulation
    Ich bin ja nicht so Links aber er ist ein guter !
    Der macht wenigstens was gutes mit seinem Geld💰
    • Ludwig van 10.08.2020 07:01
      Highlight Highlight Die ganzen Downvoter hätten lieber, er würde das Geld für privaten Konsum ausgeben.
  • Emil Eugster 09.08.2020 20:46
    Highlight Highlight George Soros ist bloss eine Reizfigur für Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme.
    Wer durch den Herrn gereizt fühlt gehört zur einen oder andern Gruppe.
    • Dong 09.08.2020 23:33
      Highlight Highlight Dann wäre aber auch jeder, der sich durch Christoph Blocher gereizt fühlt ein Linksextremer.

      Soros bzw. die OSF haben eine klare Agenda (+- deckungsgleich mit der Dem. Partei) und fördern Aktivismus, beides muss man nicht mögen und ist deswegen nicht gleich ein Spinner.
  • Rüebliland 09.08.2020 19:05
    Highlight Highlight Sein politisches Engagement in den USA geschieht gemäss der Erkenntnis von Rhett Butler, "there's at least as much money in empire-wrecking as there is in empire-building!"
  • malu 64 09.08.2020 17:23
    Highlight Highlight All diese Milliardäre sind nichts anderes als Verbrecher am Volk. Sie haben ihr Geld garantiert nicht durch ehrliche Arbeit verdient. Haben Mensch und Natur ausgebeutet. Niemand wird reich ohne Leichen im Keller zu haben.
    • türmchen 09.08.2020 17:28
      Highlight Highlight Der Neid mutmaßlich besitzloser Kommentarschreiber ist langweilig. Wieso nicht selbst Unternehmer, Anleger oder Spekulant werden. Aber das ist hald mit Anstrengung verbunden.
    • Ludwig van 09.08.2020 17:59
      Highlight Highlight Ein Unternehmen kann nur dann an Nutzen gewinnen, wenn es Wert für die Kunden generiert. Der Staat verbietet gewisse Geschäftsfelder, die zwar "Wert" für die Kunden generieren aber (wahrscheinlich) der Gesellschaft schaden, dazu gehört Drogenhandel und in vielen Ländern Prostitution. Jemand der durch ein Unternehmen reich geworden ist, hat also einen gewissen Nutzen für die Gesellschaft erbracht, aber das heisst nicht dass er ein vollkommener Mensch ist.

      "Niemand wird reich ohne Leichen im Keller zu haben" kann man übersetzen mit "Niemand ist zu 100% perfekt"
    • malu 64 10.08.2020 14:34
      Highlight Highlight Reichtum entsteht durch rücksichtsloses Vorgehen. In Ländern produzieren , die keine Mindestlöhne kennen, keinen Wert auf Umweltschutz und Natur legen, vielfach korrupte Regierungen haben, die dieses Spiel möglichst lange mitmachen.
      Bodenschätze werden ausgebeutet, aber den Einheimischen bleibt nichts anderes als Verschmutzung und Zerstörung. Unternehmen werden so zerstückelt, dass praktisch nirgends Steuern bezahlt werden. Die grossen Internethändler zerstören die Vielfalt im Detailhandel. Fast Food
      Läden, Nagelstudios, Boutiquen und Hairstylisten teilen sich wechselnd die Stadt.
  • Andre Buchheim 09.08.2020 16:50
    Highlight Highlight Soziale Ungerechtigkeit mit System.
    • Ludwig van 09.08.2020 18:00
      Highlight Highlight Du kannst das System kritisieren: Wieso zahlen Milliardäre in den USA so wenig Steuern.

      Das, was Soros macht ist sehr gerecht: Er spendet das Geld, was er mit seinem Unternehmen verdient hat (indem es einen Mehrwert generiert hat) an wohltätige Zwecke.
    • Andre Buchheim 09.08.2020 18:17
      Highlight Highlight Er raubt sich Geld zusammen, wovon er dann gönnerisch einen Bruchteil für soziale Zwecke ausgibt. Das ist wie einen Massenmörder ehren, weil er mal jemandem das Leben rettet. Oder wie wenn jemand Dir ein Messer in den Bauch stösst und sagt, aber sieh nur wie lieb ich Dir die Hand dabei streichle. Und nur weil etwas legal ist, heißt das nicht, dass es sich nicht um ein Verbrechen handelt.
    • Ludwig van 11.08.2020 12:30
      Highlight Highlight @Buchheim. Das sind jetzt ziemlich heftige Behauptungen. Bitte begründe, warum sich Soros das Geld zusammengeraubt hat. Bist du der Meinung, dass das ganze Geld, welches im Finanzsektor verdient wird, Raub ist? Falls ja, dann können wir die Diskussion beenden, denn dann hast du offensichtlich nicht verstanden wie das Finanzsystem funktioniert.

      In jedem Fall ist der Vergleich mit einem Massenmörder völlig daneben. Wie kommst du darauf dass Soros ein Verbrechen begangen hat? Das klingt schon ein bisschen wie ein Spruch aus der Aluhut-Fraktion...
  • Do not lie to mE 09.08.2020 16:10
    Highlight Highlight Er wurde doch 2005 für "Insider trading" in Frankreich schuldig gesprochen (https://on.wsj.com/3gGWtmx). Aktuell unterstützt seine Organisation die umstrittene Staatsanwältin Kimberly Gardner die mit ihrer Aussage den damaligen Gov. Eric Greitens zum Fall brachte und jetzt die McCloskeys (BLM Trespassing) mit "felony count of unlawful use of a weapon" angeklagt hat. Soros-Sprecher Michael Vachon sagte gegenüber Just The News, dass Soros keinen Hehl daraus macht, dass er Staatsanwälte wie Gardner für eine Strafrechtsreform unterstützte.
    https://bit.ly/2DQOiVT
    https://bit.ly/3fIlex2
    Play Icon
    • Emil Eugster 09.08.2020 20:57
      Highlight Highlight Da wollen sie ausgerechnet mit Laura Ingraham von Fox News Eindruck schinden.
      Wenn sie dann mal wieder vollkommen danebene und verlogene Statements verbreitet und der Senden sich verteidigt, indem er sagt sie sein ja gar keine richtige Journalistin und ihre Sendung kein News Segment, sondern bloss Unterhaltung und reine Meinung.
      Ausgerechnet sie soll irgend etwas bewiesen haben?
  • PC Principal 09.08.2020 14:47
    Highlight Highlight Soros ist eine wichtige Stimme in einer Welt voller Autokraten. Soros kritisiert Trump, Xi, Modi, Orban, Erdogan, Bolsonaro, Putin, etc. Kein Wunder wird die Propaganda in diesen Regimes nicht Müde, Verschwörungstheorien gegen ihn zu spinnen, oft auch antisemitische.

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