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epa08305875 Muuse Aarinte, 93yrs old, chief of a nomadic village which was affected by desert locust invasion illustrates how he reacted when he first saw the locust invasion close to one of their breeding grounds which they have destroyed most of the animal pastures and fodders in Geerisa town, Lughaya District, some 350km north east of the capital Hargeisa, Somaliland, 05 March 2020 (issued 19 March 2020). According to the United Nations Food and Agriculture Organisation (FAO) despite control efforts the desert locusts have rapidly spread across the Great Horn of Africa in the worst infestation in decades affecting eight countries in Eastern Africa including (Kenya, Somalia, Uganda, Ethiopia, South Sudan, Tanzania, Eritrea and Djibouti). FAO estimates that 20.2 million people are now facing severe acute food insecurity in East Africa region warning that if the desert locust swarms continue unhindered, the population could increase 400-fold by June and the next generation will begin to form swarms from late March and throughout April 2020, which coincides with the start of the next seasonal rains, and also the main planting season for the region.  EPA/Daniel Irungu  ATTENTION: This Image is part of a PHOTO SET

Ein Häuptling in Somalia Bild: EPA

Häuptlinge regieren mindestens so gut wie gewählte Beamte



Dorf-Oberhäupter im südlichen Afrika regieren ebenso gut wie gewählte Amtspersonen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachjournal «Science Advances» publizierte sozialwissenschaftliche Studie. Vetternwirtschaft ist bei Häuptlingen sogar seltener als bei Beamten.

Untersucht wurden unterschiedliche Formen der Führung in Dörfern in Namibia. Ausgangspunkt der Studie war die politische Lage im seit 1990 unabhängigen Staat. Dort gibt es erst seit etwa 20 Jahren demokratische Basisinstitutionen auf lokaler Ebene. Oft bestehen ausserdem parallel traditionelle Autoritäten weiter.

Für ihre Untersuchung wählten die Wissenschaftler um Esther Blanco von der Uni Innsbruck und Björn Vollan von der Uni Marburg auf Zufallsbasis 32 ländliche Gemeinden aus. Aus jedem Dorf nahmen das traditionelle Oberhaupt, die demokratisch gewählten Obleute der Wasserentnahmestelle und zwölf Einwohner teil, insgesamt also 64 lokale Anführer sowie 384 Bürger.

Anschliessend erhielten die Führungspersonen verhaltensbezogene Aufgaben - etwa die Verteilung von Geld oder die Bestrafung von Fehlverhalten. So sollte etwa herausgefunden werden, wie fair diese entscheiden beziehungsweise ob sie Verwandte bevorzugen. Ausserdem wurden Oberhäupter wie Dorfbewohner zu den Regierungspraktiken der jeweiligen Führungspersönlichkeiten befragt. Darüber hinaus verglichen die Forscher die Studienregion mit bereits vorliegenden Umfragedaten aus anderen Gegenden Afrikas.

Resultat: Die lokalen Häuptlinge agierten nicht schlechter als die Wahlbeamten. Sie setzten sogar faire und demokratische Entscheidungsverfahren etwas besser um, neigten mithin noch etwas seltener zu Vetternwirtschaft. Beide Führungsgruppen zeigten ausserdem ähnliche soziale Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmale.

Häuptlinge sind beliebter...

«Überraschenderweise gibt es keine Unterschiede zwischen den Obleuten, wenn man sie nach ihren Einstellungen zu demokratischen Wahlen, nach der Rechenschaftspflicht gegenüber den Dorfbewohnern oder nach Korruption fragt», so Blanco in einem Communiqué. Dies stimmte auch mit der Wahrnehmung der Dorfbewohner überein. Diese waren sogar insgesamt zufriedener mit der Leistung der traditionellen Oberhäupter.

Einschränkung der Autoren: Untersucht wurden nur Gemeinden mit nebeneinander bestehenden traditionellen wie gewählten Oberhäuptern. «Die Koexistenz der unterschiedlichen Führungstypen könnte dazu führen, dass alle höhere Ansprüche an ihr eigenes Verhalten stellen», meinte Blanco.

...und haben mehr Pflichtbewusstsein

Die Forscher stellten auch fest, dass die Umsetzung demokratischer Strukturen in den Dörfern nicht in Idealform passierte. So wurden etwa Abstimmungen nicht geheim durchgeführt. «Die traditionellen Autoritäten hingegen übertreffen die erwarteten Standards häufig, indem sie legitim und rechenschaftspflichtig agieren und bei den Dorfbewohnern beliebt sind», so Blanco.

Eine Lösung sehen die Forscher in einer Kooperation: «Auf den traditionellen Institutionen aufzubauen oder mit ihnen zusammen zu arbeiten, statt sie aus Angst vor Despotismus links liegen zu lassen, könnte auf Dauer Vorteile für die Gemeinden in der Subsahara-Region bringen», betonte Vollan.

*Fachartikellink: https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aay7651)

(cki/sda/apa)

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mcapple 09.04.2020 09:42
    Highlight Highlight Ich frage mich, mit welcher Voreingenommenheit, bzw. Biases diese Studie angegangen wurde. Ebenfalls wäre es interessant zu wissen, wie die Studienziele kommuniziert wurden , bzw. ob die Probanden wussten, wie ihr Verhalten beurteilt wird.

    Ich glaube, ich suche mir diese mal im Netz und lese mich ein.
  • Auric 09.04.2020 09:31
    Highlight Highlight Aha ein oft genetisch Verwandter Häuptling der den Rest seines Lebens in der selben Umgebung leben wird ist so gut wie

    ein total Fremder, von irgend welchen Stellen dort hingelobter Beamter, der damit den nächsten Step auf der Karriereleiter erreicht hat?



  • Knäckebrot 09.04.2020 08:07
    Highlight Highlight "Überraschenderweise..."

    Überraschenderweise sind diese Beobachtungen wohl nur, wenn man unsere demokratischen Systeme idealisiert.

    Wie es heisst: durch Güte und Treue festigt der König seinen Sitz. Und weniger durch welches System.
    • Wasmanvonhieraussehenkann 09.04.2020 09:38
      Highlight Highlight Ein demokratisches System braucht auch Zeit. 20 Jahre demokratische Institutionen auf lokaler Ebene wie in Namibia, da muss die Bevölkerung erst noch damit vertraut werden.
    • Knäckebrot 09.04.2020 16:04
      Highlight Highlight Zweckerfüllende Demokratie setzt ein gewisses Weltbild voraus.
      Als ich in einer entsprechenden Gegend lebte, gab es Lokalwahlen (modern). Man wählte einfach einen Stammesgenosse.
      Ein anderer kritisierte Syrien, weil der Präsident wie die Volksmehrheit Sunnite sein müsste, wäre es eine richtige Demokratie. Auch das entspricht nicht dem eigentlichen Demokratieverständnis und zeigt, dass die Präferenz mehr mit Identität statt mit Programm zu tun hat.
      Da ist mir ein gewissenhafter wohlwollender Häuptling lieber, der seine Position erbte, als jemand, der einfach aus Identitätsgründen gewählt wurde.
  • Töfflifahrer 09.04.2020 07:56
    Highlight Highlight So nebenbei, Landsgemeinden kennen bzw. kannten die offene Abstimmung ebenso. Also wo ist das Problem?
  • Rethinking 09.04.2020 06:08
    Highlight Highlight Unternehmer führen ihre Firma und insbesondere ihre Mitarbeiter meines Erachtens auch besser als Manager...
  • teXI 09.04.2020 00:57
    Highlight Highlight "Resultat: Die lokalen Häuptlinge agierten nicht schlechter als die Wahlbeamten. Sie setzten sogar faire und demokratische Entscheidungsverfahren etwas besser um, neigten mithin noch etwas seltener zu Vetternwirtschaft. Beide Führungsgruppen zeigten ausserdem ähnliche soziale Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmale."

    Das würde hier auch gehen, aber nur ohne Sünnelianbeter...
  • malu 64 09.04.2020 00:35
    Highlight Highlight Glaube ich sofort. Sie leben von Kindheit an in der Gemeinschaft der sie nun vorstehen. Sie kennen alle Eigenheiten und wissen aus der Praxis, was für die Menschen wichtig ist.
  • remono 08.04.2020 23:14
    Highlight Highlight Wie schon Aristoteles geschrieben hatte:
    "Die beste Staatsform ist das Königtum. Die Entartung des Königtums, die Tyrannis, ist die schlechteste. Unter den nicht guten Verfassungen ist am erträglichsten die Demokratie."
  • troop5444 08.04.2020 23:10
    Highlight Highlight Systemfehler durch Einmischung:

    Beide Systeme haben ihre Vor- in nd Nachteile.
    Ein Vorteil der kommunalen Demokratie ist, dass sie die Bevölkerung in die Prozesse und Diskussionen einbindet, und so Demokratie auf regionaler/nationaler Ebene erst ermöglicht.

    Staaten ohne kommunale Demokratie enden fast immer in Diktatur, Korruption und Chaos.

    Eigentlich sollten solche Staaten zerschlagen werden und neu, auf kleinerer Ebene aufgebaut. Die Gründung war in solchen Fällen sowieso von aussen aufgezwungen.

    Ein Staat sollte eine selbstgwählte Eigenverwaltung sein statt ein Herrschaftsgebiet.
  • Alnothur 08.04.2020 23:03
    Highlight Highlight Das scheint auf intuitiver Ebene irgendwie gut nachvollziehbar, dass sowas in einer kleinen, dörflichen Gemeinschaft gut funktioniert. Einerseits ist da die soziale Kontrolle und das soziale Pflichtbewusstsein, und beides davon geht in grösseren Gemeinschaften verloren. Und andererseits fühlt sich wohl jemand, der seinen Posten als Lebensaufgabe in der Gemeinschaft bekommen hat und zeigen muss, dass er es verdient, ganz anders dafür verantwortlich als jemand, der gewählt wird.

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