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In this April 12, 2016 photo, a boy who migrated from drought hit areas of the western Indian state of Maharashtra, carries water to his family's makeshift hut in Kukse Borivali, 85 kilometres (53 miles) north-east of Mumbai, India. Decades of groundwater abuse, populist water policies and poor monsoons have turned vast swaths of central and western India into a dust bowl, driving distressed farmers to suicide or menial day labor in the cities. (AP Photo/Rafiq Maqbool)

Ein Kind im indischen Bundesstaat Maharashtra schleppt für seine Familie Wasser. Bild: AP/AP

Ein Drittel der Welt könnte 2070 unter grosser Hitze leiden – mit verheerenden Folgen



Wenn der Ausstoss der Treibhausgase nicht gemindert wird, könnten in 50 Jahren 3.5 Milliarden Menschen unter grosser Hitze leiden. Sie würden in Gebieten leben, in der die jährliche Durchschnittstemperatur mehr als 29 Grad Celsius beträgt.

Damit befänden sie sich ausserhalb der klimatischen Nische, die der Mensch seit mindestens 6000 Jahren bewohnt, berichten Wissenschaftler um Marten Scheffer von der Wageningen University (Niederlande) in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

«Das Coronavirus hat die Welt in einer Weise verändert, die noch vor wenigen Monaten schwer vorstellbar war und unsere Ergebnisse zeigen, wie der Klimawandel etwas Ähnliches bewirken könnte», wird Scheffer in einer Mitteilung seiner Universität und der anderen beteiligten Forschungseinrichtungen zitiert. Die Veränderungen würden zwar weniger schnell ablaufen, aber anders als bei der aktuellen Pandemie könne man nicht auf eine Erleichterung in absehbarer Zeit hoffen.

Ungebremster Temperaturanstieg

Für ihre Analyse blickten Scheffer und Kollegen zum einen in die Vergangenheit. Anhand vorhandener Datenbanken glichen sie die bevorzugten Siedlungsgebiete des Menschen mit den klimatischen Bedingungen in diesen Regionen ab. Sie fanden einen Höhepunkt der Bevölkerungsdichte bei Jahresdurchschnittstemperaturen von etwa 11 bis 15 Grad Celsius und einen kleineren Höhepunkt bei 20 bis 25 Grad Celsius. Diese Verteilung hat sich in den vergangenen 6000 Jahren kaum geändert, weshalb die Forscher diese Temperaturspanne als die «ökologische Nische des Menschen» bezeichnen.

Beim Blick in die Zukunft verwendeten die Wissenschaftler eine Klimaprognose aus dem 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC). Sie geht davon aus, dass sich die Konzentration der Treibhausgase weitgehend ungebremst wie in den vergangenen Jahrzehnten entwickeln wird. Die Temperaturen werden in den verschiedenen Weltregionen entsprechend steigen. Zudem nutzten die Forscher das sozioökonomische Szenario SSP 3 für die Entwicklung der Weltbevölkerung.

Verheerende Auswirkungen

Die Modellrechnungen ergaben, dass sich Gebiete mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von mehr als 29 Grad Celsius von jetzt 0.8 Prozent der weltweiten Landfläche (vor allem in der Sahara) bis 2070 auf 19 Prozent ausdehnen werden. Die Gebiete lägen vor allem in Südamerika, Afrika, Indien, Südostasien und Nordaustralien. Allein in Indien wäre mehr als eine Milliarde Menschen davon betroffen, in Nigeria, Pakistan, Indonesien und Sudan jeweils mehr als 100 Millionen Menschen.

«Dies hätte nicht nur verheerende direkte Auswirkungen, sondern es wäre für Gesellschaften auch schwieriger, künftige Krisen wie neue Pandemien zu bewältigen», betont Scheffer. Solche Temperaturanstiege bedeuteten nicht zwangsläufig, dass die Menschen aus den betroffenen Gebieten auswandern würden; denn für Migration gebe es ein komplexes Bündel an Gründen. Dennoch sieht Scheffer die Ergebnisse der Studie als Appell an die Weltgemeinschaft an, den Ausstoss an Kohlendioxid (CO2) rasch zu senken. (cma/sda/dpa)

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43 Vorher-nachher-Bilder, die zeigen, wie krass sich die Erde verändert hat

In Zukunft dürfte uns die Hitze noch härter treffen!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Victor Paulsen 05.05.2020 14:09
    Highlight Highlight Man soll nicht im Gefühl leben, das wir noch bis 2030, 2050, 2070 oder irgendwann Zeit haben, um den Klimawandel zu stoppen. Der Klimawandel läuft JETZT, desto früher wir ihn stoppen, oder zumindest reduzieren, desto weniger Zerstörung richten wir an. Wir sollten uns nicht zu sehr auf ein Datum festlegen, sondern handeln. Die Zeit schwindet
  • Quacksalber 05.05.2020 08:44
    Highlight Highlight Noch 50 Jahre Zeit bis die Klimaflüchtlinge kommen? Ich dachte wir haben nur Zeit bis 2050. Diese St. Nimmerleinstag Prognosen bringen doch niemandem etwas. Das Klima verändert sich doch heute und ganz offensichtlich.
  • rodolofo 05.05.2020 08:13
    Highlight Highlight Die Energiewende hin zu den Erneuerbaren hat durch die Entwicklung der Photovoltaik, durch intelligente Steuerung- und Speichersysteme und durch die Sektor-Koppelung, die von der dezentralen "Bürger-Energiewende" entwickelt wurden, zusammen mit staatlicher Förderung, wie einer garantierten Einspeisevergütung, einen gewaltigen Schub bekommen!
    Aber mit diesen Erfolgen haben auch die Ausbrems- und Blockade-Manöver durch die vorherrschenden Grosskonzerne mit ihren fossilen und atomaren Energien zugenommen:
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  • Varanasi 05.05.2020 08:07
  • Safuhr 05.05.2020 02:13
    Highlight Highlight Noch ist es nicht zu spät. Wen wir wollen können wir die Kurve noch kriegen.
    • Hiker 05.05.2020 11:49
      Highlight Highlight Leider nein, die Kurve haben wir längst verlassen. Es ist ähnlich wie am Anfang mit Corona nur langsamer. Die Auswirkungen der Klimaveränderungen sind bereits deutlich für jedermann sichtbar wenn man denn will. Will man aber offensichtlich nicht, genau wie zu Beginn bei Corona. Nur wird es beim Klimawandel erstens kein zurück geben und zweitens keine zweite Chance es wieder unter Kontrolle zu bringen. Das ist den meisten scheinbar egal, nach mir die Sintflut und den Kopf in den Sand. Was nicht sein darf ist nicht punkt!
  • Locutus70 05.05.2020 00:30
    Highlight Highlight Es könnte auch 2050 ein Meteorit auf die Erde einschlagen und alles Leben vernichten ^^
    • auloniella 05.05.2020 02:27
      Highlight Highlight Nur das wir das kaum beinflussen konnten und können.
      Von den Auswirkungen des CO2 Anstiegs warnen Wissenschaftler seit langem. 40 Jahre werdens sein.
      Lösungsvorschläge gab und gibt auch noch. Nur hört ihr halt nicht hin bis es zu spät ist
    • Locutus70 05.05.2020 03:00
      Highlight Highlight @auloniella - Du jammerst über die Vergangenheit und über die Zukunft, das ist denke ich nicht zielführend.
      Wir können die kleinen Räder drehen (jeder bei sich, in der Schweiz und in Europa) - dafür ist schon einiges im Gange und da muss noch mehr passieren.
      Wir können die großen Räder drehen (das betrifft China und die USA) - das wird schon schwieriger und unbequemer. Denn da müssten wir uns dann von diesen beiden Ländern unabhängiger machen.
    • auloniella 05.05.2020 03:17
      Highlight Highlight Jammern? Ok. Ich bezog mich auf den dämlichen Kometenvergleich und sonst gar nichts. Ansonsten stimme ich dir zu.



    Weitere Antworten anzeigen
  • Victor Paulsen 05.05.2020 00:23
    Highlight Highlight Alle, die sagen, dass man kurzfristige Coronainvestitionen nicht mit langjährigen Klimabekämpfung vermischen soll, muss ich widersprechen. Die Coronakrise wird für Klimasünder wie die Luftfahrt laut prognossen noch 1-2 Jahren dämpfen. Bis bei uns in der Schweiz mit der Swiss Subventionierung die Gelder zurückgezahlt wurden, sind einige Jahre vergangen und der Klimawandel wohl nach wie vor ungebremst. In den folgenden Jahren will man nach der Coronakrise die Luftfahrt nicht direkt wieder belasten, daher verzögert es sich noch weiter. Deswegen soll man Klimawandel trotz Corona nicht vergessen
    • Locutus70 05.05.2020 01:57
      Highlight Highlight Ich sehe das so: Es gibt nun eine erhebliche Schrumpfung, aber es wird natürlich irgendwann wieder aufwärts gehen.
      Die Gelder die da gedruckt und/oder durch Verschuldung ausgeschüttet werden, kann man sehr wohl in was neues nachhaltiges stecken. In vielen Fällen ist das ja noch nicht mal ein monetärer Nachteil, sondern eher das Gegenteil.
  • Posersalami 05.05.2020 00:16
    Highlight Highlight Der 5. Sachstandsbericht des IPCC ist leidere etwas zu weichgespült geraten. Das ist das Minimum, auf das sich alle verständigen konnten. Darum wurde er in der kurzen Zeit seiner Existenz von der Realität bereits in Teilen widerlegt. https://tinyurl.com/y9t8c9ys

    Es wird also wohl schon viel früher viel zu heiss werden in den benannten Regionen. Es wird uns aber leider erst so richtig bewusst werden, wenn es zu spät sein wird.
  • Froggr 04.05.2020 23:01
    Highlight Highlight Ein Drittel der Menschen könnte wegen den übertriebenen Lockdown Massnahmen unter Hungersnöten und Finanziellen Notlagen leiden.
  • Doplagus 04.05.2020 22:33
    Highlight Highlight Corona hat es uns gezeigt. Weniger auto fahren, weniger fliegen, weniger reisen. Und innerhalb kürzester erholen sich die luftwerte
    • Mutzli 05.05.2020 11:22
      Highlight Highlight @Doplagus
      Luftwerte wenn man Dinge wie Smog meint schon, aber bzgl. CO2-Austoss ist der Lockdown vor allem ein Weckruf dafür, wo die Grenzen von individuellem Verhalten sind.

      Gegenwärtife Prognose ist -5% globale CO2 Emissionen (https://bit.ly/2W6qkNf) was man mit den weniger Toten durch reduzierten Smog, Unfälle etc. Definitiv in der Rubrik "Glück im Unglück" verbuchen kann.

      Doch die nötige Reduktion um eine Erwärmung von mehr als 1.5° zu verhindern, beträgt -7'5% CO2 Emissionen pro Jahr.

      D.h. individueller Verzicht, selbst à la Lockdown reicht nicht, die Industrie muss umgebaut werden
  • Toerpe Zwerg 04.05.2020 22:21
    Highlight Highlight Kann man bitte die "verheerenden Auswirkungen" benennen, wenn man sie mehrfach im Artikel postuliert?

    Mässi.
    • Lienat 04.05.2020 22:53
      Highlight Highlight Es bedeutet, dass die Taupunkttemperatur in den genannten Gebieten zur Mittagszeit 35°C oder mehr betragen wird. Bei dieser feuchten Wärme kann der Körper auch durch Verdunstung nicht mehr ausreichend Wärme abgeben, was ohne weitere Schutzmassnahmen in 100% der Fälle innerhalb von 2 Stunden oder weniger zum Tod führt.
    • Do not lie to mE 04.05.2020 23:53
      Highlight Highlight Die Erde wird grüner, die Armut sinkt, es ging uns diesbezüglich noch nie besser, aber mit dem ist kein Geld zu verdienen, schaut euch doch die Doku von Mikel Moor YT = „Planet of the Humans“ an. Zudem bestehen da noch Variablen die keiner prognostizieren kann wie z.B. Abkühlung der Erde durch Grand Solar Minimum. Vulkanausbrüche und Pandemien. Meiner Meinung hat so mancher Forscher heute Angst um sein nächstes Budget.
    • Mutzli 05.05.2020 00:14
      Highlight Highlight @Toerpe Zwerg
      Aus dem Paper (https://doi.org/10.1073/pnas.1910114117):"Nevertheless, in the absence of migration, one third of the global population is projected to experience a MAT >29 °C currently found in only 0.8% of the Earth’s land surface, mostly concentrated in the Sahara."

      D.h.->Fuck.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rethinking 04.05.2020 21:25
    Highlight Highlight Corona und die damit verbundene Wirtschaftskrise mag aktuell grosse Wellen schlagen...

    Aber im Laufe der Zeit sind Umweltthemen viel bedeutender und werden einen sehr viel grösseren Impact auf unser Leben haben, als es Corona je haben wird...
    • Darkside 04.05.2020 22:14
      Highlight Highlight Klimaflucht und Wasserkriege.
      Ganz ehrlich, ich bin froh rechtzeitig geboren zu sein um das ziemlich sicher nicht mehr erleben zu müssen. Daher habe ich auch bewusst keine Kinder. Ich bedauere alle die das sehen werden (und eben nicht das Glück der rechtzeitigen Geburt hatten).
    • Mr.President 04.05.2020 22:51
      Highlight Highlight Dark side: wieso so düster?
      Die Menschheit hat so tolle Sachen erfunden, wie TV, Auto, Flugzeug. Es werden sicher mehr als ein paar helle Köpfe zusammen etwas entwickeln, was uns weiterbringt.
      - Wasser Gewinnung aus Meereswasser z. B. oder Ventilatoren angetrieben durch Sonnen Kraft.
      Hilfe durch Selbsthilfe.
      Es werden bestimmt auch Menschen geben, die als Flüchtling hierher gekommen sind, studiert haben und etwas entwickeln, und in ihrem Heimatland als Projekt etwas zurückbringen werden. Idee, like Wakanda ForEver!

      May the fourth be with you!
    • Isso 05.05.2020 00:13
      Highlight Highlight Ziemlich egoistische Sichtweise finden Sie nicht auch?
      Finde es fraglich, dass man bei Watson so einen Kommentar überhaupt freischaltet.
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