DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

US-Kapitol nach dem Enthauptungsschlag – Szene aus der US-Serie «Designated Survivor» (2016). screenshot via netflix

Designated Survivor: Er übernimmt, wenn die ganze US-Führung auf einmal stirbt



Das Thema «Designated Survivor» ist derzeit in den USA in aller Munde. In der gleichlautenden TV-Serie (in der Schweiz auf Netflix verfügbar) spielt Kiefer Sutherland den US-Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung Thomas Kirkman. Er wird nach einem verheerenden Terroranschlag auf das Kapitol unverhofft als Präsident vereidigt und muss irgendwie verhindern, dass das Land in der Anarachie versinkt.

Trailer «Designated Survivor»

abspielen

Video: YouTube/ABC Television Network

Sutherland ist in der Serie der Designated Survivor, der auch in der Realität existiert. Ihn zu bestimmen, wird eine der ersten Amtshandlungen des 45. Präsidenten der USA, Donald Trump, sein, bevor er am 20. Januar vereidigt wird. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass an jenem Freitag etwas sehr, sehr Schlimmes passiert. 

Seit der Erfindung von Atomwaffen existiert in der Militärstrategie das Konzept des sogenannten Enthauptungsschlags. Ziel ist, mit einem einzigen Angriff die gesamte politische Führung eines Landes auszuschalten. Dieses wäre in der Folge derart gelähmt, dass Gegenwehr nicht mehr oder kaum mehr möglich ist. 

So hypothetisch dieses Horrorszanario klingt – in den USA bieten sich zwei Anlässe für einen Enthauptungsschlag an: die Vereidigung des Präsidenten alle vier Jahre sowie dessen jährliche Ansprache zur Lage der Nation («State of the Union»). Bei diesen Gelegenheiten versammeln sich der Präsident, sein Vize, sein Kabinett, beide Kammern des Parlaments und in der Regel alle neun Mitglieder des Obersten Gerichtshofs sowie der Vereinigte Generalstab im oder um das Kapitol in Washington.

epa04046262 US President Barack Obama (C) receives a standing ovation while delivering his State of the Union address before a joint session of Congress, on Capitol Hill in Washington DC, USA, 28 January 2014.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

US-Präsident Barack Obama bei der Ansprache zur Lage der Nation 2014. In der ersten Reihe (von rechts nach links) der Vereinigte Generalstab, Mitglieder des Obersten Gerichts und Minister aus seinem Kabinett. Nicht im Publikum ist Energieminister Ernest Moniz – aus gutem Grund. Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Anders gesagt: Sämtliche Personen, welche laut Gesetz sukzessive nachrücken würden, sollte dem Präsident etwas zustossen, befinden sich am gleichen Ort. Kommen sie alle bei einem Terroranschlag ums Leben, ist die ganze Nachfolgeregelung gegenstandslos. Die USA hätten keinen Präsidenten, keinen der nachrückt und ziemlich sicher eine fatale Verfassungskrise.

Nachfolge des US-Präsidenten

  1. Vize-Präsident
  2. Sprecher des Repräsentantenhauses
  3. Präsident pro tempore des Senats*
  4. Aussenminister
  5. Finanzminister
  6. Verteidigungsminister
  7. Justizminister
  8. Innenminister
  9. Landwirtschaftsminister
  10. Handelsminister
  11. Arbeitsminister
  12. Gesundheitsminister
  13. Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung
  14. Verkehrsminister
  15. Energieminister
  16. Bildungsminister
  17. Minister für Kriegsveteranen
  18. Minister für Innere Sicherheit

(*in der Regel der dienstälteste Senator der grösseren Fraktion, nicht zu verwechseln mit dem Mehrheitsführer)

Damit das nicht eintritt, trifft der US-Präsident Vorkehrungen. Vor jeder Vereidigung und vor jeder Ansprache zur Lage der Nation bestimmt er einen «Designated Survivor», einen «designierten Überlebenden». Während die politische Elite zusammenkommt, hält dieser sich an einem unbekannten, entfernten und gesicherten Ort auf. Nach einem Enthauptungsschlag würde er kommissarischer Präsident werden und so die Fortführung der Regierungsgeschäfte und Aufrechterhaltung der verfassungsmässigen Ordnung garantieren.

Sogar einen Assistenten mit dem «Nuclear Football» bekommt er bei dieser Gelegenheit zugewiesen. Mit dem sagenumwobenen Köfferchen könnte er einen Atomschlag autorisieren.

epa05007957 A Major in the US Marine Corps carries a briefcase known as the 'football', which contains materials that could be used by the president to authorize a nuclear attack, while walking to Marine One on the South Lawn of the White House in Washington, DC, USA, 02 November 2015. Before departing for New Jersey and New York, Obama signed the Bipartisan Budget Act of 2015 in the Oval Office.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Ein Major der US-Marineinfanteristen mit dem Nuclear Football (2015). Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Vor seiner Vereidigung am 20. Januar 2017 wird Trump einen Designated Survivor bestimmen. Seine Vorgänger im Weissen Haus entschieden sich meistens für einen der weniger prominenten Minister ihres Kabinetts, zum Beispiel den Energieminister.

Allerdings kann nicht jeder Designated Survivor werden: Die betreffende Person muss laut Verfassung zur Ausführung des Präsidentenamtes berechtigt, also gebürtiger Amerikaner und 35+ Jahre alt sein sowie mindestens 14 Jahre in den USA gelebt haben. Die aktuelle Innenministerin Sally Jewell zum Beispiel erfüllt diese Voraussetzung nicht, da sie gebürtige Britin ist. Dasselbe galt für Madeleine Albright (Tschecheslowakei) und Henry Kissinger (Deutschland), beides ehemalige US-Aussenminister.

Die reichsten US-Präsidenten

Holy Shit, Trump ist US-Präsident

Liebe Frauen, es ist scheisse. Packen wir's an!

Link zum Artikel

Alles war nur fake! Jetzt wird die «Trumpman-Show» aufgelöst

Link zum Artikel

Tweets voller «Tragik» – so jammern US-Promis über das Wahlergebnis

Link zum Artikel

Trumps Sieg ist das Ende des Neoliberalismus – was dies für uns bedeutet

Link zum Artikel
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wie Trump seinen Wählern über 100 Millionen Dollar abzockte

Donald Trumps Wahlkampagne verleitete Unterstützer mittels vormarkierten Checkboxen dazu, nicht nur einmalig einen Betrag zu spenden, sondern jede Woche. Über 100 Millionen Dollar wurden so gegen den Willen von Spendern generiert.

Stacy Blatt, ein 63-Jähriger aus Kansas City, lag im September letzten Jahres im Spital wegen seiner Krebserkrankung, als er sich entschied, Donald Trump 500 Dollar zu spenden. Weniger als 30 Tage später wurde sein Konto gesperrt. Als er sich nach dem Grund erkundigte, fand er heraus: Die Trump-Kampagne hatte ihm in knapp einem Monat 3000 Dollar verrechnet. Blatt, der von weniger als 1000 Dollar im Monat lebte, war pleite.

So wie Stacy Blatt erging es letztes Jahr hunderttausenden Unterstützern …

Artikel lesen
Link zum Artikel