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Nach Überfall auf Grenzposten

Die ultimative Zeitbombe tickt: IS-Zugriff auf Mekka und die Implosion Saudi-Arabiens



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IS-Zugriff auf Mekka
quelle: x02365 / muhammad hamed
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Vergangene Woche griffen IS-Kämpfer einen saudischen Grenzposten an und töteten drei Soldaten. War es der Startschuss des angekündigten Feldzugs zur Eroberung Mekkas und Medinas? Solange al-Baghdadi die heiligen Stätten des Islams nicht kontrolliert, haftet seinem Titel «Kalif» ein entscheidender Makel an.

Saudi-Arabien hat im Anschluss an den Überfall angekündigt, seine Nordgrenze zum Irak mit einer 1000 Kilometer langen Sperranlage zu sichern. Doch was nützt ein Schutzwall, wenn die eigentliche Gefahr nicht von aussen, sondern von innen droht? Alastair Crooke, Ex-Agent des britischen Auslandgeheimdienstes MI-6, beschrieb unlängst in einem viel beachteten Essay, wie Saudi-Arabien den IS-Virus in sich selbst trägt, ja erfunden hat, und daran schon bald implodieren könnte.

Laut Crooke ist es kein Zufall, dass viele Saudis dem IS wohlwollend gegenüberstehen und 3000 bis 4000 gar in seinen Reihen kämpfen. Al-Baghdadis fanatische Version des Islams unterscheidet sich kaum von der saudischen Staatsdoktrin des Wahabismus. Im zentralen Punkt besteht sogar Übereinstimmung: Ein richtiger Muslim glaubt an einen einzigen Gott und bekämpft aktiv Andersgläubige. Dazu gehören auch moderate Muslime.

Geiselnahme in Mekka

Die letzte Besetzung Mekkas durch IS-ähnliche Elemente ist noch nicht lange her: 1979 brachten während des Hadsch rund 500 militante Islamisten die Grosse Moschee mit der Kaaba in ihre Gewalt und nahmen Tausende Pilger als Geiseln. Die Besetzung dauerte zwei Wochen und forderte 330 Todesopfer. Im Anschluss wurden 68 Aufständische zum Tod verurteilt und zur Abschreckung in verschiedenen Städten öffentlich geköpft.

Unter den Anführern befanden sich Nachkommen der Ikhwan, einer wahabitischen Miliz, mit deren Hilfe der Begründer der Saud-Dynastie einst die Arabische Halbinsel erobert hatte. Die Ikhwan hatten schon Ende der 1920er Jahre gegen den König rebelliert, weil er Kontakte zu Ungläubigen (Grossbritannien) pflegte und moderne Erfindungen (Telefon) einführte. Ibn Saud liess den Aufstand blutig niederschlagen. Gleichzeitig gliederte er jene, die Reue zeigten, in seine Armee ein. Der Monarch wusste, dass die Fanatiker in weiten Teilen der Bevölkerung Sympathien genossen.

«Der Westen kann nichts mehr tun»

Das Dilemma der Saud-Dynastie besteht weiter: Die fanatischen Lehren Abd al-Wahabs verleihen der Monarchie die religiöse Legitimierung. Das Königshaus unternimmt auch viel, um den Wahabismus in die islamische Welt zu tragen, indem es einschlägige Gruppen finanziert. Seien es salafistische Moscheen in Ägypten oder extremistische Milizen in Syrien. Gleichzeitig muss der «Hüter der heiligen Stätten» Realpolitik betreiben und Kontakte zum Westen (und insgeheim sogar zu Israel) pflegen, der sein Regime bewaffnet und das Öl aus dem Boden holt.

In unregelmässigen Zeitabständen entlädt sich dieser Widerspruch in Gewalt. Ex-Geheimdienstler Crooke glaubt, dass Saudi-Arabien mit dem Aufstieg des IS wieder auf eine solche Katastrophe zusteuert: «Das eigentliche Zerstörungspotential des IS liegt in der Implosion Saudi-Arabiens, einer tragenden Säule der Ordnung im Nahen Osten. Allen sollte klar sein, dass der Westen fast nichts mehr tun kann, als abzuwarten und zuzuschauen.»

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