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epa05623373 A handout picture made available by the Empire State Realty Trust shows a view of the Empire State Building lit with real-time election results and campaign photos during the US Election Day in New York, New York, USA, 08 November 2016. Americans vote on Election Day to choose the 45th President of the United States of America to serve from 2017 through 2020.  EPA/CNN  / HANDOUT via EMPIRE STATE REALTY TRUST  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

We had a dream ... Bild: EPA/EMPIRE STATE REALTY TRUST

Kommentar

Liebe Frauen, es ist scheisse. Packen wir's an!



Hillarys Sieg wäre schön gewesen. Auf eine abstrakte Art schön. Er hätte wenig mit Charisma zu tun gehabt, aber viel mit einem kompetent durchgeführten Struktur- und Kulturwandel, der vor acht Jahren durch Barack Obama eröffnet wurde. Der Weg weg vom weissen Mann.

Doch genau dies hat sie nun den Sieg gekostet. Sie verlor nicht, weil sie eine Frau ist. Sondern weil Obama ein Schwarzer ist. Weil vielen weissen Männern acht Jahre unter einem «symbolisch» bedeutsamen Präsidenten genügten, wie es der Vorsitzende der National Rifle Association einmal zusammenfasste. Es war an der Zeit, die alte Ordnung wieder herzustellen.

Immerhin hat eine überragende Mehrheit der Millennials Hillary Clinton gewählt. Das ist grossartig, das zeigt eine Unvoreingenommenheit und Furchtlosigkeit des jungen Amerikas. Aber nur des jungen.

Menschen über 45 haben Trump gewählt. Verheiratete haben Trump gewählt. 63 Prozent der weissen Männer, aber auch 53 Prozent der weissen Frauen waren für Trump. Die Einkommensschwächsten wählten Clinton. Die frustrierte, verschuldete, sich von der Wall Street verarscht fühlende Mittelklasse und die Reichen wählten Trump. Weisse Frauen mit Hochschul-Abschluss wählten Clinton. Weisse Männer wählten durch alle Bildungsschichten hindurch eher Trump. 

Hillary Clinton blieb ein Traum von ein paar idealistischen, elitären, tendenziell alleinstehenden jungen Frauen und allen anderen Minderheiten.

Die weisse Mittelklasse, die je nach Definition bis zu 66 Prozent der Hauhalte in den USA umfasst, auf jeden Fall also die Mehrheit, die wählte Trump. Denn die Mehrheit fühlte sich minderwertig. Samt ihren Frauen. Diese betrachteten Trumps Pussygrabschertum als vernachlässigbares Übel angesichts seiner Versprechen von wirtschaftlichem Aufschwung und einer Rückeroberung des amerikanischen Traums. 

epa05623607 Women look dejected as Italians watch the US election at the Road House Grill at Testaccio district in Rome, Italy, 08 November 2016. Democratic candidate Hillary Clinton is running against Republican candidate Donald Trump in the election to choose the US president to serve from 2016 through 2020.  EPA/GIUSEPPE LAMI

Traurige Millenials. Bild: EPA/ANSA

Ist das erstaunlich? Nein. Klasse gewinnt über Geschlecht und Rasse. Die Klasse ist der gemeinsame Nenner, auf den sich eine Bevölkerung einigen kann. Und die Klasse der Verlierer hat diese Wahl gewonnen. Das ist, auf eine abstrakte Art, sogar fair.

Eine Gesellschaft sollte weniger Verlierer produzieren, um ein demographisches und demokratisches Gleichgewicht halten zu können.

Und jetzt? Sollen wir Frauen, die wir auf Hillary setzten, uns stundenlang weinend auf dem Boden wälzen und unser Facebookprofil einschwärzen? Sollen Amerikas Frauen, Homosexuelle, Schwarze, Muslime, Kranke und Behinderte «sich aneinander festhalten», wie der «Guardian» vorschlägt, und sich in einer tränenseligen Nestwärme vor der Apokalypse in Schutz bringen? Okay, vielleicht für eine Viertelstunde.

Dann muss die Sprachlosigkeit ein Ende haben. Dann gilt es zu arbeiten. Gilt, die eigene, privilegierte Blase zum Platzen zu bringen. Dialoge zu suchen. Grenzen zu sprengen. Seine Wohlfühlzone zu verlassen. To face the facts. Gut möglich, dass dies noch mehr schmerzt als Hillary Clintons Niederlage. Und ja, Rebellion macht müde. Todmüde. Alles scheisse.

«Die Verwundbaren unter uns werden jetzt noch verwundbarer sein.»

Roxane Gay in der «New York Times»

Trotzdem wird die Welt jetzt nicht untergehen. Der Feminismus ist nicht tot und wird auch nicht abgeschafft, auch wenn er sich aktuell in einer Schockstarre befindet. Von Donald Trump kann er nur lernen: die Dreistigkeit, die Rhetorik der Schlichtheit, die irgendwann eine Realität schafft, die Schamlosigkeit, die Arroganz, die Strassentauglichkeit. 

Republican presidential nominee Donald Trump and his daughter Ivanka Trump attend a campaign rally in Manchester, New Hampshire, U.S. November 7,  2016.   REUTERS/Carlo Allegri

Zwei, die sich innig lieben: Donald und Ivanka Trump. Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Erschwerend ist allerdings, dass der amerikanische Traum, den Trump so polternd vor sich herträgt, ein Traum aus lauter Männermythen ist. Aus Eroberern und Siedlern. Cowboys, Easy Riders, Rangers, Base- und Basketball-Stars. Aus Soldaten, Astronauten, Ölmagnaten und Präsidenten. Für die Frauen gibt es was? Den übersexten Cheerleader und seine turbokapitalistische Schwester Ivanka Trump?

Vielleicht lässt sich Ivanka ja irgendwann noch irgendwas abgewinnen. Bis jetzt ist sie bloss das neue Lieblingsgesicht, das sich die Amerikanerinnen – auch Demokratinnen – beim Schönheitschirurgen bestellen.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

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Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern
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