Leben
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5 Firmen, die (aus heutiger Sicht) den Deal ihres Lebens ausgeschlagen haben



Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer. Und natürlich ist es auch fraglich, ob die betreffenden Marken oder Firmen heute das wären, was sie sind, wenn die gescheiterten Verhandlungen doch von Erfolg gekrönt gewesen wären. Aber: Die Leute, die damals den folgenden fünf Deals nicht zugestimmt haben, dürften sich wohl doch ein bisschen ärgern.

Laptops mit Apple-Software? Nein, danke!

Eigentlich ist es heute unvorstellbar, dass Apples Betriebssystem auf einem fremden Gerät laufen soll. Angeblich soll Steve Jobs aber 2001 genau das im Sinn gehabt haben. Der Apple-Gründer, der bekannt war für seine Passion für gutes Design, war damals von Sonys Laptop-Reihe VAIO äusserst angetan. Das ging sogar so weit, dass Jobs bereit war, das damalige Betriebssystem Mac OS an Sony zu lizenzieren.

FILE - In this Oct. 12, 2005 file photo, Apple Computer Inc. CEO Steve Jobs holds up an iPod during an event in San Jose, Calif. Jurors in a class-action lawsuit against Apple Inc. on Tuesday, Dec. 2, 2014 saw emails from the late CEO and his top lieutenants that show Jobs was determined to keep Apple's popular iPod music players free from songs that were sold by competing online stores. (AP Photo/Paul Sakuma, File)

Steve Jobs. Bild: AP/AP

Dass wir das wissen, verdanken wir Ex-Sony-Präsident Kunitake Ando, der diese Anekdote 2014 einem Journalisten verraten hat. Demnach habe er sich damals mit Jobs auf Hawaii getroffen, um über den Deal zu sprechen. Besonders daran ist, dass es Jobs war, der auf Sony zuging, und nicht umgekehrt. Laut Ando hatte Jobs, als man sich auf Hawaii traf, einen VAIO-Laptop dabei, auf dem eine voll funktionsfähige Version von Mac OS lief.

Sony Vaio PCG-F420

Ein Sony-Vaio-Laptop wie er im Jahr 2000 verkauft wurde. Bild: Wikipedia/OrangeMooch17

Ob Sony zu Beginn ernsthaft daran interessiert gewesen war, Mac OS auf seinen Laptops einzusetzen, bleibt leider unklar. Abgelehnt hat Sony das Angebot schlussendlich, weil die Verkäufe der VAIO-Reihe gerade stark anzogen und man daher wohl keinen Bedarf sah, auf ein zweites Betriebssystem zu setzen.

Heutzutage gehören Laptops von Apple zu den beliebtesten Geräten der Welt und werden vor allem im kreativen Bereich eingesetzt. Sony hingegen hat seine PC-Sparte und damit die Marke VAIO 2014 mangels Umsatz verkauft.

Marvel-Filmrechte? Für was?!

Aktuell gilt das Marvel Cinematic Universe als das kommerziell erfolgreichste Film-Franchise der Welt. 8,5 Milliarden US-Dollar haben die 23 Filme an den Kinokassen eingespielt. Mitte der 90er-Jahre sah das noch ganz anders aus. Damals waren Superheldenfilme nicht sonderlich populär. Zwar sorgte Batman für gute Zuschauerzahlen, doch abseits dieses grossen Namens hatten die Leute nicht sonderlich Lust auf Superhelden – vor allem nicht auf solche von Marvel.

Batman Forever

War in den Mitte der 90er-Jahre die einzig erfolgreiche Superhelden-Filmreihe: «Batman». Bild: Warner Bros.

Das dürfte dann wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb Sony Pictures den Deal seines Lebens abgelehnt hat. Marvel, damals noch ein reiner Comic-Verlag, litt nämlich seit Jahren unter rückläufigen Verkäufen. Das führte 1996 dazu, dass der Verlag kurz vor der Insolvenz stand. Um das Aus zu verhindern, versuchte Marvel möglichst rasch Geld durch Filmlizenzen einzunehmen. Sony Pictures war eines der Studios, das Interesse bekundete – man war bereit, zehn Millionen US-Dollar für die Filmrechte an «Spider-Man» zu bezahlen.

This image released by Columbia Pictures shows Tom Holland in a scene from

Damals wie heute beliebt: Spider-Man. Bild: AP/Sony Pictures - Columbia Pictures

Ike Perlmutter, der damals CEO von Marvel war, machte Sony daraufhin ein Gegenangebot: Sony sollte sämtliche Filmrechte an den Marvel-Figuren erhalten – mit Ausnahme der X-Men und der Fantastischen Vier. Dafür wollte Perlmutter nur 25 Millionen Dollar. Damit hätte Sony also unter anderem die Rechte an Spider-Man, Thor, Iron Man, Hulk, Ant-Man, Black Panther und Captain Marvel erhalten.

Das Problem: Aus damaliger Sicht waren Figuren wie Ant-Man, Thor und selbst Iron Man nur «B-Ware». Sony sah das genauso, schlug den Deal aus und beschränkte sich auf Spider-Man. Laut Sony hatte einzig Spider-Man genug Zugkraft, um die Zuschauer scharenweise ins Kino zu locken. Heute wissen wir, dass das nicht stimmt. Immerhin hat Sony ein paar Jahre später dann mit den Spider-Man-Verfilmungen massgeblich zur wachsenden Popularität von Superhelden beigetragen.

Wenn man eine Bestsellerautorin gleich zweimal ablehnt

Author J.K. Rowling speaks at the Empire State Building during a lighting ceremony and to mark the launch of her non-profit children's organization Lumos, on Thursday, April 9, 2015, in New York. (Photo by Evan Agostini/Invision/AP)

Zweimal vom gleichen Verlag abgelehnt: J. K. Rowling. Bild: Evan Agostini/Invision/AP/Invision

Okay, eine Geschichte über eine Bestsellerautorin, die anfangs vom einen oder anderen Verlag abgelehnt wurde, ist jetzt nichts Spektakuläres. Etwas anders sieht es da bei J. K. Rowling aus. Die Autorin der «Harry Potter»-Reihe wurde nämlich sozusagen selbst nach ihrem Welterfolg noch einmal abgelehnt.

Wie das passieren konnte? Nun, nach «Harry Potter» fing Rowling an, Krimis zu schreiben. Allerdings entschied sie sich, diese unter einem Pseudonym zu veröffentlichen: Robert Galbraith. Tatsächlich ging sie sogar so weit und bewarb sich unter diesem Pseudonym bei diversen Verlagen – und erhielt prompt von einigen eine Absage.

Robert Galbraith Weisser Tod

Bild: Blanvalet

Später veröffentlichte Rowling zwei der Absagen auf Twitter, um angehenden Schreiberlingen zu zeigen, dass selbst gestandene Autorinnen nicht vor Absagen gefeit sind. Ein Verlag riet ihr sogar dazu, Schreibkurse zu belegen.

Dabei erwähnte sie auch, dass der Verlag, der «Harry Potter» damals als Allererstes abgelehnt hatte, auch ihren Detektivroman nicht wollte. Laut Rowling sei diese Absage sogar die barschste gewesen, die sie erhalten habe. Veröffentlicht hat sie das Schreiben allerdings nicht.

Netflix hat keine Zukunft

Wir schreiben das Jahr 2000. Netflix ist ein junges Unternehmen, das sich auf DVD-Verleih via Versand spezialisiert hat. Die Idee kommt an, doch hat man noch nicht genug Kunden, um Gewinne zu schreiben. Auch die Dot-Com-Blase, die gerade geplatzt ist, macht Netflix das Leben schwer. Hätten die beiden Gründer doch nur das Übernahmeangebot von Amazon etwa zwei Jahre zuvor angenommen.

Im September 2000 dann ein Silberstreif am Horizont: Blockbuster, damals die grösste Videothekenkette der Welt, lud die Netflix-Gründer zu einem Meeting ein. Eine kleine Überraschung, denn zuvor hatte Blockbuster monatelang nicht auf die Anfragen von Netflix reagiert.

Für die Netflix-Gründer schien ein Zusammenschluss ihrer Firma mit Blockbuster nur logisch: Während Netflix das relativ junge Feld des Online-Videoverleihs bewirtschaften würde, könnte sich Blockbuster weiter auf den Offline-Handel konzentrieren. Netflix verpasste sich selbst ein Preisschild von 50 Millionen US-Dollar. Für Blockbuster wäre dies durchaus bezahlbar gewesen. Das Unternehmen stand finanziell gut da und hatte bei einer Finanzierungsrunde erst gerade rund 500 Millionen eingesammelt.

Marc Randolph

Netflix-Co-Gründer Marc Randolph schildert den Vorfall ausführlich in seiner Biografie «That will never work». Bild: Wikipedia/Gage Skidmore

Doch der damalige CEO von Blockbuster, John Antioco, dachte nicht im Traum daran, diese Summe zu bezahlen. Er hatte die Netflix-Leute mehr aus Höflichkeit eingeladen und unterbreitete daher nicht einmal ein tieferes Gegenangebot. Er sah schlicht keine rentable Zukunft in einer online-orientierten Strategie für Filmverleih.

Der Rest ist Geschichte: Netflix schaffte die Wende, setzte bald auf Streaming und ist heute eines der wertvollsten Medienunternehmen der Welt. Und Blockbuster? Die Videothekenkette verschlief den DVD-Verleih via Post genauso wie den Start des Streaming-Zeitalters. 2010 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Zwar wurde Blockbuster dann noch aufgekauft, 2014 war dann aber definitiv Schluss.

Android hätte südkoreanisch werden können – hätte

Ob Android unter einer anderen Firma als Google so dominant geworden wäre? Wir werden es nie erfahren. Dennoch darf man Samsung wohl vorwerfen, dass sie 2005 die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Zwei Jahre zuvor hatte ein Typ namens Andy Rubin Android gegründet, um ein neuartiges Betriebssystem für Digitalkameras zu entwickeln. Bald schwenkte man aber auf Mobiltelefone um, da diese mehr Potenzial hatten. Rubin und sein kleines Team aus sechs Leuten wollten ein modernes, intuitives OS für Handys entwickeln, das es locker mit den Platzhirschen Symbian (Nokia) und Windows Mobile aufnehmen sollte.

FILE - In this Tuesday, June 8, 2010, file photo, Andy Rubin, then-Google vice president of engineering, speaks to media at the Samsung headquarters during a media launch in Seoul, South Korea. Rubin received a $90 million severance package in 2014 after Google concluded the sexual misconduct allegations against him were credible. On Thursday, Nov. 1, 2018, Google employees staged a global walkout to protest the company's treatment of women. (AP Photo/Wally Santana, File)

Andy Rubin 2010. Bild: AP/AP

Wir wissen: 2005, also zwei Jahre vor der Präsentation des iPhones, kaufte Google das junge Start-up Android. Später, als sich der Siegeszug von Smartphones abzeichnete, setzten immer mehr Hersteller auf deren Betriebssystem. Google wurde damit zu einem der dominierenden Elektronikkonzerne. Auch Samsung, der heute zweitgrösste Smartphone-Hersteller, setzt auf Android und hat diverse Google-Dienste lizenziert. Dabei hätte der südkoreanische Konzern die Möglichkeit gehabt, das OS gleich selbst zu kaufen.

Samsung Galaxy 2009

Das Samsung Galaxy war 2009 das erste Handy der Südkoreaner mit Android. Bild: Wikipedia/Sertion

Dieses Detail findet sich im Buch «Dogfight: How Apple and Google Went to War and Started a Revolution». Darin beschreibt Autor Fred Vogelstein, dass Andy Rubin, bevor Google Android kaufte, bei Samsung vorstellig geworden war. Die Südkoreaner verkauften schon damals millionenfach Handys, also schien eine Kooperation naheliegend. Tatsächlich durfte Rubin seine Idee bei Samsung vorstellen. Der Pitch verlief aber erfolglos. Laut Rubin habe Samsung ihn und seine Idee nicht wirklich ernst genommen und ihn regelrecht «aus dem Saal gelacht».

Niemand bei Samsung habe ihm zugetraut, dass er und sein sechsköpfiges Team das Projekt stemmen könnten, erinnert sich Rubin:

«Du und welche Armee werdet das schaffen? Du hast sechs Leute, oder? Bist du zugedröhnt?»

Als dann einige Zeit später bekannt wurde, dass Google das damals völlig unbekannte Android übernommen hatte, änderte sich diese Einstellung. Samsung bekundete nun doch Interesse, weil man wohl gemerkt hatte, dass da was im Busch sein musste. Am Deal konnte Samsung aber nichts mehr ändern.

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