Leben
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montage/bearbeitung: watson / material: shutterstock

Emma Amour

Ich habe aufgehört zu rauchen: 24 Stunden in meiner persönlichen Hölle

Das neue Jahr ist heute gerade mal zwei Tage alt. Ich könnte es dennoch bereits nicht mehr hassen. Das einzig «Gute»: Für einmal hat mein Weltschmerz nichts mit einem Mann zu tun.



Würde man mich in dieser Sekunde fragen, ob ich für den Rest meines Lebens auf Sex oder Zigaretten verzichten würde, würde ich Sex wählen. Wer will schon vögeln, wenn man nicht mal mehr die Zigi danach rauchen kann?

Ich sicher nicht.

Das soll aber mein neues Leben sein. Aber von Anfang an. Ich habe beschlossen, am 1. Januar 2020 mit dem Rauchen aufzuhören. Das, nachdem mir Sophies Vater, ein angesehener Lungenspezialist, massiv ins Gewissen geredet hat.

Mein Plan war simpel: Ich verbringe Silvester damit, Kette zu rauchen. Ich durfte so lange rauchen, bis ich ins Bett gehe. Weil das neue Jahr fängt ja erst mit einem neuen Tag an. Freestyle-Regeln kann ich.

So war es dann auch. Mein Silvester war sehr unspektakulär. Ich war bei Freunden. Und dann zogen wir durch Bars und Clubs. Ich war sehr damit beschäftigt, die nächste Kippe zu rauchen. Aus lauter Panik, dass es vielleicht die achtletzte ist, kam ich gar nicht dazu, mir einen potenziellen Silvester-Schatz anzulachen.

Raucher verstehen das. Alle anderen mögen schweigen.

Nicht mal Masturbieren geht!

Es war 4.23 Uhr, als ich also die letzte Zigi an meinem offenen Küchenfenster rauchte. Ich habe dazu Rotz und Wasser geweint. Zum einen, weil es eben die letzte Kippe gewesen sein soll und anderseits, weil ich dazu Roxettes «It Must Have Been Love» aufdrehte und traurig war, weil Marie Fredriksson neulich verstarb.

Roxette: «It Must Have Been Love»

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Video: YouTube/Roxette

Das erste Mal wache ich um 9.18 Uhr im neuen Jahr auf. Spätestens um 9.20 würde ich die erste Zigi anzünden. Das ist grusig. Ich weiss. Aber was tun gegen die Macht der Gewohnheit? Jetzt soll alles anders sein. Ich habe jegliche Aschenbecher, Vorratzigis und Feuerzeuge entsorgt.

Also. WC, Kafi, bizli Schoggi. Zurück ins Bett. Weiterpennen. Denkste. Ich bin hellwach. Und kann nur an Zigaretten denken. Easy. Masturbieren. Komme nicht in Fahrt. Also, umdrehen. Schlafen. Irgendwie gelingt es mir, noch einmal wegzudösen.

Es ist kurz nach elf, als ich aufschrecke. «No more Zigis in my Life...», singt es hämisch in meinem Kopf. Meine Laune ist Terror. Ok. Bewegung. Joggen. Mag ich aber nicht. Hab Dröhnkopf. Muss man einfach aushalten, meinte Sophies Papi. Drei Tage Hölle, danach ist das Schlimmste überstanden.

Sie nerven, Herr Doktor.

Ich versuchs mit Youtube-Yoga. Die Trulla, die mich da aber instruieren und motivieren will, stresst mich. Ich mach Freestyle-Yoga, nehme ein Bad. Dann masturbiere ich. Und komme in Fahrt. Alles wird gut. Dann fällt mir ein, dass ich nach dem Kommen nicht Rauchen darf.

Von wegen happy new year!

Ich torkle zum Bäcker des Vertrauens. Ein Pain au Chocolat und ein Butterbrezeli später bin ich kurzfristig glücklich, bevor mich die blanke Panik vor dem Zunehmen wegen Rauchstop übermannt.

Läuft bis jetzt – gelinde gesagt – sehr beschissen.

Also, Butterbrezel und Schoggibrötli wegtrainieren. Ich drehe die Musik auf und tanze durch die Wohnung. Macht mich normalerweise im Nu glücklich. Heute finde ich sogar die Münchener Freiheit enorm trist.

WILL RAUCHEN.

In der Zwischenzeit ist es irgendwie 17 Uhr geworden. Fast dunkel. Sehr gut. Kann ich wenigstens bald wieder ins Bett. Ich bestell mir geiles Essen. Das mir ein geiler Beau mit Käppi bringt. Bin aber null in Flirtlaune.

Ich esse langsam. Weil ich weiss, dass das nächste Tief nach dem letzten Bissen kommt. Keine Zigi nach dem Essen. Mal im Ernst, wie soll ich so jemals glücklich werden?

Kurzfristig finde ich das Glück im Internet!

Ich krame mein «Endlich Nichtraucher»-Buch aus dem Büchergestell. Ich blättere kurz drin rum, schmeiss es dann aber zurück in die Ecke. Sorry, Herr Doktor.

Habe übrigens Kopfweh. Und in meinem Kopfkino läuft ein sehr kitschiger Liebesfilm. Es sind aber nicht Menschen, die hier mitspielen. Die Protagonisten sind Zigaretten. Grosse, dünne, kürzere, lange elegante, selber gedrehte.

Fuck you, Fantasie!

Es ist 21.19 Uhr. Noch zwei Stunden durchhalten. Ich rufe Cleo an. Die hat aber wenig Zeit. Im Gegensatz zu mir hat sie einen Silvester-Schatz im Bett. Also rufe ich Sophie an und weine ein bisschen. Sie, die noch nie eine Zigarette im Mund hatte, findet mich nervig.

Finde mich selber auch ätzend.

21.54 Uhr. Ich hab den ersten Tag so gut wie geschafft. Das schreit nach Belohnung. Ich rufe meine Lieblings-Online-Shopping-Seite auf. Und mache eine winzig dezente Bestellung für 684 Stutz. Wenn ich weiterhin so gut nicht rauche, hab ich das Geld ja bald draussen.

Alles gut.

Bin kurzfristig sehr glücklich. Wer braucht schon Sex, Männer und Zigaretten?

Eine Dreiviertelstunde später liege ich im Bett. Und vermisse schmerzlichst Zigaretten, Sex, Zigaretten, Männer, Zigaretten.

Ok. Licht löschen.

Morgen gilt neuer Tag, neues Unglück, Glück.

(Hau doch ab, 2020.)

Bonne Nuit,

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Hier, Emma, Motivation: 46 kreative und krasse Antiraucher-Kampagnen, bei denen dir die Lust vergeht

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Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. Einfach ohne Zigi. Ich brauche ein neues Bild. Lina? Hallo? Hörst du mich? bild: watson

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