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bild: watson / shutterstock

Emma Amour

«Ich kann es nicht lassen, meine Ex-Affäre auf Social Media zu stalken»



Liebe Emma

Wie so manche meiner Generation, werde ich mit gewissen sozialen Phänomenen unserer Zeit konfrontiert. In meinem konkreten Fall sind es Sexting, Friendzone und Ghosting.

Nun hat es sich ergeben, dass mich jemand, mit dem ich vor einer Weile intim wurde und für den ich tiefe Gefühle hatte, geghostet hat. Über Social Media durfte ich dann wenige Monate später erfahren, dass er sich verlobt und kurz danach geheiratet hatte.

Ich litt, weinte und schaffte es, irgendwie loszulassen. Dass nach dieser emotionalen Odyssee eine neue Liebe Einzug in meinem Leben findet, hätte ich nicht mehr erwartet. Mein Glück könnte nicht vollkommener sein. Ich liebe jemanden, der mich will, der gut zu mir ist und mit dem ich gemeinsame Zukunftspläne schmieden kann und möchte.

Dennoch kann ich es nicht lassen, hin und wieder meine Neugierde zu befriedigen, in dem ich dem Anderen auf Social Media folge. Und wie ich als investigative Fortgeschrittene gerade feststellen durfte, folgt er mir ebenso weiterhin.

Ich folge ihm jedoch nicht, weil ich ihn oder unsere gemeinsame Zeit vermisse. Im Leben nicht. Dennoch frage ich mich, warum wir weiterhin gelegentlich ein Auge auf den Andern werfen. Liegt dieses toxische Informationsbedürfnis in der Natur der Generation Y?

Liebe Grüsse;
Millenialgirl

Liebes Millenialgirl,

ich liebe deine Frage. Und zwar nicht nur, weil ich jede einzelne Zeile so gut verstehen und nachfühlen, ach was, mitleben kann. War ich doch selber ebenfalls schon mehrere Male an genau diesem Punkt.

Ich denke aber nicht, dass dieses toxische Verhalten per se und nur in der Natur der Generation Y liegt. Ich kenne viele ältere Leute, die all ihren Ex-Freunden und Ex-Geschichten auf Social Media folgen.

So tue es auch ich. Lass mich sogar einen Schritt weiter gehen: Ich stalke regelmässig die Social-Media-Kanäle meiner Verflossenen. Warum ich das wirklich tue, weiss ich genau so wenig wie du.

Ich weiss nur, dass ich mich für einige freue, die neue Pärlibilder posten und bei anderen kriege ich bizli Herzschmerz. Und das auch, obwohl ich keinen einzigen zurück will.

Ich glaube dir also sehr wohl, dass du mit deinem aktuellen Freund – er klingt wirklich super – sehr happy bist und den Ghoster nicht zurück willst. Warum wir aber wirklich dennoch oft das Bedürfnis haben zu gucken, was der andere so treibt, weiss ich nicht.

Aber solange wir halt dank Social Media so easy aus der Ferne die Möglichkeit haben, nur husch zu gucken, werden wir es wohl auch machen. Und solange wir das einigermassen handeln können, ohne dass es uns komplett killt, finde ich das nicht sehr tragisch.

Und das, obwohl ich manchmal ganz heimlich und nur ganz schnell die Generation unserer Eltern sehr beneide, die den ganzen Social-Media-Terror noch nicht hatten. Ich denke dann, dass das sehr viel entspannter gewesen sein muss. Wahrscheinlich.

Und nun, liebes Millenialgirl, lass mich ehrlich sein: Just in dieser Sekunde habe ich mal wieder das Bedürfnis, all meine Ex-Geschichten auf Instagram und Facebook zu stalken. Bevor ich das sogleich auch mache, habe ich mir aber husch überlegt, warum ich das Bedürfnis jetzt wirklich verspüre.

Es sind mehrere Aspekte, die mitspielen: Ich will wissen, wie sie aussehen, was aus ihnen geworden ist, was sie erleben und wie meine Nachfolgerinnen aussehen. Apropos Nachfolgerinnen: Das sind dann die nächsten Kandidatinnen, die ich stalke. Kennst du sicher auch. Aber das ist ein Fass, dass wir ein anderes Mal aufmachen.

Ich wünsche deinem Freund und dir eine wunderbare Zukunft mit viel Liebe.

Deine

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Und was würdest du Millenialgirl antworten?

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Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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