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Review

Book Beat will das Spotify für Hörbücher sein – doch was taugt das Angebot wirklich?



Aus dem Heimatland von Spotify kommt eine neue App, die grosse Ziele hat: Book Beat will für Hörbuchliebhaber das werden, was Spotify für Musikfans ist. Da ich sehr gerne – und vor allem sehr oft – Hörbücher konsumiere, habe ich die App für euch unter die Lupe genommen.

Auswahl

Book Beat gibt für seinen Katalog keine genaue Zahl an. Als der Dienst Mitte 2017 im deutschsprachigen Raum startete, war die Rede von 15'000 Titeln aus über 100 Verlagen.

Die Auswahl ist dabei in zwölf Standardkategorien unterteilt, die beispielsweise Genres wie Fantasy, Humor oder Klassiker & Lyrik umfasst.

Genres Book Beat

Bild: Book Beat/watson

Ähnlich wie bei Netflix hat man auch bei Book Beat die Möglichkeit, in Themen statt in Genres zu stöbern. Hier klickt man sich durch eine scheinbar unendliche Liste aus Phrasen wie «Krimis mit Schmunzelalarm» bis hin zu «Hörbücher unter zwei Stunden». Selbstverständlich gibt es auch ganz normale Themen wie Bestseller oder Neuerscheinungen.

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Scollen, scrollen, scrollen! Bild: Book Beat/watson

Das Sortiment von Book Beat ist ein Auf und Ab der Gefühle. Egal ob Mainstream oder Klassiker – beide Bereiche glänzen mit einer guten Titelauswahl, aber auch mit der Abwesenheit von Must-Have-Titeln.

Beispielsweise ist es kein Problem, sich «Die Entdeckung der Currywurst», «Die Schachnovelle» oder die Titel von Kafka anzuhören. Dafür sind dann Hörbücher wie «Im Westen nichts Neues», «Der Vorleser» oder «Der kleine Prinz» unauffindbar.

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Bild: giphy

Im Mainstream-Bereich versucht Book Beat vor allem mit Titeln zu punkten, die im Moment angesagt sind. So findet man beispielsweise problemlos «Ready Player One», dessen Verfilmung aktuell im Kino zu sehen ist, oder das Trump-Enthüllungsbuch «Feuer und Zorn». Auch Ken-Follett-Fans dürften bei Book Beat glücklich werden, während Stephen-King-Anhänger nur Zugriff auf seine neusten Werke haben.

Hier sollen wohl neue, angesagte Hörbücher eine grosse Auswahl vortäuschen. Will man sich allerdings wieder einmal Rufus Becks grandiose Interpretation von «Harry Potter» zu Gemüte führen, bleibt man auf der Strecke. 

«Accio Harry-Potter-Hörbucher!»

Harry Potter

Bild: Warner Bros.

Dennoch bietet die Bibliothek eine genügend grosse Auswahl, dass man es sich Jahre mit Kopfhörern in der Hängematte gemütlich machen kann. Es hat sogar einen kleinen Vorteil, dass die üblichen Verdächtigen nicht alle bei Book Beat zu finden sind: Man gibt auch mal einem Hörbuch eine Chance, das man sonst vielleicht gemieden hätte.

Bedienung

Die Benutzeroberfläche wirkt aufgeräumt und relativ übersichtlich. Einzig der Bereich «Meine Bücher» ist zu Beginn etwas verwirrend, vor allem für User, die sich Audible gewohnt sind. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit dürfte das aber kein Problem mehr sein.

Sehr schön gelöst ist die Integration der Hörbuchbibliothek in die App. Die Seiten werden rasch geladen und man kann nahtlos zwischen all den Bereichen hin- und herwechseln. Grundsätzlich sind alle wichtigen Bereiche mit nur fünf Icons erreichbar. Hier könnte sich Audible ein Vorbild an Book Beat nehmen.

Was allerdings auffällt, ist, dass Hörbuchcover manchmal nicht angezeigt oder nur mit Verzögerung geladen werden. Das ist jetzt nicht unbedingt sehr schlimm, aber wenn man durch ein Thema stöbert, möchte man doch, dass einem die Cover angezeigt werden. Stattdessen kriegt man hässliche, graue Platzhalter zu sehen.

Book Beat

Immerhin lässt man sich so nicht von schönen Covern in die Irre führen. Bild: Book Beat/watson

Ebenfalls schade ist, dass in der Suche keine Themen berücksichtigt werden. Zwar weiss ich, dass es eine Kategorie «Spiegel Bestseller» gibt, aber wenn ich dies in der Suche eingebe, erscheint nichts. Stattdessen muss ich mich dann im Themenbereich durch die unzähligen Themen wühlen, bis ich endlich meine gewünschte Kategorie finde. Hier wäre es vielleicht auch sinnvoll, wenn man sich Themen als Favoriten merken könnte.

Der Player ist auf das Wesentliche reduziert und selbsterklärend. Es gibt alle wichtigen Funktionen und selbstverständlich kann man sein Hörbuch auch offline speichern. Einzig die Möglichkeit, sich ein Lesezeichen zu setzen, fehlt. Ich selbst nutze diese Funktion grundsätzlich nie, dennoch dürften sich wohl der eine oder andere User daran stören.

Book Beat App

Geschwindigkeit verändern, vor- und zurückspringen, Schlafmodus: alles da. Bild: Book Beat/watson

Aufgefallen ist mir, dass der Player sich manchmal aufhängt. Das kann sich dann darin äussern, dass man Play drückt und es einen Moment dauert, bis etwas zu hören ist. Manchmal ist das Hörbuch auch gestoppt, aber die App zeigt immer noch an, dass der Titel abgespielt wird. Das verwirrt und sollte nicht sein – auch wenn es nur selten vorkommt.

Weiterhin hat die App noch etwas Mühe mit der Synchronisation des Hörfortschritts auf verschiedenen Geräten. Höre ich beispielsweise auf meinem Smartphone ein Hörbuch und wechsle dann auf mein Tablet, dauert es unter Umständen bis zu 30 Sekunden, bis die App dort den Hörfortschritt des Smartphones übernimmt. Allerdings fragt er dann wenigstens schön höflich, ob er den Fortschritt übernehmen darf.

Book Beat

Bild: watson

Verfügbarkeit

Die App ist aktuell nur für Smartphones und Tablets verfügbar. Wer sich sein Hörbuch am Computer anhören möchte, geht leer aus. Weder gibt es einen Player für den Browser, noch kann man sein Hörbuch, beispielsweise für iTunes, exportieren.

Hörbücher können auch problemlos im Ausland über die App heruntergeladen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass man Zahlungsinformationen aus der Schweiz, Deutschland oder Österreich hinterlegt.

Bei den Betriebssystemen werden iOS und Android unterstützt.

Preis

Book Beat kostet pro Monat 14.90 Euro (etwa 18 Franken) und ist jederzeit kündbar. Wer sich vom Angebot überzeugen möchte, kann Book Beat zwei Wochen lang gratis testen.

Aber Achtung: Das Abo verlängert sich nach der Testzeit automatisch um einen Monat, wenn man nicht vorher kündigt. Daher muss man auch gleich bei der Registrierung seine Zahlungsdaten hinterlegen. Immerhin geht das, nebst Kreditkarte, auch mit Paypal.

Mit einem Account kann man die App auf bis zu fünf Geräten gleichzeitig nutzen. Es ist dabei problemlos möglich, gleichzeitig verschiedene Hörbücher zu hören.

Die App weist einen freundlich darauf hin, wenn das gleiche Konto parallel auf einem anderen Gerät genutzt wird.

Book Beat

Bild: Book Beat/watson

Fazit

Book Beat bietet mit über 15'000 Titeln eine beachtliche Auswahl an Hörbüchern auf Deutsch und sogar Englisch. Mit Audibles 200'000 deutschen Titeln kann das Angebot aber nicht annähernd mithalten. Dafür bezahlt man bei Book Beat nur eine fixe Gebühr pro Monat, während man bei Audible jedes Hörbuch kaufen muss.

Zwar hat jetzt auch Audible, respektive Amazon, eine Hörbuch-Flatrate gestartet, dort sind aber noch nicht so viele Titel verfügbar wie bei Book Beat.

Eine bessere Alternative zu Spotify, welches auch einige Hörbücher im Programm hat, ist Book Beat definitiv. Nur schon, weil man bei Spotify seinen Hörfortschritt nicht speichern kann.

Die App selbst hat noch mit ein paar kleinen Bugs zu kämpfen, aber keiner davon ist so gravierend, dass dies den Hörspass verdirbt. Es ist davon auszugehen, dass diese Kinderkrankheiten bald ausgemerzt sein werden.

Book Beat ist definitiv für alle einen Blick wert, die sich mehr als zwei Hörbücher pro Monat zu Gemüte führen.

Auch ein bisschen wie ein Hörbuch: 29 Wörter, die auf St.-Galler-Deutsch herrlich klingen

Video: watson/Emily Engkent, Lena Rhyner

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