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Nach «Episode 9»: Nun muss Disney «Star Wars» in den Griff kriegen

Am 4. Mai ist für Fans der offizielle «Star Wars»-Feiertag. Zeit, einmal über Disney und die Zukunft des Franchises zu reden.



Disney hat sich verrannt – mit «Star Wars». Als der Konzern 2012 Lucasfilm und damit die «Star Wars»-Rechte für über vier Milliarden kaufte, schien man die nächste perfekte Cash-Cow gefunden zu haben. Mit einer neuen Trilogie und Einzelfilmen wollte man das Franchise kräftig ausbauen. Doch «Star Wars» ist nicht Marvel und dass die Fans nicht Lust haben, alle sechs Monate einen Film im Kino zu sehen, zeigte sich 2018. «Episode 8» war teilweise noch immer in einigen Sälen zu sehen, da lief im Mai schon der nächste Film an: «Solo: A Star Wars Story».

Das Ergebnis kennen wir: «Solo» wurde zum finanziellen Flop und versetzte Disneys Plänen für das Franchise einen herben Dämpfer. Diverse weitere Filmprojekte wurden gestoppt oder zumindest vorerst auf Eis gelegt. Erstmals musste der Medienkonzern einsehen, dass «Star Wars»-Fans nicht einfach alles konsumieren, was man ihnen hinwirft.

Dass Disney dies angenommen haben dürfte, zeigen die vielen Probleme hinter den Kulissen. Während beim Marvel-Filmuniversum Mastermind Kevin Feige alles koordiniert und sich Disney grösstenteils raushält, war es bei «Star Wars» genau umgekehrt: Für die Trilogie gab es nie ein Gesamtkonzept, vieles wurde schon fast improvisiert. Hauptsache, es sieht irgendwie nach «Star Wars» aus und ist rechtzeitig im Kino, schien sich die Chefetage gedacht zu haben. Das Ergebnis: Eine «Episode 8», die Fans verärgerte und eine «Episode 9», die auf Wiedergutmachung aus war, aber ausser Fanservice nicht viel mehr bot.

«Wir hatten kein Drehbuch, aber einen Starttermin. Es lief darauf hinaus, dass wir zwei Jahre Zeit hatten, um alle Entscheidungen zu treffen und wir hatten noch nichts.»

Regisseur J. J. Abrams gegenüber «Fast Company». Er übernahm 2017 die Regie von «Episode 9», nachdem der vorherige Regisseur ausgestiegen war.

Disney soll sich dabei bei kreativen Entscheiden regelmässig eingemischt haben, weil man wohl zu wissen glaubte, was die Fans wollen. Oder wohl eher, weil die Marketing-Abteilung vorgab, wie die Filme zu sein hatten, damit ein möglichst breites Publikum erreicht werden kann. Natürlich ist das in erster Linie Spekulation. Dennoch sind unter Disneys Ägide bei drei von fünf Filmen die Regisseure wegen kreativer Differenzen ersetzt worden – teilweise sogar während den Dreharbeiten.

Gareth Edwards

Regisseur Gareth Edwards wurde nach dem Hauptdreh von «Rogue One» relativ still und leise ersetzt. Die Disney-Führung soll mit dem ersten Rohschnitt nicht zufrieden gewesen sein. Bild: Wikimedia Commons

Real-Serien als Heilsbringer

Was dann folgte, waren Eingeständnisse seitens Disney. Man habe Fehler gemacht. Sogar sowas wie eine Entschuldigung folgte und die Versprechung, es in Zukunft besser zu machen. Im Wesentlichen heisst das: weniger Filme, dafür Real-Serien. Inzwischen hat Disney mit «The Mandalorian» diesen Schritt auch erfolgreich vollzogen. Die Fans sind angetan und «Baby-Yoda» war ein viraler Hit.

epa08332757 View of a graffiti drawn by artist 'Pulido' for the character Baby Yoda, from the TV series 'The Mandalorian', wearing a mask and the message 'wear mask like baby Yoda' to remind the population to take measures against the coronavirus, in Guatemala City, Guatemala, 30 March 2020. Guatemalan President announced a day earlier the extension of the 12-hours-a-day curfew for two more weeks in Guatemala, where 36 people have been diagnosed with COVID-19.  EPA/Esteban Biba

«Baby-Yoda» ist schon jetzt Kult. (Schon klar, es ist nicht Yoda, aber die Figur wird nun mal umgangssprachlich so genannt). Bild: EPA

Disney braucht den Erfolg mit den «Star Wars»-Serien, denn sie werden «Star Wars» vorläufig am Leben halten. Das ist für das Unternehmen essenziell, denn «Star Wars» ist eines der fünf grossen Standbeine des neuen Streaming-Dienstes Disney Plus.

Disney+, Disney Plus

Disney Plus ist seit November 2019 das Zuhause von «Star Wars». Da muss natürlich möglichst schnell neuer Inhalt her. Bild: Disney

Inzwischen hat Disney gleich drei weitere Serien angekündigt:

Parallel dazu wird auch «The Mandalorian» kräftig ausgebaut. Disney hat nicht nur eine, sondern gleich zwei weitere Staffeln bestellt. Da stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob der Mauskonzern überhaupt etwas aus der Vergangenheit gelernt hat. Nachdem man die Fans mit Filmen übersättigt hat, schaltet man einen Gang runter, nur um jetzt das Gleiche mit Serien zu tun. So scheint es zumindest.

Rogue One

Um ihn soll es im Serienableger von «Rogue One» gehen: Captain Cassian Andor. Auch Fanliebling K-2SO wird dabei sein. Bild: Disney

Wenn, sagen wir 2023, alle vier Serien gleichzeitig produziert werden, kommen dann jedes Jahr vier Staffeln «Star Wars» auf Disney Plus? Ist es das, was die Fans wollen? Vielleicht funktioniert das sogar, denn Serien werden anders konsumiert als Kinofilme. Es könnte gut sein, dass sich dann einfach verschiedene Fanlager bilden, die dann jeweils einfach «ihre» «Star Wars»-Serie konsumieren und die anderen ignorieren.

This image released by Disney/Lucasfilm shows Daisy Ridley as Rey in a scene from

Vielleicht können die älteren Fans mit der Serie, die in einer neuen Zeitlinie spielt, nichts anfangen und bleiben lieber in ihrem «Skywalker-Universum». Bild: AP

Eine andere Möglichkeit wäre, dass Disney nur alle sechs Monate eine neue Staffel von einer der Serien veröffentlicht. Also beispielsweise:

Entschiede sich Disney für diesen Weg, hätte dies einen riesigen Vorteil: Die Produktionen würden nicht an Qualität einbüssen. Wenn Kreative genug Zeit haben, wird das Ergebnis nur selten schlechter. Der Wermutstropfen wäre dann allerdings, dass man immer zwei Jahre auf die Fortsetzung der Geschichte warten müsste.

Womöglich wird «The Mandalorian» aber auch bis 2023 eingestellt – oder Disney kündigt gleich noch mehr Serien an. Noch immer hält sich beispielsweise hartnäckig das Gerücht, Disney plane, «Solo» als Serie fortzusetzen.

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Filmplanung wirkt immer noch chaotisch

Schliesslich sind da dann auch noch die Filme, mit denen Disney ab 2022 wieder loslegen will. Mittlerweile steht das aber schon wieder in der Schwebe. Ursprünglich hätten nämlich die «Game of Thrones»-Schöpfer den Film für dieses Datum liefern sollen. Diese sind inzwischen aber aus dem Vertrag mit Disney ausgestiegen. Offiziell aus Zeitmangel. Disney muss also schon jetzt wieder umplanen. Berücksichtigt man, dass ein Film vom ersten Drehbuchentwurf bis zum fertigen Werk mindestens zwei Jahre beansprucht, wird das ein sehr ambitionierter Zeitplan.

Creator/executive producers David Benioff, left, and D. B. Weiss attend HBO's

David Benioff (links) und D. B. Weiss. Bild: Evan Agostini/Invision/AP/Invision

Vielleicht legt Disney aber auch einfach einen anderen Film auf dieses Startdatum. Vergessen wir nicht, dass Rian Johnsons neue «Star Wars»-Trilogie noch immer nicht vom Tisch ist. Selbst nach den diversen Hasstiraden der Fans bezüglich «Episode 8» scheint Disney an Johnson festzuhalten. Einzig, über das Projekt zu reden, haben sie ihm angeblich verboten – was jetzt nicht sonderlich überrascht. Betrachtet man das Ganze aber nüchtern, könnte daraus wirklich etwas Gutes werden. Erst Anfang Jahr hat Johnson mit «Knives Out» erneut bewiesen, dass er grossartige Filme macht, wenn er denn von A bis Z die kreative Kontrolle hat.

Rian Johnson takes part in the

Rian Johnson. Bild: Jack Plunkett/Invision/AP/Invision

Dann gibt es da noch diesen einen Film, den Marvel-Präsident Kevin Feige produzieren wird. Womöglich als Zückerchen für seine Erfolgsarbeit bei Marvel, vielleicht auch, um zu sehen, ob Feige auch «Star Wars» kreativ managen kann. Zwar streitet Feige ab, in Zukunft für «Star Wars» verantwortlich zu sein, aber was heisst das schon? Allerdings ist auch dieses Projekt erst in einer frühen Phase. Ob es jemals Realität wird, steht noch in den Sternen.

epa07676433 President of Marvel Studios Kevin Feige poses for the photographers on the red carpet prior to the premiere of 'Spider-Man: Far From Home' at the TLC Chinese Theater in Hollywood, California, USA, 26 June 2019. The movie will hit the theaters in the US on 02 June.  EPA/ETIENNE LAURENT

Kevin Feige. Bild: EPA

Fakt ist: Disney hat 2022, 2024 und 2026 drei Veröffentlichungstermine für «Star Wars»-Filme angekündigt, aber kein konkretes Projekt. Böse Zungen behaupten, dass man nicht einmal bei Lucasfilm wisse, welches nun der nächste «Star Wars»-Film sei. Mit der aktuellen Coronakrise wird diese Planung sicher nicht einfacher. Diverse grosse Studios haben selbst Filme, die für übernächstes Jahr angekündigt sind, bereits verschoben. So hat beispielsweise Warner Bros. «Shazam 2» vom 1. April 2022 auf den November des gleichen Jahres verschoben. Es dürfte also nicht überraschen, wenn Disney seine ganze Filmplanung bezüglich «Star Wars» gründlich überarbeitet.

Wie können Filme und Serien nebeneinander existieren?

Eine weitere interessante Frage ist, wie Disney die beiden Medien gewichten wird. Bleiben Kinofilme wirklich die dominierende Kraft im «Star Wars»-Universum? Wagt Disney vielleicht sogar den Schritt und gibt Streaming den Vorzug? Dann könnte es sein, dass Filme plötzlich nur noch, oder zumindest teilweise, exklusive für Disney Plus gedreht werden.

Für Disney wären die wegfallenden Kinoeinnahmen nicht zwingend ein riesiger Verlust, zumal man den Grossteil des Umsatzes sowieso mit Merchandising macht. Weiterhin lassen sich mit einer relativ stabilen Abozahl zukünftige Umsätze besser kalkulieren als mit den schwankenden Zuschauerzahlen bei Kinofilmen. Und natürlich stellt es für den Konzern eine wunderbare Möglichkeit dar, die «Star Wars»-Fans noch enger an die Marke Disney zu binden.

Für die Fans sicher interessanter ist aber die Frage, wie die Filme und Serien zusammenspielen werden. Im Moment sieht es eher nicht so aus, als würde Disney ein «Connected Universe» anstreben wie bei Marvel. Wir erinnern uns: Die neuen Marvel-Serien, die Disney selbst produziert, sollen auf die Filme Einfluss haben und umgekehrt. Bei «Star Wars» dürfte das kaum der Fall sein.

Was sicher scheint, ist nur, dass Disney bei den Filmen mit der «Skywalker-Saga» abgeschlossen hat. Man wolle neue Territorien erkunden. Was das genau heisst, werden wir dann wohl am 16. Dezember 2022 sehen – oder auch nicht.

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