Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentar

Frauen, die sich trennen, sind keine Opfer – verdammt!

Gunda Windmüller / watson.de



Justin Bieber war jahrelang mit Selena Gomez zusammen. Nun hat er sich mit Hailey Baldwin verlobt.

Ihr müsst euch nicht für diese Personen interessieren, noch wissen, wer die überhaupt sind. Aber wenn es nach der öffentlichen Reaktion geht, solltet ihr trotzdem vor allem eines empfinden:

MITLEID!

Und zwar mit der armen, armen Selena.

Warum?

Na, weil es ihr doch ganz offensichtlich derzeit so richtig, richtig schlecht geht. Sie ist schliesslich Single und ihr Ex will eine andere heiraten. Das sind die Schlagzeilen:

Warum ist nicht SIE Justin Biebers grosse Liebe?

Diesmal bemitleiden wir Selena Gomez: Wenn dein Ex plötzlich heiratet

Der Tenor dabei ist eindeutig: Frauen sind nach einem Beziehungsende immer die Armen. Die Verlassenen. Die Opfer.

Beispiel Selena. Es heißt nun, sie sei «sauer» und «verletzt» über die Verlobung. Jahrelang habe sie versucht, Bieber zu «bändigen», habe dabei «Engelsgeduld» aufgebracht, nur um jetzt vom «Liebeszauber» der Hailey Baldwin ausgebootet zu werden. Eine Runde Mitleid.

The Lonely Hearts Club Band

Damit ist Selena in guter, aber natürlich tragischer Gesellschaft. Sie kann sich nahtlos einreihen in die Galerie der gebrochenen Herzen: Hallo, Jennifer! Hey, Demi!

Denn diese Frauen teilen alle ein erschütterndes Schicksal. Sie alle haben gescheiterte Beziehungen hinter sich.

Bye-bye Ashton ...

Animiertes GIF GIF abspielen

Doch wenn wir uns so umschauen, teilen diese Frauen dieses Schicksal allerdings mit ziemlich genau JEDER Person, die wir kennen. So besonders ist es also nicht. Und wir stellen zudem fest: Wir haben keinerlei Ahnung, was wirklich hinter den gescheiterten Beziehungen von Gomez und Co. steckt.

Wirklich gar keine Ahnung.

Vielleicht wollte ja Justin Selena «bändigen» und sie wollte nicht. Vielleicht hatte sie auch einfach keine Lust mehr auf sein halbstarkes Gehabe. Vielleicht war es auch einfach eine gemeinsame Entscheidung, getrennte Wege zu gehen. Und vielleicht sitzt sie jetzt irgendwo mit Freunden an einer Bar und köpft eine Schampusflasche nach der anderen: Endlich ist sie ihn wirklich los!

Vielleicht. Wie gesagt: Wir wissen es nicht.

Und doch ist die reflexartige Reaktion in der Öffentlichkeit nach einer solchen Promi-Trennung immer die gleiche. Wir sollen Mitleid haben. Mit der Frau.

Das Schema:

Denkt sie hier an Justin?

epa06853861 American singer and actress Selena Gomez arrives for the film premiere of 'Hotel Transylvania 3: Summer Vacation' at the Regency Village Theatre in Westwood, California, USA, 30 June 2018.  EPA/JIMMY MORRISON

Bild: EPA/EPA

In Kontrast dazu die Schlagzeilen, die frische männliche Singles bekommen:

Sieht traurig aus. Aber ihm geht's sicherlich Bombe.

Actor Leonardo Di Caprio grimaces after a photo call for the french premiere of the film 'Before the Flood', ('Avant Le Deluge') at Chatelet Theater in Paris, Monday Oct. 17, 2016. (AP Photo/Francois Mori)

Bild: AP/AP

Diese Darstellungen sind so schwarz/weiss, man mag es eigentlich gar nicht glauben. Aber es ist leider so. Und es ist immer das Gleiche.

Singlefrauen sind tragisch. Sie sind Opfer.

Und das gilt nicht nur für Promi-Frauen.

Sondern auch für uns.

Ganz normale Singlefrauen werden oft genug bemitleidet. 

Frauen, so das Bild, das vermittelt wird, brauchen Beziehungen mehr, sie investieren mehr, sie leiden mehr. Singlemänner können Spass haben, sich frei fühlen und neue Beziehungen eingehen. Jennifer, Demi, Selena und die Singlefreundin hingegen sind alleine irgendwie nur noch 2/3-Menschen.

Wir unterstellen damit, dass es der Mann war, der sie erst so richtig glücklich gemacht hat. Dass ein Leben auch ohne Mann glücken machen kann? Das kommt in diesem Bild nicht vor.

Dieses Bild orientiert sich an einem Frauenbild, das Frauen immer noch vornehmlich in der Beziehung zu einem Mann definiert. Passiv, bedürftig, unselbständig. Ganz egal, wie vermögend, unabhängig und lebenslustig diese Frauen auch sonst sein mögen. 

Wir müssen also nochmal grundsätzlich werden: Eine Trennung kann wehtun. Männern wie Frauen. Aber eine Frau ist nach einer Trennung nicht automatisch «Opfer».

Sie ist in dem Zusammenhang einfach nur eins: Single.

Und dabei kann es ihr sogar verdammt gut gehen.

24 krass sexistische Werbungen, die tatsächlich mal gedruckt wurden

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Neuseeland: Erster Coronafall seit Monaten

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommentar

Sagt mal, bin ich hier der Einzige, der Silvester doof findet?

Wer der Meinung ist, die Pandemie habe uns um die Partynacht des Jahres gebracht, kann beruhigt sein: Silvesterabende waren nämlich schon immer blöd.

Die grösste Partynacht des Jahres!

Wirklich?

Hey, bereits als Kind spürte ich, dass mit Silvesterfeiern irgendwas nicht ganz stimmt. Ich mag mich noch an die Jahrzehntenwende 1979/1980 erinnern, wohl das erste Mal, als ich bis Mitternacht aufbleiben durfte. Natürlich, als Kind konnte ich die alkoholgetriebene Geselligkeit der Erwachsenen nicht ganz nachvollziehen, und doch fiel mir auf, dass die Alten da alle aufgekratzter als sonst wirkten. Und wie sie dann um Mitternacht herumzukreischen …

Artikel lesen
Link zum Artikel