Leben
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Das Gestrüpp im Hintergrund ist die magische Grenze aus Totenholz, die man nicht, wirklich nicht, überklettern sollte. Tut Louis Creed (Jason Clarke) aber natürlich trotzdem. Bild: AP/Paramount Pictures

Review

Böööses Büsi! Stephen Kings «Pet Sematary» ist wieder da

Und damit die Nummer 253 der King-Verfilmungen. Unfassbar für einen Autor, der zum Glück noch am Leben ist.



Stürbe Stephen King, so gehörte ich wahrscheinlich zu den Fans, die versuchen würden, ihn über die Mauer aus Totenholz, die den Friedhof der Kuscheltiere begrenzt, zu schleppen. Um ihn auf jenem andern Friedhof dahinter, dem verdammten mit der seltsam «sauren» Erde, wieder zu einer Art Leben zu erwecken. Obwohl Stephen King in seiner neuen Form nichts Gutes im Sinn hätte. Die Idee wäre fatal. Aber was tut man nicht alles aus Liebe?

Denn darum geht es in der Neuverfilmung von «Pet Sematary» noch stärker als in der (schlechten) Erstverfilmung von 1989: Was tut der Mensch in seiner abgrundtiefen Trauer? Wozu ist er fähig, wenn sein Liebstes stirbt? Im Fall der Kinder ist dies das Haustier. Im Fall der Eltern das Kind. Im Fall einer Liebe der andere Mensch.

Lässt sich Verlust wieder rückgängig machen? Das Verlorene wiederholen? Aus dem Totenreich? Und um welchen Preis?

Der Trailer

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Video: YouTube/Paramount Pictures

Und so sind wir erneut bei der Arztfamilie Creed, die samt Katze in ein Haus in der Nähe eines Haustierfriedhofs zieht. Mutter Rachel ist von Schuldgefühlen geplagt, weil einst ihre verhasste, verkrüppelte Schwester in ihrer Obhut starb. Vater Louis ist überfordert, weil es ihm das Unfallopfer Victor unter den Händen wegstirbt und er von Victors Geist verfolgt wird.

Und Nachbar Jud (John Lithgow, der Churchill aus «The Crown», der einen coolen Churchill-Insider-Witz abkriegt) macht den Fehler seines Lebens, als er Louis das Geheimnis des Friedhofs hinter dem Tierfriedhof verrät. Wie 1989 wird Hauskatze Church zur ersten Wiedergeburt. Zum Biest. Zum Monster.

This image released by Paramount Pictures shows Jeté Laurence in a scene from

Der Vorher-Nachher-Unterschied bei Katze Church ist nicht zu übersehen. Bild: AP/Paramount Pictures

Die beiden Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer haben ein paar Änderungen vorgenommen: Victor ist jetzt schwarz und nicht weiss und bleich, statt des kleinen Sohns wird die Tochter als erste geopfert – gross, wie Jeté Laurence ihre Wiedergängerei als besessene Ballerina betreibt. Das Ende ist anders und äusserst konsequent. Trotzdem bleibt der neue «Pet Sematary» hinter der teuflischen Virtuosität des «It»-Remakes zurück – was allerdings auch an der eher simplen literarischen Vorlage liegt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Geile Katze, cooles Mädchen, schöne Wald- und Friedhofs-Atmo, viel Melancholie, etwas unterspannt das Ganze.

Kinoversuch mit Synchronisations-App

In Zürich war die Vorpremiere von «Pet Sematary» zugleich der Testabend des brandneuen SoundFi-Systems, eine weitere technische Spielerei, mit der die sich leerenden Kinos in Zukunft Publikum anzulocken versuchen. Man setzt sich einen Kopfhörer auf, verbindet ihn mit dem Handy, lädt die SoundFi-App, wählt darauf die Sprache, in der man den Film hören möchte und kriegt zum laufenden Film ein individualisiertes 1A-Klangerlebnis geliefert.

Am Anfang von «Pet Sematary» ist das auch ganz schön, kein Popcorn-Genasche stört, man wird zum Autisten in Gesellschaft, kein unangenehmer Zustand. Doch dann erklingt ab Leinwand die Saalsprache Deutsch und lässt sich nicht durch die besten Kopfhörer ausblenden. Die liegt wie ein schmieriger Schatten über dem schönen Sound. Also Kopfhörer weg und den Film leider, leider auf Deutsch geschaut. Wie Hagel prasselt das Knistern der kollektiven Popcorntüten wieder auf den Gehörgang. Das Experiment ist so halb misslungen.

This image released by Paramount Pictures shows John Lithgow, left, and Jeté Laurence in a scene from

Der Nachbar (John Lithgow, wie immer ein Lichtblick) und das Mädchen (Jeté Laurence). Bild: AP/Paramount Pictures

Stephen King hat dem Thema der Unkontrollierbarkeit von Schmerz und Sehnsucht einen Grossteil seines Schreibens gewidmet. Herzzerreissendes ist dabei entstanden, das Traurigste ist gewiss «Lisey's Story» von 2006, die Geschichte einer Frau, die ihren Mann – einen Horrorschriftsteller – verliert und ihn im Totenreich suchen geht.

Es ist die umgekehrte Erzählung von Orpheus, der seine Eurydike in der Unterwelt suchen ging – und noch einmal verlor.

Auch hier steht die Verfilmung bevor. Wie auch bei weiteren 35 Stephen-King-Stoffen, die bereits im Tun oder angekündigt sind. Weil die 253 filmischen King-Verwandlungen, die es bis heute gibt, offenbar noch immer die Nachfrage nach dem Meister des Horrors mit dem menschlich sanften Kern nicht befriedigen können.

«Pet Sematary» läuft jetzt im Kino.

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Babyspinnen!!! Ein bisschen Horror mit ... oder nicht?

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