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Cats

Taylor Swift ist als fiese Glam-Katze Bombalurina ganz in ihrem Element. Oder etwa nicht? Bild: Universal Picture

Review

Der Film «Cats» muss von besoffenen Aliens gedreht worden sein

Hier wird sowas von GESPOILERT! Und dann ist da noch die grosse Grundsatzfrage: Ist «Cats» heimlich ein Musical über Sterbehilfe?



Ich verliess das Kino und Menschen fragten mich: «Ist ‹Cats› jetzt wirklich so bitter?» Ich sagte: «Ich weiss es nicht. Ich sass da, starrte während des Abspanns auf die Leinwand und war sprachlos. In mir waren keine Worte mehr. Nichts machte Sinn. Meine Hirntätigkeit war tot. Ausgelöscht von dem, was ich gesehen habe. Nämlich die reine Leere. Die jetzt auch von meinem Kopf Besitz ergriffen hat.»

Ich würde nicht sagen, dass ein Musical an sich sinnlos ist. Ausser «Cats». Wo als Katzen verkleidete Leute in einer düsteren Kulisse zwischen Komposthaufen und Industrieruine ihr Katzensein besingen. Und «Starlight Express». Wo als Eisenbahnen verkleidete Menschen im Discosetting ihr Eisenbahnsein besingen und dazu Rollschuh laufen, wie Eisenbahnen das eben so tun. Erfunden hat beide Andrew Lloyd Webber.

Der Trailer

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Video: YouTube/Universal Pictures

Und jetzt gibts also «Cats» als Film. Nun, ich habe eine Nacht lang darüber geschlafen und weiss wenigstens wieder dies: Da waren Katzen mit Menschengesichtern, Menschenproportionen, Menschenfingern und Menschenzehen. Oft waren die Füsse riesig.

Es hatte etwas Perverses. Als hätten besoffene Aliens versucht, Büsis mit Hobbits zu kreuzen. Und die Kulissen glichen einem viktorianischen Bordell.

Zwei trugen Mäntel aus Katzenfell. Eine davon (Judi Dench) war 99 Jahre alt und die Chefin aller Katzen. Die andere (Jennifer Hudson) konnte super «Memory» singen, also das einzig richtig berühmte Lied aus ganz «Cats», und gewann damit logischerweise den «Cat's Got Talent oder so»-Wettbewerb. Aber woher hatten die beiden Katzenfellmantelbüsis bloss ihre Mäntel? Oder mal umgekehrt gefragt: Menschen in Mänteln aus Menschenhaut – wären die der Chef von allen? Und Siegerin einer Mainstream-Castingshow?

Cats

Grizabella (Jennifer Hudson) hat da so ihre Memories an sehr viel glanzvollere Zeiten. Bild: Universal

Apropos Castingshow! Die «Cats»-Büsis bewarben sich alle um einen Abtransport ins Jenseits und zwar in einem Kronleuchter, der an einem Ballon befestigt war. Dort sollten sie von ihrem diesseitigen Dasein als singende Menschenzeh-Katzen erlöst und als irgendwas Tolleres reinkarniert werden. Wahrscheinlich als Rollschuh laufende Eisenbahn.

Viel, viel, viel wichtiger ist jedoch die Frage: Wird der Welt mit «Cats» etwa seit 1980 ein heimliches Sterbehilfemusical untergeschoben? Und jetzt ein Sterbehilfefilm?

Cats

Aha! Zwei Menschen bewegen sich katzenhaft! Bild: Universal Picture

Zwei Katzen konnten zaubern. Eine liebe und eine böse. Im Pelz der bösen Katze steckte Idris Elba. Viele Weibchenkatzen hatten Brüste unter ihrem Fell. Supermännchen Idris Elba hatte keinerlei Geschlechtsteile unter seinem. War er ein kastrierter Kater? War er deshalb so böse? Wollte er deshalb ums Verrecken auch ins Jenseits? Die Sache mit den Brüsten war irgendwie unangenehm. Wie nackt.

Zwei Katzen waren dick. Eine davon (James Corden), trug einen Frack und wälzte sich gern im Abfall. Eine andere (Rebel Wilson) trug einen Fat-Cat-Suit und dressierte Mäuse und Kakerlaken. Die Kakerlaken hatten Menschengesichter ... Oh Alptraum, oh Flucht vor dir.

This image released by Universal Pictures shows Taylor Swift as Bombalurina in a scene from

Hier sieht man sehr schön die Bauweise der weiblichen Katzen und die Bordell-Ästhetik. Bild: AP

Taylor Swift war auch noch da. Die war lustig. Und kam so spät ins Bild, dass auch die Brüste nicht mehr störten. Man hatte zu diesem Zeitpunkt jede Hoffnung aufgegeben, dass die besoffenen Aliens jemals wieder nüchtern werden könnten. Auch der Kameramann dürfte einer von ihnen gewesen sein. Und der Choreograph. Und die Tricktechniker.

Soeben sind nämlich weltweit neue Kopien an mehrere tausend Kinos geliefert worden, weil von zurechnungsfähigeren Zuschauern als von mir bemerkt wurde, dass bei der Behaarungs-Animations-Technik nebensächliche Dinge wie Judi Denchs Hand vergessen gegangen waren.

Judi Denchs Hand ...

Bild

bild: twitter/jenelle riley

Bei einem Budget von knappen 95 Millionen Dollar kann sowas schon mal passieren. Tja, gut hat man das noch geflickt, es macht den Film gewiss viel, viel, viel besser! Aber wenigstens weiss die Welt jetzt, wie Judi Denchs Ehering aussieht (Spoiler: normal!).

«Cats» unter der Regie von Tom Hooper («The King's Speech», «Les Misérables», «The Danish Girl») ist ab dem 25. Dezember im Kino zu sehen.

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Diese Katzen kann man sich anschauen

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61 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Zeitreisender
23.12.2019 19:40registriert April 2019
Sehr geehrte Frau Meier,
Ich möchte mich gegen Ende dieses Jahres herzlich bei Ihnen bedanken. Einerseits für Ihren unermüdlichen und selbstlosen Einsatz beim aufwirbeln und analysieren vom Bodensatz der Unterhaltungsindustrie, aber andererseits auch für die sehr unterhaltsamen Verrisse der eher an geistige Nötigung als Kunst angrenzenden Darbietungen.
Ihre Beiträge sind haben einen wesentlich höheren künstlerischen Wert als das von Ihnen tapfer Ertragene, machen Sie weiter so!
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Sherlock_Holmes
23.12.2019 20:00registriert September 2015
Schliesse mich gerne den Worten des «Zeitreisenden» an.
Was ich mich jedoch noch vielmehr frage:
Wie kann ein Regisseur wie Tom Hooper – welcher so grossartige Filme wie «The King's Speech», «Les Misérables» und «The Danish Girl» gedreht hat – so etwas fertig bringen und warum überhaupt?
2007
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Calvin Whatison
23.12.2019 19:37registriert July 2015
Cats das Musical ist ein Must.
Cats der Film ein weiterer Beweis, dass der Mensch keine Grenzen kennt.
Hoffentlich erleidet dieser Film Schiffbruch aber sowas von.
Danke Frau Meier für Ihre kritische Betrachtung. Auf Sie ist Verlass.👍🏻
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