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Der neue Spider-Man-Film ist wie ein LSD-Trip ab 6 Jahren

Bild: Sony Pictures
12.12.2018, 16:56

Es ist schwierig, zu beschreiben, was ich da genau auf der Leinwand gesehen habe, aber eines weiss ich auf jeden Fall: Seit langem hat mich ein Film nicht mehr so geflasht wie dieser. Es ist, als hätten die Macher es irgendwie geschafft, einen Comic tatsächlich zum Leben zu erwecken.

«Spider-Man: Into the Spider-Verse» ist ein visueller Experimentalfilm, welcher 3D und 2D, Computergrafiken und richtige Illustrationen ineinander vereint. Im einen Moment wird man von der neonfarbenen Skyline Brooklyns hypnotisiert und im nächsten haut einem der Film Rasterpunktgrafiken und Speedlines um die Ohren, wie sie normalerweise nur in Comics vorkommen.

Bild: Sony Pictures

Laut dem Regie-Trio sollen die Produzenten ihnen umfassende, kreative Freiheit gewährt haben – und das merkt man. «Spider-Man: Into the Spider-Verse» lässt die Hochglanz-Marvel-Filme von Disney fast schon altbacken wirken und einem eines erkennen: Comic-Superhelden sind wie geschaffen für den Animationsfilm – wenn es denn richtig gemacht wird.

Und richtig machen heisst im Falle dieses Filmes eben auch, es ein bisschen falsch zu machen. So schreibt Danny Dimian, verantwortlicher für die visuellen Effekte, im Produktionsdossier:

«Computer machen alles korrekt und so hast du immer die richtige Perspektive und die korrekte Geometrie. Was aber an Kunst interessant und ausdrucksvoll ist, sind die kleinen Fehler, die Hand in Hand mit einem Menschen gehen, der etwas kreiert.»

Um diese Inperfektion zu erreichen, haben die Macher alle Register gezogen, sozusagen in einem Sandkasten gespielt. Gewisse Szenen wurden mit zwölf Bildern pro Sekunde herausgerechnet, statt 24, bei anderen Druckraster darüber gelegt, sogar Comic-Expressionen ins Bild eingefügt. Hie und da ist sogar ein bisschen Fotorealismus zu finden, aber nur ganz dezent. Schliesslich wurde sogar jedes fertig gerenderte Einzelbild des Films von einem Künstler von Hand überarbeitet.

Ein fast schon fotorealistisches Taxi im Kontrast zum grafischen Hintergrund und dem Comic-haften Spider Man? Super!
Ein fast schon fotorealistisches Taxi im Kontrast zum grafischen Hintergrund und dem Comic-haften Spider Man? Super!
Bild: Sony Pictures

Das führt dazu, dass der Film sich die ganze Handlung hindurch visuell verändert. Im einen Moment glaubt man, eine Konzeptzeichnung vor sich zu haben, dann plötzlich ist man in einem Stop-Motion-Film und im nächsten Moment hat man das Gefühl, durch einen alten, verbleichten Comic zu blättern. Es ist ein bisschen, als würde man in einem Drogenrausch durch eine bunte, wundervolle, sich ständig verändernde Bilderwelt wandeln.

Vermutlich ist es nur schwer vorstellbar, wie grossartig das aussieht, wenn man den Film nicht gesehen hat. Auch der Trailer, der diese Ansätze bereits verrät, ist nur ein Hauch gegen die visuelle Wucht, die sich auf einer 15-Meter-Leinwand entfaltet.

Was den Film aber wirklich perfekt abrundet, ist die gelungene Story. Diese basiert auf dem neuen Spider-Man-Comic, in welchem der Teenager Miles Morales zum spinnennetzschiessenden Superhelden wird. Dabei hat der talentierte Junge doch sonst schon genug Probleme, denn wie wir alle wissen, ist das Leben als Teenie nicht immer ganz einfach.

Bild: Sony Pictures

Miles ist ein kreativer, smarter Junge, der gerne mal ein bisschen sprayen geht, einen Hoodie und Sneakers trägt und mit grossen Kopfhörern Musik hört. Urban Life eben.

Als er bei einem seiner Ausflüge von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, fängt er an, neue Kräfte an sich zu entdecken. Damit kommt er nicht wirklich klar. Erst, als ein Experiment fehlschlägt und Spinnen-Leute aus anderen Dimensionen auftauchen, wird ihm geholfen.

Der Begriff Spinnen-Leute ist hier übrigens korrekt, denn erstmals sehen wir in einem Film nicht nur Spider-Man. Nebst dem klassischen Peter Parker gibt es nämlich auch noch eine Spider-Woman und sogar ein Spider-Schwein. Ernsthaft.

Sogar ein Mädchen aus einem Anime-Paralleluniversum ist dabei. Gewöhnungsbedürftig, aber witzig. Der spannendste Nebencharakter ist Spider-Man-Noir (ganz rechts), gesprochen von Nicolas Cage.
Sogar ein Mädchen aus einem Anime-Paralleluniversum ist dabei. Gewöhnungsbedürftig, aber witzig. Der spannendste Nebencharakter ist Spider-Man-Noir (ganz rechts), gesprochen von Nicolas Cage.
Bild: Sony Pictures

Sie alle zeigen, wie verrückt dieser Film ist, denn ein Spider-Schwein in einem Marvel-Film auftreten zu lassen, das auch noch aussieht, als sei es aus einem Looney-Tunes-Cartoon entsprungen, ist schon mutig. Aber wisst ihr was? So verrückt es klingt, so absurd es im ersten Moment aussehen mag: Es ist wirklich lustig – so wie der ganze Film.

Die Macher beweisen, dass sie sich durchaus bewusst sind, dass die Welt nicht auf noch einen Superheldenfilm gewartet hat. Und schon gar nicht auf Spider-Man, von dem wir in den letzten 16 Jahren sechs Kinofilme vorgesetzt bekamen. Was macht man also? Man nimmt sich selbst und das gesamte Genre gehörig auf die Schippe. Ein Beispiel gefällig? Gerne!

Die erste Lektion, um Spider-Man zu sein: Habe immer Baby-Puder zur Hand. Du willst nicht den ganzen Tag in deinem Anzug stecken und dir ein paar unangenehme Stellen wund scheuern.

Peter B. Parker mit seinem Schützling Miles Morales.
Peter B. Parker mit seinem Schützling Miles Morales.
Bild: Sony Pictures

Und dank der vielen verschiedenen Spider-Leute hat der Film die Möglichkeit, der Figur viele neue Facetten zu verabreichen, die wir so bisher noch nie zu sehen bekamen. Zum Teil sind dies seriöse Dinge, wie Peter B. Parker, der in seinem Universum gerade eine Identitätskrise durchmacht und sich von seiner Frau Mary Jane entfremdet hat, weil er keine Kinder möchte. Dann wiederum gibt es richtig schräge Aspekte, wie den Spider-Noir, der aus einem Schwarz-Weiss-Universum stammt und daher den Sinn eines Rubikwürfels nicht nachvollziehen kann.

Auch wenn es darauf hinausläuft, wie in so vielen Superheldenfilmen, dass schlussendlich alles in die Luft zu fliegen droht und ein Hebel betätigt werden muss, um das zu verhindern, weiss der Film, wie banal das ist. So erklärt einer der Spider-Männer seinem Schützling Miles etwas resigniert: 

Bild: watson

Es ist fast, als wollte Peter Parker uns sagen: So ist das eben, mit diesen Geschichten, da muss ich als Superheld durch – gut finde ich das deswegen nicht.

Die Botschaft, die der Film aber schlussendlich vermitteln möchte: Jeder könnte hinter der Maske des Spider-Man stecken. Und das tut die Geschichte, ohne, dass man genervt die Augen verdreht.

Ein grosses Dankeschön geht noch dafür an die Macher, dass sie keine unnötige Teenie-Romanze rund um Miles Morales eingebaut haben. Einfach nur Freunde sein geht nämlich auch. Danke, danke, danke!

«Spider-Man: Into the Spider-Verse» ist eine erfrischende Superheldengeschichte, die visuell neue Standards setzt und in Zukunft häufig kopiert werden dürfte. 

Es ist einer der wenigen Filme, den man sich unbedingt auf der grossen Leinwand anschauen sollte. Nicht auf dem 60-Zoll-TV, nicht auf dem Laptop und garantiert nicht auf dem Smartphone.

Wie geht der Werbeslogan? Kino – dafür werden Filme gemacht. Das unterschreibe ich bei «Spider-Man: Into the Spider-Verse» ohne zu zögern.

PS: Es gibt eine Postcredit-Szene, die erst ganz am Schluss des Abspanns kommt. Bleibt sitzen, es lohnt sich wirklich.

Und für alle, die es wissen wollen:

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«Spider-Man: Into the Spider-Verse» startet am 13. Dezember in den Schweizer Kinos. Die Laufzeit beträgt 117 Minuten.

Der Trailer:

Video: undefined/Sony Pictures

Superhelden im Alltag:

1 / 13
Superhelden im Alltag
quelle: hrjoe photography
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