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Eleganz 2.0: Ein Rolls zerstört die englische Countryside. Bild: Youtube/TaxtheRich100

Die feine englische Unart

«Bonzen an die Kasse» – oder weshalb es ein philosophischer Akt ist, einen Rolls-Royce zu driften

Powerslide zwischen Kuhstall und Misthaufen im Bugatti, Rallyecross mit dem Ferrari: Die anonymen Supercar-Punks von «Tax the Rich» feiern Autokultur und Subversion zugleich.



Man muss sich das mal vorstellen: Da nimmt jemand einen nigelnagelneuen Rolls-Royce Phantom – wie viel kostet so ein Ding? Eine halbe Million? – und rast damit querfeldein über ein Farmgrundstück.  

«Quer» ist dabei Programm:  

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Video: Youtube/taxtherich100

Oder hier, zum Beispiel, setzt ein Jaguar XJ 220 (ein ultrarares Teil) seine Pneus in Brand: 

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YouTube/taxtherich100

Auch hübsch: Zwei Ferrari F50 jagen einander über die Feldwege einer Farm und messen sich danach im Tauziehen.

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YouTube/Taxtherich100

Diese Videos sind allesamt das Werk eines ominösen, bisher anonymen Filmteams namens Tax the Rich

«Besteuert die Bonzen»: Ein grossartiger Name – und ein noch grossartigeres Konzept, extrem rare und gesuchte Supercars für einmal so richtig, richtig respektlos zu malträtieren. «Tax the Rich»: Das sind die Supercar-Punks der Postmoderne. 

Viel wurde darüber spekuliert, wer genau dahinter steckt. Findige Internet-Schnüffler sollen mit Hilfe von Google Earth das grosszügige Farmgrundstück gefunden haben, auf dem die Radau-Videos gedreht wurden. Wer aber die Menschen hinter der Kamera und dem Steuer sind, bleibt ungewiss.  

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Video: Youtube/Taxtherich100

Das «Top Gear»-Magazin führte vor Kurzem ein Interview mit ihnen – ohne freilich ihre Identität zu enthüllen. So viel wurde aber verraten: Nein, sie sind keine superreichen Bonzen-Kids. Und nein, sie sind auch keine Kids mehr (graue Haare haben sie aber ebenso wenig). Was sie aber vorweisen können, sind superreiche Bekannte, die ihnen erlesenste Auto-Juwelen ausleihen und ihnen ihre weitläufigen Grundstücke zur Verfügung stellen. 

Der Phantom, um ein Beispiel herauszupicken, wurde mittels solventem Kumpel beim ahnungslosen Rolls-Royce-Händler für eine Testfahrt ausgeliehen ... und dann den «Tax the Rich»-Filmern übergeben. Der Händler soll danach getobt haben. 

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youTube/taxtherich100

Nun fragt man sich: Ist dies gar eine ultimative Form von Konsumkritik? Ein Nihilismus gar, der weder vor Technik und Tradition noch vor Opulenz und Besitz Respekt zeigt? Ergo: Besteuert gefälligst die Reichen, sonst stellen sie mit ihrem Überfluss nur noch Blödsinn an! 

Oder dienen solche Clips am Ende doch dazu, jenem Überreichtum der Postmoderne zu huldigen, indem sie just jene Supercars und das dazugehörige Super-Grundstück glorifizieren? Ist der Titel am Ende schnöder Sarkasmus? 

Nein, die Message von Tax the Rich ist hedonistisch und subversiv zugleich: Respekt vor Kunst, Handwerk, Design und Technik, Verachtung von materiellem Wert und Statussymbolik. Einen Rolls-Royce zu driften, ist ein philosophischer Akt. 

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Kommentar

Truck. Yeah.

Ich bin Pickup gefahren und muss gestehen: Irgendwie versteh' ich die Amis.

Eigentlich ist's erstaunlich, dass es nicht früher passiert ist. Nachdem ich in der Vergangenheit so ziemlich jede Mietwagenkategorie unter der Sonne ausprobiert hatte, setzte man mich beim letzten USA-Besuch erstmals ans Steuer eines Pickup-Trucks.

Meist mietet man ja irgend eine billige Bänne. Manchmal aber einen etwas teureren Hybrid, in der Hoffnung, dass man dafür beim Benzin einspart. Und oft bekommt man ein Upgrade, weshalb ich mal von Phoenix nach Las Vegas in einem Dodge Challenger …

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