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Brisante Recherchen: Gibt es ein Gewalt-Problem im Bundesasylzentrum Bässlergut?

Sicherheitsangestellte sollen Asylsuchende im Basler Asylzentrum regelmässig geschlagen haben.



Konflikte bei der Essensausgabe, unverhältnismässige Aktionen der Sicherheitsleute, renitente Asylsuchende. Die Protokolle des Sicherheitsdienst, der im Bundesasylzentrum Bässlergut in Basel für Ordnung sorgen soll, zeichnen ein düsteres Bild. Die Wochenzeitung (WOZ) und die SRF-Sendung «Rundschau» berichten über die Dokumente. Zudem konnten sie mit mehreren Asylsuchenden sprechen, die im Zentrum Bässlergut leben.

Im Asylzentrum gibt es gemäss den Berichten einen sogenannten «Besinnungsraum». Eine Isolationszelle, die nur im Ausnahmefall und für wenige Stunden genutzt werden sollte. Die Protokolle und Augenzeugenberichte sollen nun zeigen, dass das Sicherheitspersonal die Massnahme unverhältnismässig oft einsetzt. Protokolle würden zeigen, dass Asylsuchende eine ganze Nacht in der Zelle verbringen mussten, schreibt die WOZ.

Asylsuchender widerspricht dem Protokoll

Die Zeitung führt ein Beispiel von Dezember 2019 auf. Laut Protokoll weigerte sich ein Asylsuchender, sein Bett zu verlassen. Er soll Anwesende beschimpft und «ein erhöhtes Aggressionsverhalten» gezeigt haben. Der Sicherheitsdienst griff daraufhin ein und verfrachtet den Mann in die Isolationszelle. Auf dem Weg dorthin soll sich der Asylsuchende an einem Türrahmen gestossen haben. Schliesslich klagte dieser später über Bauchschmerzen und wurde ins Spital gebracht.

Die WOZ hat mit dem Betroffenen gesprochen. Er sagte zur Zeitung: «Ich war krank und habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Am Morgen kamen die Securitas, es war sehr kalt, doch sie öffneten das Fenster, nahmen mir die Decke weg.» Dann hätten sie ihn mitgenommen und in der Zelle mehrmals in den Bauch geschlagen.

Gegenüber SRF erheben mehrere Asylbewerber schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitspersonal: «Die Securitas suchen die ganze Zeit Probleme, damit sie sich prügeln können», sagt Lotfi Rezgani, ein Asylsuchender aus Tunesien.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) betreibt das Asylzentrum Bässlergut. Zu den Vorwürfen schreibt das SEM der WOZ: «Wir haben keine Hinweise darauf, dass die Sicherheitsdienstleister in Basel oder in anderen Bundesasylzentren unverhältnismässigen Zwang anwenden. Das SEM würde dies nicht dulden und entsprechend sanktionieren.»

Mitarbeitende des Sicherheitsdienst bestätigen jedoch, dass die Isolationszelle, die als letzte Massnahme eingesetzt werden sollte, fast täglich genutzt werde. So würden sich wöchentlich zwei bis sechs Konflikte ereignen, bei denen man eingreifen müsse. (chmedia/cma)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
soulpower
13.05.2020 22:16registriert March 2020
Da ich selber in etlichen Asylunterkünften die Asylsuchenden betreut habe, kommt mir ein solcher "Besinnungsraum" etwas Ausserirdisch vor, noch nie von sowas gehört. Ich weiss von Verwarnungen, und bei ernsthaften Auseinandersetzungen/Situationen wurde sowiso immer die Polizei gerufen, welche immer äusserst deeskalierend gehandelt hat. Kann es sein, dass es zu mehr Problemen kommen kann wenn privates Sicherheitspersonal anwesend ist?
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Knäckebrot
13.05.2020 21:28registriert June 2017
Ich habe schon mit drei Leuten gesprochen, die dort arbeiteten. Alle drei optimistisch wohlwollende Menschen aus meiner Sicht.
Die erzählten Geschichten darüber, was sich manche Asylbewerber alles an Gewalt, Frechheiten, Perversionen und teils religiöser Arroganz erlaubten, so dass einem eher das Personal leid tut und diejenigen Asylbewerbenden, die Opfer von anderen Asylbewerbenden sind...
Ah ja und mit vielen Asylbewerbern habe ich auch gesprochen. Ihre grössten Probleme erlitten sie durch andere Asylbewerber und nicht durch das Personal...
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GoldjungeKrater
14.05.2020 06:50registriert June 2019
Es irritiert mich, dass illegale Migranten offensichtlich ein so hohes Sicherheitsdispositiv benötigen. Man sollte meinen, diese Leute sollten gegenüber der Schweiz etwas dankbarer und auch weniger kriminell sein.
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