Schweiz
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Der grosse Städtevergleich: Diese Grafiken zeigen, wie Publibike durch die Decke geht

Seit einem Jahr können Velofahrer auf Leih-Bikes durch Schweizer Städte wie Zürich oder Bern flitzen. Eine Datenauswertung zeigt, wie beliebt die Stahlesel bereits sind. Doch es gibt ein Problem.



Leih-Velos und E-Scooter verändern die Mobilität der Menschen in Schweizer Städten – und zwar rasant. Ob mit dem Velo zum Feierabendschwumm an die Aare fahren oder mit dem Bike zum Prime Tower ins Büro kurven, die Zahl der Nutzer ist in den letzten Wochen explodiert, wie eine Daten-Auswertung von watson der Postauto-Tochtergesellschaft Publibike zeigt.

Der Städtevergleich

Publibike startete in Lausanne Ende 2017 das erste grosse Velo-Netz. Richtig losgegangen ist es vor gut einem Jahr, als das Sharing-Unternehmen das Publibike-Netz in Zürich und Bern lancierte.

In diesen Städten gibt es Publibikes

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grafik: watson / daten: publibike

Seit Frühlingsbeginn im März 2019 zeigen die Nutzerzahlen bei den beiden grössten Publibike-Standorten Zürich und Bern steil nach oben.

«Wir haben 2019 bei den Ausleihen bereits die 1-Millionen-Grenze geknackt», sagt Publibike-Sprecher Ben Küchler.

Das war nicht immer so. Kurz nach dem Start in den grossen Schweizer Städten erlebte das Velo-Start-Up im Sommer 2018 einen Super-GAU. Mit einem Trick konnten findige Nutzer die Schlösser ganz einfach knacken. Jugendliche machten sich einen Sport daraus, möglichst viele Velos zu entwenden. Deswegen musste Publibike später alle Bikes einziehen und die Schlösser aufrüsten.

Velos vs. E-Bikes

Publibikes gibt es als normale Velos oder als E-Bikes. Die Statistik zeigt: In allen Städten bevorzugen die Nutzer die E-Velos, obschon diese teurer sind. In Zürich wird bei 69 % aller Fahrten ein Drahtesel mit Elektro-Antrieb gewählt. In Bern sind es trotz der hügeligeren Topographie nur 59 %. Publibike scheint die Faulheit der Velofahrer unterschätzt zu haben. Denn nur rund die Hälfte aller verfügbaren Stahlesel sind E-Bikes.

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grafik: watson / daten: publibike

Der hohe Anteil der E-Bike-Nutzer sorgt bei Publibike für Probleme. Die Mitarbeiter sind wegen der hohen Nachfrage mit dem Laden der Akkus oft im Verzug, so dass die Bikes nicht mehr ausgeliehen werden können. Nun hat die Stadt Bern das Logistikteam aufgestockt. Zuständig für Wartung, Verteilung und Aufladen der Publibikes sind in Bern und den meisten anderen Städten die Sozialdienste, welche so Arbeitslose integrieren.

Ausleihdauer

Wie lange sind Publibike-Nutzer mit dem Velo unterwegs? Spitzenreiter ist Fribourg mit einer durchschnittlichen Leihdauer von 46 Minuten. In Zürich sind es 23 Minuten, in Bern 19 Minuten. Der Spitzenplatz von Fribourg lasse sich wohl mit einer geringeren Zahl von Ausleih-Stationen erklären, so Küchler weiter.

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grafik: watson / daten: publibike

Der Stations-Rekord

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400 Publibikes stapelten sich beim Eichholz. bild: telebärn

So viele Publibikes hat man wohl bislang noch nie an einem Ort gesehen. In Bern stapelten sich laut Telebärn vergangenes Weekend bei der Station Eichholz zeitweise bis 400 Velos. Dies, weil viele Leute mit dem Leih-Velo nach Wabern fuhren und sich vom Eichholz aus Richtung Marzili die Aare herunter treiben liessen.

Hohe Verluste als Stolperstein

Die hohen Nutzerzahlen können nicht darüber hinwegtäuschen: Die Postauto-Tochter Publibike hat bislang nur Verluste eingefahren. Laut einem Bericht der eidgenössischen Finanzkontrolle betrug das Minus seit der Lancierung mindestens 11 Millionen Franken.

Publibike verdient das Geld mit Einnahmen aus Sponsoring, dem Bike-Verleih und den Werbeflächen auf den Velos. Das reicht offenbar nicht, um in die Gewinnzone zu kommen. Der Verwaltungsrat der Post hat Anfang Juli entschieden, dass Publibike für den Betrieb der Verleihsysteme künftig «gezielt Partnerschaften» anstreben soll. Ob damit etwa eine Kooperation mit E-Trotti-Verleihern gemeint ist, konnte Publibike auf watson-Anfrage nicht sagen. Man suche primär Partner, die «strategischen Nutzen» bringen oder bei denen operative Synergien möglich seien, so ein Sprecher.

Springen Städte in die Bresche?

Die Städte Bern und Zürich zahlen noch keine Beiträge an Publibike. Sie stellen der Firma aber den öffentlichen Grund für die Stationen gratis zur Verfügung. Offenbar besteht seitens der Stadt Bern nun grundsätzlich die Bereitschaft, für das Angebot von Publibike zu bezahlen. «Für die Stadt Bern hat dieses Veloverleihsystem einen Wert, wir wollen es behalten», sagt Verkehrsplaner Karl Vogel zum Bund.

Auch das Verkehrsunternehmen Bernmobil zeigt sich einer Partnerschaft mit Publibike gegenüber offen. Ein Angebot aus einer Hand erachte Bernmobil als Chance, so ein Sprecher weiter. «Die beiden Produkte wären so besser koordinier- und vermarktbar.»

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