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epa09172028 A suspected COVID-19 patient receives oxygen supply at a Sikh shrine, or gurdwara, where oxygen is made available for free by various Sikh religious organizations in New Delhi, India, 01 May 2021. The country has reported a record number of 400,000 new COVID-19 cases in one day.  EPA/IDREES MOHAMMED

In Indien verbreitet sich die B.1.617-Variante nach wie vor rasant. Bild: keystone

B.1.617 verbreitet sich auch ausserhalb Indiens: 4 Punkte zum Stand der Mutationen

In der Schweiz kratzt die britische Mutation an der 100-Prozent-Marke, die indische B.1.617-Variante holt jedoch weltweit auf. Eine Übersicht.



Welche Variante dominiert in der Schweiz?

In der Schweiz setzt sich die britische Variante B.1.1.7 durch – wie von der Covid-Science-Taskforce vor ein paar Monaten prognostiziert. Per Anfang April machte die britische Mutation knapp 90 Prozent aller Sequenzierungen aus. Mittlerweile dürfte die Quote noch höher liegen.

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Der rote Balken steht für die britische B.1.1.7-Variante. quelle: covariants.org

Einen Lichtblick gibt es jedoch: Die Verbreitung verlangsamt sich, wie die Grafik unten zeigt. Seit dem Anstieg der Fälle Mitte März lag die Wachstumsrate bei zwischen 10 und 40 Prozent. Mittlerweile steht sie kurz davor, wieder ins Negative zu drehen. Ein Grund dafür dürfte die fortschreitende Impfkampagne sein.

Die Daten der ersten Grafik stammen von Analysen des Projekts «Nextstrain». Die Epidemiologin Emma Hodcroft von der Universität Bern ist federführend bei dem Projekt.

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Wie sieht es im Rest Europas aus?

Ähnlich wie in der Schweiz. B.1.1.7 scheint sich auf dem ganzen Kontinent durchgesetzt zu haben.

Der Anteil der B.1.1.7-Mutation:

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quelle: covariants.org

Schweden, Grossbritannien, Deutschland, Norwegen und Italien weisen gar eine noch höhere Dichte der Mutation aus. Erst an elfter Stelle kommt die USA mit einem Anteil von 53 Prozent.

Wie sieht es mit der indischen Mutation aus?

In der Schweiz sind noch nicht sehr viele Fälle der indischen B.1.617-Mutation bekannt. Im Ausland verbreitet sie sich jedoch rasant. Ein Blick nach Indien legt nahe, dass sich B.1.617 womöglich noch schneller verbreitet als die britische Variante.

Im indischen Bundesstaat Westbengalen hat die indische Variante in Windeseile alle anderen verdrängt. Der belgische Professor für Biostatistik Tom Wenseleers hat aufgezeigt, dass der Wachstumsvorteil der indischen Variante gegenüber der britischen Variante ähnlich ist, wie jener der britischen Variante gegenüber dem Wildtyp in anderen Ländern. «Also eine UK-Variante im Quadrat», schrieb Wenseleers auf Twitter.

Auch in anderen Ländern macht sich die indische Variante breit. So waren am 19. April bereits vier Prozent aller Sequenzierungen aus Grossbritannien B.1.617 zuzuschreiben. In Singapur wuchs der Anteil zwischen Ende März und Anfang April binnen zwei Wochen von 10 auf 31 Prozent.

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Die Datenlage ist bis jetzt aber zu dünn, um ein genaues Bild der Lage zu bekommen.

Schützten die Impfstoffe nun vor der indischen Variante oder nicht?

Diese Frage stand bis jetzt offen und kann auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit hundertprozentiger Sicherheit geklärt werden. Es gibt jedoch erste Anzeichen, dass die Impfstoffe auch gegen die indische Variante funktionieren werden.

Zweifel an der Wirksamkeit der Vakzine gegen B.1.617 kamen auf, weil die indische Variante eine sogenannte «Doppelmutante» ist. Das heisst, dass sie gleich zwei Veränderungen am Oberflächenprotein aufweist. Die beiden Veränderungen (E484Q und L452, um genau zu sein) sind schon von anderen Mutationen wie jene aus Brasilien (P.1) oder Südafrika (B.1.351) bekannt. Sie sind allerdings noch nie im Doppelpack aufgetreten. Da bekannt ist, dass die Mutationen den Effekt der Vakzine schmälern können, wird befürchtet, dass die indische Mutation die Impfstoffe neutralisieren könnte.

Ersten Erkenntnissen zufolge dürfte dies jedoch nicht der Fall sein.

Das renommierte Gupta-Labor an der Universität Cambridge hat in einem kleinen Versuch mit neun Personen festgestellt, dass die Kombination der beiden Veränderungen, die die indische Mutation ausmacht, nicht zu einem höheren Wirksamkeitsverlust führt als zum Beispiel P.1 oder B.1.351. Die Forscher erklären deshalb auf Twitter, dass man damit aufhören könne, von einer «Doppelmutante» zu sprechen.

Trotzdem müssen erst weitere Studien zeigen, wie effektiv die Impfungen gegen die indische Variante ist. Pharmahersteller bereiten sich bereits jetzt darauf vor, dass zukünftige Mutationen die Antikörper umgehen könnten und tüfteln deshalb an angepassten Impfstoffen, die das verhindern.

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«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten

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«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten
quelle: keystone / peter klaunzer
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