Schweiz
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A teacher wearing protective face mask as she teaches close to pupils at a primary school in Morges, Switzerland, Monday, May 11, 2020. Swiss primary and secondary schools reopened with half of the students during the ongoing coronavirus Covid-19 pandemic. (KEYSTONE/Laurent Gillieron).L'enseignante Corentine Gerber porte un masque alors qu'elle enseigne dans une classe d' ecole primaire a des eleves de 8P de l'Etablissement Primaire de l'ecole vaudoise, EP Morges EST, le jour du retour des eleves lors de la pandemie de Coronavirus (Covid-19) ce lundi 11 mai 2020 au College de Chanel a Morges. Des le 11 mai, les eleves de l'ecole primaire et secondaire vaudoise reprennent l'ecole obligatoire par demi classe et un jour sur deux. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Eine Lehrerin im Kanton Waadt trägt eine Schutzmaske. In Israel stecken sich zurzeit viele Menschen in Bildungseinrichtungen an. Bild: KEYSTONE

An diesen Orten stecken sich die Menschen mit dem Coronavirus an

Noch immer veröffentlicht das Bundesamt für Gesundheit keine flächendeckenden Auswertungen, wo sich Personen mit dem Coronavirus infizieren. Daten gibt es aus einzelnen Kantonen und aus dem Ausland – und die geben einen interessanten Einblick.



Die Fallzahlen sind in der Schweiz seit Wochen so tief, dass man Contact Tracing betreiben kann. So wird versucht, herauszufinden, an welchen Orten sich am meisten Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Allerdings werden diese Daten dann von den wenigsten Kantonen publiziert.

Herausforderungen beim Tracing

Es ist nicht ganz einfach bei jedem Coronafall herauszufinden, wo die Ansteckung stattgefunden hat. Meist gibt es zwar eine Vermutung, aber bei rund 50 Prozent der neuen Fälle kann nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Ort bestimmt werden.

Das Problem liegt auf der Hand: Wie soll man beispielsweise Ansteckungen im ÖV mit grosser Wahrscheinlichkeit bestimmen können? Und wenn jemand nach einem Clubbesuch positiv getestet wird, könnte er sich auch auf dem Weg dorthin im Zug oder vorher bei der Arbeit oder der Familie infiziert haben.

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Einfacher zu verfolgen sind Ansteckungen im eigenen Haushalt. Diese machen daher auch in den allermeisten Auswertungen den grössten Teil aus. Das Risiko einer Ansteckung ist aus offensichtlichen Gründen auch sehr gross: Man hält kaum Abstand und befindet sich über mehrere Stunden täglich im geschlossenen Raum.

Laut einer südkoreanischen Studie haben sich von über 10'000 Mitbewohnern von Infizierten 11,8% ebenfalls mit dem Coronavirus angesteckt. Von den untersuchten 48'000 Kontakten, die aber nicht im gleichen Haushalt wohnen, waren es entsprechend nur 1,9%.

Wir blicken neben der Situation in einigen Schweizer Kantonen auch noch detaillierter auf die Ansteckungsquellen in Israel und Österreich:

Schweiz

In der Schweiz publizieren mit Aargau und Zug zwei Kantone die (vermuteten) Ansteckungsquellen. Bei anderen sieht es auf Anfrage zumindest ähnlich aus, auch wenn genaue Zahlen fehlen. Wir fokussieren auf folgende fünf Kantone.

Aargau

Im Aargau gab es seit dem Contact Tracing am 11. Mai insgesamt 302 Fälle (Stand 21.7., 8 Uhr). Bei 138 Fällen weiss man nicht, wo sich die Personen angesteckt hatten. Mediensprecher Michel Hassler sagt auf Anfrage: «Teilweise hat man eine Vermutung, wo die Ansteckung erfolgt ist, aber wenn die Überprüfung der Infektionskette nicht einen sehr sicheren Schluss zulässt, dann wird der Ansteckungsort in die Kategorie ‹unbekannt› eingeteilt. Die Hürde zur Bestimmung des Ansteckungsorts ist also hoch.»

Damit bleiben 164 Fälle, bei denen ein Ansteckungsort bekannt ist. Der grösste Teil (95 Personen) hat sich im familiären Umfeld angesteckt. So verteilen sich die restlichen 69 Ansteckungen:

Wo sich die 69 Aargauer angesteckt haben

Ansteckungsorte Coronavirus nach Region / Land

Details auf der interaktiven Version Bild: watson

Bei bekannten Ansteckungsorten ausserhalb der eigenen vier Wände wurden am häufigsten «Arbeitsplatz/Schule» und «Einreise Ausland» genannt. Woher diese 17 Personen einreisten, die sich im Ausland mit Covid-19 angesteckt haben, gibt der Kanton genauso wenig bekannt, wie ob es sich um Ferien oder eine Geschäftsreise handelte.

Die viel gescholtenen Clubs und Bars kommen mit bisher 13 Fällen im Aargau erst an vierter Stelle. Ein Teil davon dürfte mit dem Ausbruch in einem Spreitenbacher Club Ende Juni zusammenhängen.

Zug

Auch der Kanton Zug veröffentlicht die vermuteten Ansteckungsquellen seiner Coronafälle. Die Daten stammen von der Lungenliga Zentralschweiz, welche die Angaben erfasst. Das Resultat ist ausgeglichener als im Kanton Aargau. In Zug wurden nur knapp 30 Prozent der Fälle als «unbekannt» bezeichnet.

Lässt man nebst den unbekannten auch die im Haushalt stattgefundenen (18,5%) Ansteckungen aussen vor, bleiben noch 139 Infektionen. Sie verteilen sich relativ ausgeglichen auf die vier Bereiche «Ausland», «Freizeit», «Gesundheit / Pflege» und «Arbeit / Schule».

Woher die Infizierten aus dem Ausland zurückkehrten, wird auch im Kanton Zug nicht veröffentlicht.

Wo sich 139 Zuger angesteckt haben

Ansteckungsorte Coronavirus nach Region / Land

Details auf der interaktiven Variante Bild: watson

Zürich

Beim Kanton Zürich werden die Ansteckungsorte nicht publiziert. Auf Anfrage wird aber auch von der kantonalen Gesundheitsdirektion bestätigt, dass «Familie», «Arbeit» und «Auslandsreise-Rückkehrer» zu den häufigsten genannten wahrscheinlichen Ansteckungsquellen gehören.

Basel-Stadt

Ähnlich wie in Zürich tönt es auch in Basel-Stadt. In einer kürzlich veröffentlichten Medienmitteilung berichtete das Gesundheitsdepartement: «Die neu positiv getesteten Personen haben sich in den letzten 30 Tagen mutmasslich hauptsächlich in den Bereichen Reisen, Freizeit und Familie angesteckt. Rund jeder Fünfte hat sich im Ausland angesteckt. Eine Zuordnung in Ansteckungskategorien gelingt in rund 50 Prozent der Fälle.»

Aufgrund der aktuell relativ kleinen Anzahl Neuinfektionen wird die detaillierte Statistik im Moment nicht geführt. Seltener seien aktuell Fälle im Berufsumfeld.

Genf

Nicht so detailliert Auskunft über den Ansteckungsort gibt der Kanton Genf. Dafür wird am Lac Léman ausgewiesen, aus welchen Risikoländern Personen nach Auslandsaufenthalten in die Selbst-Quarantäne gingen. In der Woche vom 6. bis 12. Juli (aktuellste Daten) waren dies 220 Personen. 40 Prozent davon kehrten aus dem Kosovo zurück in die Schweiz, 31 Prozent aus den USA. Mit Schweden kommt ein drittes Land über die 10-Prozent-Marke (13 %), alle anderen Nationen weisen kleinere Anteile aus.

Israel

Als transparentes Beispiel voran geht Israel: Die Regierung hat die Erfahrungen der Contact Tracer ausgewertet. Das Land erlebt zurzeit gerade eine zweite Welle und hat einen erneuten Lockdown verhängt.

Von den in Israel 7998 positiv Getesteten zwischen dem 10. und 17. Juli 2020 konnte man bei gut einem Viertel nachverfolgen, wo sich die Person angesteckt hat: Auch hier handelte es sich beim allergrössten Teil um Ansteckungen innerhalb der eigenen vier Wände.

Interessant ist allerdings, wo sich Personen ausserhalb des eigenen Haushalts angesteckt haben. Das ist die Auswertung der verbleibenden 727 Personen:

Wo sich 727 Personen in Israel angesteckt haben

Ansteckungsorte Coronavirus nach Region / Land

Details auf der interaktiven Version Bild: watson

Mehr als die Hälfte der bekannten Ansteckungen ausserhalb des eigenen Haushalts fanden in der Freizeit statt, also beispielsweise bei Events oder bei religiösen Veranstaltungen. Gut ein Drittel der Ansteckungen fand ausserdem in der Schule statt.

Österreich

Detailliert über die Ansteckungsorte Auskunft gibt auch das Österreichische Bundesamt für Ernährungssicherheit. Die einzelnen nachverfolgten Cluster werden sauber ausgewertet.

Das folgende Diagramm zeigt die Ansteckungen in der dritten Phase der Lockerung seit dem 12. April bis zum 14. Juli 2020. Von 2392 Personen in Österreich ist bekannt, wo sie sich angesteckt haben. Lässt man auch hier die rund 1000 Personen weg, die sich im eigenen Haushalt angesteckt haben, zeigt sich dieses Bild:

Wo sich 1324 Personen in Österreich angesteckt haben

Ansteckungsorte Coronavirus nach Region / Land

Details auf der interaktiven Version Bild: watson

Knapp die Hälfte hat sich am Arbeitsplatz angesteckt. Rund ein Viertel setzt sich zusammen aus Ansteckungen im Gesundheits- und Freizeitbereich und aus importierten Fällen. Bei einem Viertel vermuten die Contact Tracer einen Mix aus einer Ansteckung in der Freizeit, im Haushalt, am Arbeitsplatz oder in der Schule.

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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Militia
22.07.2020 07:50registriert October 2018
Homeoffice scheint hier gleich einen doppelten Vorteil zu haben: Abgesehen vom Gedränge im ÖV kann man auch die Ansteckungen am Arbeitsplatz vermeiden.
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landre
22.07.2020 08:44registriert June 2019
Dass die Home-Office-Empfehlung (es war nur eine Empfehlung) schon so früh aufgehoben/ zurückgezogen wurde, verstehe ich nicht und werde es wohl auch niemals.
Oder weiss bzw hat hier jemand nachvollziehbare Argumente dies bezüglich?
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schnupperi
22.07.2020 07:48registriert May 2020
Mich verwunderts, dass v. a. Arbeitgeber nicht mehr zur Verhinderung von Neuansteckungen unternehmen. Es müsste ja in ihrem grössten Interesse liegen, dass ihre Mitarbeitenden nicht krank werden und dann auch noch weitere in Quarantäne müssen. Da wird mal eine Email mit Regelungen des BAG versendet und dann hat es sich. Obwohl es gerade im Büro sehr einfach wäre die Sicherheit zu erhöhen (Abstand halten, Maske tragen). Na ja, ich bin überzeugt auch die Arbeitgeber werden es mal merken und die Regelungen verschärfen.
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