Schweiz
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Superspreader entdeckt, illegaler Rave in Bern – was du übers Party-Weekend wissen musst

Die Schweiz hat ein wildes Party-Wochenende hinter sich. In Zürich bestätigte sich ein Superspreader-Event, in Bern wächst die Furcht davor. Was du dazu wissen musst.



Was ist passiert?

Am Samstag wurde bekannt, dass ein Partygänger am Wochenende zuvor in Zürich mindestens fünf Personen mit dem Coronavirus angesteckt hat. Während es am Samstagabend von Seiten des Kantons lobende Worte an die Adresse des Clubbetreibers gab, tönte es am Sonntag ganz anders.

Denn: Das Contact Tracing funktionierte offenbar gar nicht. Von den knapp 300 Gästen, die auf der Liste standen, gaben etwa ein Drittel eine offensichtlich falsche Email-Adresse an, teils mit vulgären Inhalten. Dazu kam, dass sich gar nicht alle Gäste auf der Liste eingetragen hatten. Mehrere Leute meldeten sich beim Kanton, dass sie ebenfalls im Flamingo-Club gefeiert hätten – aber nicht benachrichtigt wurden.

Der Zeitfaktor war ebenfalls nicht befriedigend: Es dauerte fast eine Woche, bis alle bekannten Partygäste benachrichtigt wurden. Aber eben: Nur die bekannten. Ausserdem seien die Tracer des Kantons bei der Kontaktaufnahme teils beschimpft worden.

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Ein anderer Event bereitete den Bernern Sorgen: Mehrere hundert mehrheitlich junge Leute feierten eine wilde, sehr laute Technoparty auf der Schützenmatte vor der Reitschule. In der Nacht auf Sonntag gingen bei der Kantonspolizei Bern deswegen mehr als hundert Lärmklagen ein.

Weil zu viele Leute anwesend waren, wollte die Polizei vorerst nicht eingreifen. Erst am frühen Morgen beschlagnahmte die Polizei die Musikanlage und brachte zwei Personen zwecks Abklärungen auf eine Polizeiwache. Sie sollen angezeigt werden.

Ein Foto der Party:

Was sind die Reaktionen?

Die Experten des Bundes zeigten sich am Wochenende besorgt über die epidemiologische Lage in der Schweiz. Task-Force-Leiter Matthias Egger sieht die Entwicklung der Zahlen mit Sorge. Die Reproduktionszahl liege bei 1,28, twitterte er am Samstag. Eine Reproduktionszahl über 1 sei ein Alarmzeichen – so werde sich das Virus weiter ausbreiten, sagte Egger gegenüber Radio SRF.

Er mache sich Gedanken darüber, was die neuesten Öffnungsschritte mit sich bringen würden, denn die jetzige Reproduktionszahl sei auf frühere Öffnungsschritte zurückzuführen.

Epidemiologe Christian Althaus von der Uni Bern twitterte am Sonntag lediglich: «Déja vu ...»

Und sein Kollege Marcel Salathé zitierte ebenfalls auf Twitter Einstein:

Von Seiten nationaler Politiker blieb es auf Twitter relativ ruhig. CVP-Präsident Gerhard Pfister teilte lediglich einen Tweet mit dem Inhalt: «Party und Demos = Lockdown Part 2 is coming.»

Wie geht's jetzt weiter?

Heute Montag kommt es nun zum Treffen zwischen Gesundheitsminister Alain Berset mit den Kantonen. Die Zusammenkunft war bereits länger geplant, nun dürfte sie zum Krisentreffen werden. Teilnehmer sind gemäss Tagesanzeiger Vertreter der kantonalen Gesundheitsdirektoren, der Konferenz der Kantonsregierungen sowie Kantonsärzte.

Weil seit dem 19. Juni von der ausserordentlichen zur besonderen Lage gewechselt wurde, sind derzeit hauptsächlich die Kantone für die Eindämmung der Epidemie verantwortlich. Der Bund kann aber allgemeine Verhaltensregeln wie das Abstandhalten verordnen.

Aber auch die Maskenpflicht soll angesprochen werden. Der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), Lukas Engelberger, wünscht sich etwa eine nationale Maskenpflicht im ÖV. Eine kantonale Lösung würde Probleme bereiten, da die Züge durchs ganze Land führen.

Nach den jüngsten Ereignissen dürfte nun aber auch das Contact Tracing zum Thema des Treffens werden. Der Fall Zürich hat gezeigt, dass dies noch nicht wie gewünscht funktioniert.

Sollten die Clubs wieder geschlossen werden?

Am Sonntag kündigte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli an, dass man sich mit der Bar und Club-Kommission treffen werde, um über die Ereignisse der letzten Woche zu sprechen. Und: Falls es am nächsten Wochenende keine Besserung gibt, würden die Clubs wieder geschlossen. (jaw)

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189 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
sterpfi
29.06.2020 08:06registriert March 2014
Clubs schliessen und Maskenfplicht im ÖV, bei den Bars wieder auf 4 Personen pro Tisch beschränken und nur am Tisch servieren. Die Zahlen zeigen eindeutig, dass die Lockerungen vom 8.6. zu weit gingen.
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Knety
29.06.2020 08:22registriert May 2016
Keine Stadt im Land hat ein Konzept für das Nachtleben erarbeitet. Ich will nichts schön reden, aber zu glauben das junge Leute bei schönem Wetter keine Parties machen werden ist einfach nur naiv.
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Scaros_2
29.06.2020 08:23registriert June 2015
Die Politik lernt es nicht, die Menschen lernen es nicht. Ich für mich weiss ganz genau warum ich auf Kino, Restaurant, Ausgang etc. bewusst verzichte. Es ist mir einfach das Risiko nicht wert angesteckt zu werden oder indirekt in Quarantäne gehen zu müssen.
Ich stelle mich ganz bewusst auf eine 2. Welle ein. Sie wird kommen, sie wird lokal einschlagen und ggf. vielleicht wenn die Lobby nicht stark ist zu Teilschließungen führen. Der Mensch ist einfach dumm, unsolidarisch und sieht nur "ich" "ich" "ich.
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189

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, wir müssen reden ...»

Sollte die Schweizer Stimmbevölkerung die Beschaffung neuer Kampfjets Ende September auch im zweiten Anlauf ablehnen, wäre das gut für die Schweiz. Sie könnte dann die längst überfällige sicherheitspolitische General-Debatte führen.

Liebe Frau Amherd

Herzliche Gratulation zu den jüngsten «Polls», wie man in Amerika sagen würde. 58 Prozent der Stimmberechtigten gedenken laut einer Tamedia-Umfrage, den Kredit für die Kampfflugzeuge mit «Ja» oder «Eher Ja» anzunehmen.

Aber wie sagt man so schön? «It's not over, until it's over», und solche Abstimmungsbarometer wirken ja eher mobilisierend auf das Lager, das gerade im Rückstand ist.

Für Sie hoffe ich natürlich, dass Sie Ihr erstes grosses Geschäft als Verteidigungsministerin …

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