Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine Information mit der Aufschrift

In Zürich muss man seit Ende August in Geschäften eine Maske tragen. Bild: keystone

Die 3 Sorgenkantone – und was ihre Corona-Massnahmen tatsächlich bringen

Die Kantone Zürich, Genf und Waadt sind momentan die Treiber des Coronavirus in der Schweiz. Regelmässig sind sie für mehr als 50 Prozent der täglichen Fälle verantwortlich. Die drei Kantone haben unterschiedliche Massnahmen zur Bekämpfung ergriffen. Doch bringen diese auch was?



Die täglichen Corona-Fallzahlen steigen seit Monaten langsam, aber kontinuierlich an. Am vergangenen Sonntag hat das BAG 444 neue Fälle gemeldet, so viele wie seit April nicht mehr. Das ist zum Teil auch den vermehrten Tests geschuldet, nichtsdestotrotz steigen die Neuinfektionen.

Um der Fallzahlen Herr zu werden, greifen die Kantone zu unterschiedlichen Massnahmen, die über die vom Bund verordneten Restriktionen hinausgehen. So gilt mittlerweile in neun Kantonen eine Maskenpflicht in Einkaufsläden, andere Kantone haben die Besucherzahlen bei Veranstaltungen wieder auf 100 Personen begrenzt. Im Kanton Genf sind die Clubs bis zum 10. September gar ganz geschlossen.

Bild

bild: srf

Diese Massnahme ist verständlich, ist der Kanton Genf doch gemeinsam mit Zürich und Waadt ein «Hotspot-Kanton». Bis zu 60 Prozent der täglichen Neuinfektionen gehen auf das Konto der drei Kantone. Wir haben uns die Massnahmen sowie die Fallzahlentwicklung der drei Kantone angeschaut. Und obwohl Korrelation und Kausalität zwei verschiedene Paar Schuhe sind, versuchen wir, ein erstes Fazit zu ziehen.

Genf – das alte Sorgenkind

Ergriffene Massnahmen:

Der Kanton Genf entwickelte sich bereits früh wieder zum Sorgenkind der Schweiz. Am 21. Juli war der kleine Stadtkanton zum Beispiel für 26 Prozent der schweizweiten Neuinfektionen verantwortlich.

Entsprechend rigoroser ist man bei den Massnahmen vorgegangen. Die Maskenpflicht in Läden folgte schnell, am 3. August kündigte Genf gar an, alle Clubs wieder zu schliessen. Laurent Paoliello, Pressesprecher der Genfer Gesundheitsdirektion, zeigt sich zufrieden: «Die verschiedenen Massnahmen haben es uns ermöglicht, den Anstieg einzudämmen.»

Die Fallzahlen in Genf sind auf hohem Niveau, aber stabil

Bild

bild: dennis frasch / erstellt mit infrogram

Schaut man sich die Fallzahlen in Genf an, so bewegen sich diese tatsächlich auf einem hohen, aber stabilen Niveau. Auch das Tanzverbot scheint Wirkung zu zeigen: Die Anzahl der Infektionen bei 20- bis 29-Jährigen ist rückläufig.

Natürlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle. Ein funktionierendes Contact Tracing und eine solidarische Bevölkerung zum Beispiel. Letzteres könne auch indirekt durch die Massnahmen gefördert werden, meint Paoliello: «Die verordneten Bestimmungen sensibilisieren die Öffentlichkeit.»

Zürich – viele Massnahmen, bescheidene Wirkung

Ergriffene Massnahmen:

Der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz ist der zweite im Bunde der Pandemietreiber. Schaut man sich die Inzidenz pro 100'000 Einwohner an, relativiert sich dies indes wieder ein wenig. Kantone wie Zug, Freiburg oder Neuenburg bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau.

Nichtsdestotrotz machte Zürich Anfang Juli mit «Superspreader-Events» auf sich aufmerksam, zum Beispiel im Latino-Club «Flamingo». Auch das Contact Tracing haderte, da Besucher von Ausgehlokalen oftmals falsche Namen und Telefonnummern angaben. Der Kanton reagierte Anfang Juli mit einer Ausweispflicht.

In Zürich steigen die Fälle weiter

Bild

bild: dennis frasch / erstellt mit infrogram

Danach passierte lange nichts, trotz steigender Fallzahlen. Am 24. August legte der Regierungsrat zusammen mit dem Corona-Sonderstab dann doch noch den Vorwärtsgang ein. Maskenpflicht in Läden, Personenbeschränkung in Bars, Clubs und Restaurants.

In sinkenden Fallzahlen resultieren die Massnahmen momentan noch nicht. Die Neuinfektionen in Zürich bewegen sich auf dem Niveau von Anfang April. Auch für Regierungssprecher Andreas Melchior ist es zu früh, um ein Fazit zu ziehen: «Der Kanton Zürich setzt auf einen konsequenten Vollzug der Massnahmen und entsprechende Kontrollen. Der Regierungsrat analysiert zusammen mit dem Sonderstab Covid-19 die Lage laufend.»

Waadt – das neue Sorgenkind

Ergriffene Massnahmen:

08. Juli: Maskenpflicht in Geschäften

Im Kanton Waadt war es lange Zeit vergleichsweise ruhig. Der Kanton führte schon sehr früh eine Maskenpflicht in Geschäften ein, danach passierte nicht mehr viel.

Seit Mitte August steigen die Zahlen im Kanton jedoch rasant an, dabei sind es vor allem wieder junge Leute zwischen 20 und 39 Jahren, die sich anstecken. Ganze 60 Prozent macht diese Altersgruppe seit dem 15. August aus. Dementsprechend gering ist die Hospitalisierungs- und Todesrate im Kanton.

Im Kanton Waadt klettert die Anzahl Neuinfektionen bedrohlich

Bild

bild: dennis frasch / erstellt mit infrogram

Neue Massnahmen kommen momentan nicht in Frage, wie Lilyane Impala von der waadtländischen Gesundheitsdirektion sagt: «Der Kanton hat alle Massnahmen ergriffen, die er für angemessen hält, und wird neue Massnahmen ergreifen, wenn die Situation dies erfordert.»

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Schweizer Grossveranstaltungen von Corona betroffen

Was haben Sex und das Maskentragen gemeinsam?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

146 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
d10
09.09.2020 11:49registriert March 2018
Warum werden immer noch nur Grafiken der Neuinfektionen gezeigt? Aussagekräftiger wären die Entwicklung der Positivitätsrate, der Corona-Hospitalisierten und der Corona-Toten in diesen Kantonen?
514145
Melden
Zum Kommentar
Diavolino666
09.09.2020 12:10registriert April 2017
Gibt es irgendwo irgendeinen messbaren Effekt durch die Maskenpflicht?
445100
Melden
Zum Kommentar
Snowy
09.09.2020 12:06registriert April 2016
Die Maskenpflicht "nützt" also vor allem deswegen, weil sie die Bevölkerung sensibilisiert.
Selbstredend, dass sich dieser Effekt irgendwann abnutzt.
Nach wie vor steht der Beweis aus, dass Alltagsmasken - in der breiten Bevölkerung angewandt - einen signifikanten Nutzen haben.
Länder wie Frankreich, Deutschland oder Spanien welche seit langem strikte Maskenpflicht kennen, sind starke Indizien, welche dagegen sprechen.
Ich hätte gerne eine Regierung, welche nicht in erster Linie Massnahmen erlässt um die Bevölkerung zu sensibilisieren, sondern um sie konkret zu schützen, wenn wirklich nötig.
484186
Melden
Zum Kommentar
146

App soll schon bald Corona-Infektionen erkennen – das musst du wissen

Die US-Firma NeuTigers arbeitet an einem Corona-Echtzeit-Test, der auf handelsüblichen «Wearables» wie der Apple Watch funktioniere. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur «CovidDeep»-Technologie.

Während eine Corona-Impfung auf sich warten lässt, gilt das häufige Testen als Schlüssel zur Eindämmung der Seuche und für eine weitergehende Öffnung der Wirtschaft.

Beim gegenwärtigen Prozedere sind die Gesundheitsbehörden allerdings vielerorts nicht in der Lage, mit den Ansprüchen bezüglich der Corona-Tests Schritt zu halten. Öfters lassen Resultate auf sich warten. Zudem sollten sich viel mehr Menschen testen lassen. Und dies immer wieder.

Hier könnte eine neuartige «Wearable»-Technologie …

Artikel lesen
Link zum Artikel