Schweiz
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Basel schickt Kinder in Quarantäne, Bern nicht – Kantonsarzt nimmt Stellung

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen erklärt, wieso er Ende Mai rund 80 Personen in Quarantäne wegen zweier Infektionen schickte. Und weshalb das nicht überall Sinn ergibt.



Diese Reaktion des Kantons Basel-Stadt sorgte sogar im nahen Ausland für Aufsehen: Zwei Geschwister wurden Ende Mai positiv auf das Coronavirus getestet. Der Kantonsarzt ordnete eine radikale Massnahme an und steckte rund 80 Personen in Quarantäne. Am Ende kam alles gut heraus: Keine Lehrerin, kein Mitschüler, keine Familienangehörige wurde beim Kontakt mit den beiden Kindern angesteckt.

Diese Woche gab es einen weiteren positiven Test in einem Kindergarten in Lyssach BE. Eine Quarantäne gab's jedoch nicht: Der Unterricht wird fortgeführt.

Stellt sich die Frage: Warum hat der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen zu dieser Massnahme gegriffen? Schriftlich teilt er mit, dass man bei übertragbaren Krankheiten immer «individuell, ausgehend von den vorhandenen Richtlinien» entscheide und die «spezifischen fallbezogenen Faktoren» berücksichtige.

Thomas Steffen, Leiter Medizinische Dienste im Gesundheitsdepartement Basel-Stadt, an der Polmedinform im Rathaus in Basel am Donnerstag, 27. September 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Thomas Steffen ist Kantonsarzt in Basel-Stadt. Bild: KEYSTONE

Quarantäne wegen hoher Bevölkerungsdichte in Basel

Aus seiner Antwort liest sich heraus, dass er Gründe für die radikale Quarantäne für 80 Personen hatte. Im Fall mit den beiden Geschwistern habe es keine «eindeutige Ansteckungsquelle» gegeben. Er musste zudem die «besondere Situation in Basel mit seiner sehr hohen Bevölkerungsdichte» berücksichtigen.

Steffen erklärt weiter, dass er regelmässig mit anderen Kantonsärztinnen und Kantonsärzten im Kontakt stehen würde. Allen sei bewusst, dass es regionale Unterschiede gibt und dies auch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen bei Massnahmen führen könnte. «Das macht auch Sinn», kommentiert Steffen.

Schulöffnung positiv – Gefahr für Kinder «zum Teil kontrovers»

Der Kantonsarzt gab zudem ein erstes Fazit zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Dieser erfolgte am 11. Mai. Einen Monat danach sagt Steffen: «Insgesamt ist die Lage erfreulich stabil. Die Wiederaufnahme des Schulbetriebes mit Schutzkonzepten hat gut funktioniert.»

Gleichwohl appelliert er, umsichtig zu bleiben. Dies auch wegen der ungeklärten Frage bezüglich der Gefahr durch das Coronavirus für Kinder: «Die wissenschaftliche Diskussion rund um dieses Thema wird zum Teil kontrovers geführt und ist noch nicht abgeschlossen. Wir gehen deshalb mit besonderer Umsicht vor.»

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zat 13.06.2020 13:36
    Highlight Highlight Auf den ersten Blick erscheinen 80 Personen in Quarantäne für zwei Fälle viel. Aber wenn man die Schüler zweier Klassen nimmt, deren Familien mitzählt, und dann noch die Lehrpersonen dazu, ist man schnell bei 80 Kontakten.
  • Zat 13.06.2020 13:19
    Highlight Highlight Der Kantonsarzt bei uns lässt die Schule bei einem positiven Fall nicht mal die anderen Klassen informieren, welche die gleichen Räume benutzen und in der Pause zusammen tschutten. Transparente Kommunikation sieht anders aus.
  • Zat 13.06.2020 13:13
    Highlight Highlight Ich sehe eher das Vorgehen des Berner Kantonsarztes für die Nicht-Quarantäne der Gpänli in Lyssach als problematsch an. Der wäre ja dann auch für die Kitas in Biel zuständig, oder? Was ist die Argumentation des Berner Kantonsarztes für die Nicht-Quarantäne.
  • sowhat 13.06.2020 06:56
    Highlight Highlight ... und wenn die Kinder andere angesteckt hätten und er sie und ihr Umfeld nicht in Quarantäne geschickt hätte, stünde er jetzt am Pranger...
  • MartinZH 12.06.2020 21:16
    Highlight Highlight Nachdem nun nicht mehr der Bund regiert und die Kantone in vielen Bereichen so agieren können, wie sie wollen, wird es noch viele solche Probleme geben. Erst recht, wenn die Kantonsärzte dann mit den Resultaten der Tracing-App individuelle Erlasse verfügen können. Hoffentlich geht dieser "gutschweizerische Kantönligeist" nicht ins Auge. 😔
    • PeteZahad 13.06.2020 01:13
      Highlight Highlight Mit der Tracing App wird es nicht möglich sein Kantonale Resultate auszuwerten, da keine Standorte erfasst werden.
    • sowhat 13.06.2020 06:58
      Highlight Highlight Ich kann hier kein Problem sehen, Martin. Unterschiedliche Situationen dürfen unterschiedliche Massnahmen nach sic ziehen.
  • Garp 12.06.2020 20:03
    Highlight Highlight Mich würd mehr die Antwort des Berner Kantonsarzt interessieren. Der wollte wohl keine Auskunft geben.
  • lilie 12.06.2020 19:35
    Highlight Highlight Die Begründung des Kantonsarztes ist für mich leider nicht nachvollziehbar. Müsste das Hauptkriterium für die Quarantäne der andern Kindern nicht sein, ob das Kind in den Tagen vor Auftreten der Symptome im Kindergarten war oder nicht? Denn das ist doch der springende Punkt des Contact Tracings.

    Der Hinweis aber, dass man nicht wisse, wo sich das Kind angesteckt hat, ist doch eine andere Baustelle.

    Wie auch immer, ich hoffe natürlich, der Kantonsarzt hat hier kompetent entschieden, und dass alle gesund bleiben. 👍
    • i schwörs 12.06.2020 19:56
      Highlight Highlight lilie, ich nehme an, die Kinder wurden getestet, nachdem Symptome auftraten. Bis zum Auftreten der Symptome sind die Kinder wohl zur Schule gegangen (Öffnung 11. Mai, soviel ich weiss). Und man weiss nicht, wie lange es bei diesen Kindern dauerte, bis sie symptomatisch wurden. Aus der Sichtweise, besser safe than sorry, kann ich den Entscheid schon nachvollziehen. In diesem Fall wärs zwar nicht nötig gewesen, aber eben. Das Risiko, dass ein neuer Herd entsteht, mit heftigeren Konsequenzen als Quarantäne für 80 Personen, bestand wohl schon. Schliesse mich Deiner Hoffnung an :)
    • lilie 12.06.2020 20:10
      Highlight Highlight @i schwörs: Schule? Ich dachte, es wäre ein Kindergarten gewesen. Und es wurde doch nur 1 Kind symptomatisch.

      Wie auch immer, anscheinend wurden die Kriterien gelockert: Mussten bisher alle Kontaktpersonen in Quarantäne für 10 Tage (ohne Symptome), gelten heute Kindergarten- und Schulgspänli nicht einmal mehr als Kontaktpersonen. Eine Schliessung gibts nur, wenn 2 oder mehr der Klasse positiv getestet wurden:

      https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/information-fuer-die-aerzteschaft/contact-tracing.html

      Ok. 🤔
    • SeboZh 12.06.2020 20:25
      Highlight Highlight Hab ja im anderen Kommentar bereits den Sinn bezweifelt... Auch dieser Text schmälert mein bezweifeln noch nicht
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