Schweiz
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«Solche Szenen wollen wir in Zürich nicht sehen»: Am Samstagabend bildeten sich in der Basler Ausgehmeile zahlreiche Menschentrauben. bild: screenshot telebasel

Basel droht mit Corona-Sperrungen – auch andere Städte bereiten sich auf Auffahrt vor

Just zum verlängerten Auffahrtswochende gibt der Sommer richtig Gas. Das schöne Wetter wird Zehntausende nach draussen locken. Die Schweizer Städte reagieren unterschiedlich, um Rudelbildungen wie in der Basler Partymeile zu verhindern.



Der Corona-Leichtsinn grassiert in der Schweiz. Zumindest kann man diesen Eindruck erhalten, wenn man mit aufmerksamen Augen durch Quartiere und Innenstädte streift. Freunde umarmen sich plötzlich wieder, Kumpels sitzen in grossen Gruppen zusammen und trinken Bier.

Es scheint, als sei die tödliche Gefahr des Coronavirus wegen mit dem Lockdown-Ende aus vielen Köpfen verschwunden. Umso mehr, wenn ordentlich Alkohol im Spiel ist. In der Steinenvorstadt in Basel versammelten sich am Samstagabend so viele Menschen, dass die gebotenen zwei Meter Abstand unmöglich einzuhalten waren. Ein Aufschrei ging durchs Land. «Diese Bilder machen mir schon Sorgen. Da scheinen sich viele Leute nicht an die offiziellen Empfehlungen zu halten», sagt auch die Epidemiologin Olivia Keiser im watson-Interview.

Basel

Die dicht bevoelkerte Einkaufsmeile Freie Strasse in Basel, am Samstag, 16. Mai 2020. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

In Basel drängten sich die Menschen in der Innenstadt. Bild: KEYSTONE

Nun steht das verlängerte Auffahrtswochende mit ersten lauen Sommerabenden vor der Türe. Szenen wie in der Steinenvorstadt haben die Verantwortlichen der Stadt Basel aufgeschreckt. Die Sicherheitsbehörden fassen nun gezielte Absperrungen von Arealen ins Auge: «Wenn Personen wieder so dicht beieinander sind, dass die BAG-Massnahmen nicht eingehalten werden können, sind Absperrungen nicht ausgeschlossen», sagt Toprak Yerguz, Sprecher der Justizdirektion Basel, zu watson. Wenn der Vorfall vom letzten Wochenende etwas Gutes habe, dann seine Bedeutung als «Schuss vor den Bug».

Basler Regierung verkleinert Beizen-Zone

Die Basler Regierung kündigt nach der ausufernden Partynacht in der Steinenvorstadt nun härtere Massnahmen an. Dort ansässige Gastrobetriebe dürfen ihre Boulevardbereiche nicht mehr ausdehnen. Zudem will die Polizei ihre Präsenz vor Ort erhöhen. Und für den Extremfall wird eine totale Sperrung der Strasse ins Auge gefasst. Die Basler Regierung habe einen dreistufigen Massnahmenplan für die Gastrobetriebe in der Steinenvorstadt beschlossen, um einen Menschenauflauf wie am vergangenen Samstag zu verhindern, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

So macht die Regierung als erste Massnahme die am 12. Mai gewährte Ausdehnung der Aussenbereiche ohne Bewilligung in der Steinenvorstadt per sofort rückgängig. Nachdem am vergangenen Samstag zahlreiche Personen Abstandsregeln missachtet hätten, seien die Voraussetzungen für die Ausdehnung der Aussenbestuhlung nicht mehr gegeben.

Für Restaurants, Cafés und Bars in der Steinenvorstadt gelten wieder die Boulevardflächen gemäss den ordentlichen Bewilligungen. Die Polizei wird zudem ihre Präsenz in der Steinenvorstadt erhöhen und kontrollieren, ob sich die Gäste künftig an die Abstandsregeln halten. Falls nötig, werden Ermahnungen und Bussen ausgesprochen.

Zürich

ARCHIVBILD --- ZUR MELDUNG VOM 20. MAERZ 2020, DASS DIE STADT ZUERICH WEGEN DEM CORONAVIRUS DAS GANZE SEEBECKEN SPERRT, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Menschen geniessen das Wetter am Zuerichsee, aufgenommen am Sonntag, 15. Maerz 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

In Zürich bleibt das Seebecken weiterhin gesperrt. archivBild: KEYSTONE

Auch Zürich schliesst temporäre Absperrungen nicht aus. «Die Stadtpolizei wird einschreiten, wenn ‹es überbordet›», sagt die Stadtzürcher Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger. Bilder wie in Basel wolle man in Zürich nicht sehen. Aber klar sei: «Die Leute haben ein Nachholbedürfnis.»

«Die Stadtpolizei wird einschreiten, wenn es überbordet.»

Karin Rykart, Sicherheitsvorsteherin Zürich

Vielen Menschen sehnen sich danach, endlich wieder am Zürichsee flanieren und sünnelen zu können. Der Druck, das Zürcher Seebecken für die Bevölkerung wieder zu öffnen, sei «gigantisch» so Rykart. Nichtsdestotrotz bleiben die grossen Zürcher Quaianlagen am See geschlossen. «Das Utoquai zu räumen an einem Freitagabend, wenn zu viele Leute zu nahe beieinanderstehen und die Leute den Platz nicht verlassen wollen, ist nicht machbar», so Rykart zur NZZ.

Luzern

Die Altstadt von Luzern am Donnerstag, 7. Mai 2020 waehrend den Vorbereitungen zu den Wiedereroeffnungen vieler Restaurants und Geschaeften am naechsten Montag. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Das Seebecken ist für die Luzerner frei zugänglich. Bild: KEYSTONE

«Es kommt in Luzern vermehrt zu Diskussionen zwischen Einsatzkräften und See-Besuchern.»

Armida Raffeiner, Krisenstab Luzern

Anders sieht es in Luzern aus. Dort hat die Stadt am 11. Mai das Seebecken für die Bevölkerung wieder geöffnet. Doch die Akzeptanz für die Abstandsregeln schwindet. «Es kommt vermehrt zu Diskussionen zwischen Einsatzkräften und See-Besuchern», wie Armida Raffeiner vom lokalen Krisenstab zur Luzerner Zeitung sagt. Die Behörden haben darum eigens einen Sicherheitsdienst engagiert, der die Leute an das Corona-Regime erinnert und falls nötig die Polizei alarmiert.

Bern

Zwei Frauen geniessen den Blick vom Rosengarten auf die Stadt Bern, waehrend der Coronavirus (Covid-19)-Pandemie, am Mittwoch, 18. Maerz 2020, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Der Rosengarten bleibt auch am Auffahrtswochenende geöffnet. Bild: KEYSTONE

In der Bundesstadt sind laut Behörden vorerst keine weiteren Massnahmen geplant, um Corona-Regeln durchzusetzen. Die Polizei werde wie gewohnt patrouillieren und wenn nötig einschreiten. Trotz «Ermüdungserscheinungen» bei der Bevölkerung und schönem Wetter sind die Behörden zuversichtlich: «Die Bernerinnen und Berner haben in den letzten Wochen mehr als bewiesen, dass sie die notwendigen Massnahmen einhalten können und wollen», sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause zum Bund.

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