Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Urs Rohner, president of the board of Credit Suisse, speaks during a press conference of the Observation of Iqbal Khan in Zuerich, Switzerland, Tuesday, Oct. 1, 2019. (Ennio Leanza/Keystone via AP)

CS-Präsident Urs Rohner stellt sich hinter CS-Chef Tidjane Thiam. Bild: AP

«Thiam wird noch lange Chef bleiben» – CS-Präsident Urs Rohner zur Beschattungs–Affäre

Nach der Beschattungs-Affäre und dem Streit zwischen den beiden Bankern Thiam und Khan nimmt CS-Präsident Rohner im Tagesanzeiger Stellung.



Was wurde in den letzten Wochen alles über die Beschattungs-Affäre um (seit heute) UBS-Mann Iqbal Khan geschrieben? Und um dessen Streit mit CS-Chef Tidjane Thiam. Von Bäumen, die der eine vor der Villa des anderen pflanzen liess, war die Rede. Von Streit an einer Cocktail-Party und schliesslich von einem Selbstmord des Mannes, der die Überwachung Khans in Auftrag gegeben haben soll.

Wie steht es um den Ruf der CS?

Jetzt meldet sich also CS-Präsident Urs Rohner zum Thema. In einem Interview mit dem Tagesanzeiger spricht er von «Fehlern, die gemacht wurden». Er hoffe, dass mit der Veröffentlichung der internen Untersuchung jetzt Klarheit über die wichtigsten Punkte herrsche und es wieder ruhiger um die CS werde. Aber er sei auch nicht naiv: «Es wird nicht so schnell ruhig werden», so Rohner.

«Die Sache war auch für die Mitarbeiter sehr belastend.»

Urs Rohner, Präsident der CS tagesanzeiger

Auf die Grösse des Rufschadens der CS angesprochen, meint Rohner, dass dies schwer abzuschätzen sei. Natürlich sei ein Rufschaden entstanden.

«Keine Bank will öffentlich am Pranger stehen, schon gar nicht mit einer solchen Geschichte. Es war für mich fast unerträglich einzugestehen, dass wir unseren eigenen Mitarbeiter bespitzelt haben», so Rohner im Tagesanzeiger-Interview. Die Bank würde das nicht gutheissen, es handle sich aber um einen Einzelfall.

«Wir haben keine Kenntnis darüber, dass es zu weiteren Überwachungen gekommen wäre.»

Hat Thiam wirklich von nichts gewusst?

Laut der internen Untersuchung sollen nur zwei Personen der CS von der Überwachung Khans gewusst haben: Der operative Chef Pierre-Olivier Bouée und Sicherheitschef Remo Boccali. Da Bouée als die rechte Hand von CS-Chef Thiam gilt, liegt die Vermutung natürlich nahe, dass Thiam selber über die Überwachung informiert war.

«Die Geschäftsleitung steht hinter Thiam.»

Dies verneint Rohner. Thiam habe ihm bestätigt, dass er nichts von dem Auftrag wusste und er sähe «keinen Grund daran zu zweifeln.» Dass es bei einem Unternehmen von der Grösse der CS passiere, dass eine kleine Gruppe ohne das Wissen des Chefs handelt, davor sei niemand gefeit. Da nützten auch die besten Prozesse nichts, meint Rohner.

Er glaube auch nicht, dass Thiam als Bankenchef jetzt geschwächt sei. «Ich habe mit allen Geschäftsleitungsmitgliedern gesprochen – sie stehen alle hinter Thiam.»

Tidjane Thiam, CEO of Credit Suisse, speaks at the Bloomberg Global Business Forum, Wednesday, Sept. 25, 2019, in New York. (AP Photo/Mark Lennihan)

CS-Chef Thiam wird von Präsident Rohner in Schutz genommen. Bild: AP

Thiam hätte mit der Bank in den letzten Jahren viel erreicht und würde auch noch lange Chef der Bank bleiben. Für Bouée werde das Arbeitsverhältnis «unter Beachtung der üblichen Kündigungsfrist beendet.»

Was spielt der Streit zwischen Thiam und Khan für eine Rolle?

Laut Urs Rohner, CS-Präsident, keine. «Die Beziehung zwischen Iqbal Khan und Tidjane Thiam war für diese Untersuchung nicht relevant.» Beide hätten ihm Anfang Jahr (nach dem die Situation in Thiams Villa anscheinend eskalierte, Anm. d. Red.) versichert, dass sie weiter vernünftig zusammenarbeiten würden. Und beide hätten auch gute Ergebnisse geliefert.

Zum Vorfall in Thiams Villa äussert sich Rohner sehr zurückhaltend, da er nicht dabei gewesen sei. Der Umgang der beiden in der Geschäftsleitung sei jedoch auch nach diesem Vorfall absolut professionell gewesen. Auch wenn die beiden die Vorfälle gegenüber Rohner verschieden geschildert haben. Dies sei jedoch mehr «in der Bewertung des Falls und der Tonalität» gewesen, so Rohner. Und auch mit der Austrittsvereinbarung von Khan sollen alle Mitglieder der Geschäftsleitung zufrieden gewesen sein.

«Weil ich selber bei diesem Vorfall nicht dabei war, kann ich mich über diese private Angelegenheit hier nicht äussern.»

Zu den Gerüchten, dass Khan sich nach der Auseinandersetzung mit Thiam bedroht gefühlt haben soll, will Rohner keine Stellung nehmen.

Der Leiter der Internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse, Iqbal Khan, tritt per sofort ab.

Iqbal Khan soll sich nach dem Streit in Thiams Villa bedroht gefühlt haben.

Fakt sei, dass die Untersuchung des Vorfalls genau prüfte, «ob es andere Motive für den (Überwachungs)Auftrag gab, als zu prüfen, ob Iqbal Khan Kunden und Mitarbeiter abwerben will.» Und das sei nicht der Fall gewesen. Rohner sagt weiter im Tagi-Interview: «Der Auftrag zur Überwachung wurde erst erteilt, als klar wurde, dass Khan zur UBS wechselt. Diese Schlussfolgerung des Berichts ist eindeutig.»

Wie weiter mit der CS?

Mitarbeiter und Kunden der Bank würden sich nach dieser ganzen Affäre nicht abwenden, so Rohner. Im Gegenteil, viele Kunden hätten der Bank den Rücken gestärkt. Einige Aktionäre hätten sich gar schon öffentlich für die CS ausgesprochen. «Ich kriege von Kunden recht viel Post. Und es gibt immer ein paar Leute, die auch mal einen nicht so freundlichen Brief schreiben.» Letzte Woche seien es aber weniger als zehn von diesen gewesen.

«Es gibt immer ein paar Leute, die auch mal einen nicht so freundlichen Brief schreiben.»

Der Selbstmord des Mittelmannes mache auch ihn persönlich betroffen, betont der CS-Präsident Rohner. Ob untersucht werde, wer den Namen des Mittelmannes an die Medien weitergab, kann er im Moment noch nicht sagen. «Sofern es Aspekte geben sollte, die für unsere Bank relevant sind, werden wir diese selbstverständlich aufnehmen.» (dac)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die CS-Chefs

Greenpeace demonstriert an CS-GV

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Liste mit 12'000 Nazis in Argentinien entdeckt – Konten bei der SKA

In Argentinien ist eine Liste mit den Namen von 12'000 Nazis aufgetaucht, die ab den 1930er-Jahren in dem südamerikanischen Land gelebt haben sollen. Ein argentinischer Ermittler sei in einem alten Lagerhaus in Buenos Aires auf die Liste mit Sympathisanten des Hitler-Regimes gestossen.

Eine Grosszahl der Nazi-Sympathisanten zahlte demnach Geld auf eines oder mehrere Konten bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) ein, der heutigen Grossbank Credit Suisse mit Sitz in Zürich, wie das …

Artikel lesen
Link zum Artikel