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Wolfgang Wodarg Teaserbild

Videos, wie sie der deutsche Arzt Wolfgang Wodarg verbreitet, sind brandgefährlich. Bild: watson/youtube/shutterstock

«Kompletter Blödsinn» – so demontiert ein Biophysiker ein Video eines deutschen Arztes

Ein Video eines deutschen Arztes, der die Corona-Krise für reine Panikmache hält, findet auf den sozialen Medien grosse Beachtung. Richard Neher, Biophysiker am Biozentrum der Universität Basel, demontiert die Aussagen des vermeintlichen Experten und entlarvt seine Aussagen als das, was sie sind: «Kompletter Blödsinn.»



Es geht ein Gespenst um in den sozialen Medien. Das Gespenst heisst Wolfgang Wodarg. Er ist Protagonist verschiedener Videos, die derzeit auf WhatsApp, Facebook und Twitter verbreitet werden. Mit ernstem Blick hinter runden Brillengläsern schaut Wodarg in die Kamera und verkündet die Wahrheit. Vermeintlich.

Die wenige Minuten langen Filme heissen «Stoppt die Corona-Panik» oder «Krieg gegen die Bürger». Darin erklärt Wodarg, warum die Corona-Krise reine Panikmache sei. Solche Viren habe es schon immer gegeben. Bisher habe man ihnen einfach keine so grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Jeden Winter würden Menschen an der Grippe sterben, darunter auch solche, die mit dem Coronavirus infiziert worden seien. Alles sei jetzt eine Effekthascherei von Wissenschaftlern, die sich wichtig machen wollen und auf Geldmacherei aus seien.

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Wolfgang Wodarg will in Videos die Wahrheit über das Coronavirus erzählen und betreibt damit gezielte Desinformation.

«Das ist kompletter Blödsinn»

Problematisch ist: Wodarg ist kein Spinner, kein rechter Verschwörungstheoretiker, kein Esoteriker, kein Impfgegner. Er ist Arzt, Lungenspezialist gar, und sass bis 2009 für die SPD im Deutschen Bundestag. Das macht ihn zu einer scheinbar glaubwürdigen Quelle. Und zu einer grossen Gefahr.

Denn was Wodarg in seinen Videos sagt, ist schlichtweg falsch. Oder «kompletter Blödsinn», wie es Richard Neher unmissverständlich ausdrückt. Der Professor für Biophysik am Bioinstitut der Universität Basel klärt auf: «Coronaviren gibt es zwar schon lange, aber dieses neue Coronavirus, mit dem wir jetzt zu tun haben, ist erst vor vier Monaten in die menschliche Population übergetreten.» Das Virus sei genau untersucht worden und man habe festgestellt, dass sich sein Erbgut – egal wo auf der Welt das Virus auftrete – sehr ähnlich sei. «Daraus können wir schliessen, dass der gemeinsame Vorfahre des Virus erst wenige Monate alt ist. Die Aussage, dass es dieses Virus schon lange gebe, ist also falsch.»

«Solche Desinformation führt dazu, dass die Menschen die Vorsichtsmassnahmen zur Infektionskontrolle nicht ernst nehmen und damit eine weitere Ausbreitung des Virus befördern.»

Richard Neher

Die Ansage von Neher ist deutlich: «Was Herr Wodarg da macht, ist unverantwortlich. Solche Desinformation führt dazu, dass die Menschen die Vorsichtsmassnahmen zur Infektionskontrolle nicht ernst nehmen und damit eine weitere Ausbreitung des Virus befördern.» Auch bezüglich der Mortalität verbreite der vermeintliche Experte Wodarg Unwahrheiten.

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Richard Neher ist Professor für Biophysik am Bioinstitut der Universität Basel. bild: unibas

Die Sterblichkeit ist um ein Vielfaches erhöht

In seinen Videos spielt er die Sterblichkeit des Virus herunter, sagt, es würden nicht mehr Menschen sterben wie an einer normalen Grippe auch. Doch auch das ist Unsinn, wie Neher sagt. Der Wissensstand zur Mortalität werde immer besser. Indem man immer mehr Populationen in ihrer Gesamtheit habe testen können, sei es möglich, genaue Ergebnisse daraus abzuleiten. «Wir stellen fest, dass bei den über 70-jährigen mit dem Virus angesteckten Personen fünf Prozent sterben.»

Zwar sehe es europaweit danach aus, als ob nur wenig Menschen an dem Virus sterben würden. Aber im Epizentrum der Pandemie sei die Mortalität um ein Vielfaches erhöht. «In den italienischen Gemeinden, die besonders schwer betroffen sind, sterben derzeit viel mehr Menschen als in einem normalen Winter. Dazu muss man sich nur mal die Todesanzeigen der Zeitung von Bergamo zu Gemüte führen.»

Neher wird deutlich: «Ohne Impfstoff und ohne geeignete Massnahmen geht man davon aus, dass sich zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer mit dem Virus anstecken werden. Bei einem Prozent wird der Krankheitsverlauf tödlich enden.»

Darum sei es jetzt wichtig, dass man anstatt solche Videos zu verbreiten sich richtig informiere und an die verordneten Massnahmen halte. So sei es möglich, die Ansteckungskurve abzuflachen.

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