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«Feminismus ekelt mich an»: Wie diese junge Bloggerin einen Aufschrei auslöst und sich unsere Redaktorinnen deshalb in den Haaren liegen



Der Feminismus schaffe sich selbst ab, schreibt die deutsche Bloggerin Ronja Rönne. Und trifft damit einen Nerv: Über 12'000 Mal wurde der Kommentar der 23-Jährigen über Feminismus auf Welt.de geteilt, rund 200 Mal kommentiert. Rönnes Kernaussagen:

Hat sie recht oder nicht? Braucht es Feminismus oder nicht? Die watson-Redakteurinnen Gina Schuler, 23, und Rafaela Roth, 27, streiten sich.

Gina Schuler, 23
Wie die Autorin habe ich, und viele in meinem Alter, nie mit diesem Problem gekämpft – weil vielleicht meine Generation eine der ersten ist, die nicht mehr mit den in Stein gemeisselten Rollenbildern aufgewachsen ist (ausser dass es natürlich immer noch die beschissenen Meitli- und Buebe-Abteilungen in den Läden gibt, aber das geht mir zu weit) und dementsprechend diese Probleme nicht kennt. Das ist ein gutes Zeichen für den Kampf um Gleichberechtigung.
Mir geht's nur auf den Senkel, dass ich als ignorant hingestellt werde, weil mir die Feminismus-Diskussionen auf den Senkel gehen.
Ich glaube an unsere Macher-Generation. Ich fühle mich gleichberechtigt. Und klar, man kann darüber diskutieren, wo überall noch Handlungsbedarf besteht. Aber dann kann ich gleich aufhören zu leben. Denn Missstände gibt es überall. Und sorry an alle, aber ich finde in meiner Lage, mit meinem Alter, in meiner Generation, ist Gleichberechtigung mein kleinstes Problem. 

Rafaela Roth, 27
Es ist nicht besonders cool, Feministin zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, warum junge Frauen wie die Welt-Redakteurin Ronja von Rönne lieber keine sein wollen. Es ist viel cooler zu sagen, dass man diese ganze Debatte überhaupt nicht nötig hat. Das ist Mist, sehr verwöhnt und fernab der Realität. Solange Frauen rund um den Globus mit gleicher Ausbildung auf gleichem Posten weniger verdienen als Männer, haben wir ein gesellschaftliches Problem. Solange gefordert wird, dass Frauen sich – gerade bei Lohnverhandlungen – den Gepflogenheiten der Männer anpassen, läuft etwas schief. Solange überhaupt Forderungen nach Frauenquoten auftauchen, weil die Frauen angeblich nirgends aufzutreiben sind, haben wir ein strukturelles Problem. Hunger existiert, obwohl ich grad nicht hungere. Häusliche Gewalt existiert, auch wenn ich es Daheim friedlich habe. Ungleicheit zwischen den Geschlechtern existiert, auch wenn ich nicht darunter leide. Deshalb dürfen wir die Geschlechter-Debatte nicht auf radikale «Emma»-Autoren reduzieren und für überflüssig erklären. Feministin zu sein, heisst Humanistin zu sein. Und das ist verdammt cool.

Was ist deine Meinung dazu? Diskutiere mit!

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