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ZUR HEUTIGEN BUNDESRATSSITZUNG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Studentinnen und Studenten der kommunikationswissenschaftlichen Fakultaet folgen am 14. April 2010 im

In Zürich gehören sie zur Studierendenschaft. In St. Gallen wären sie Teil der Studentenschaft. Bild: KEYSTONE

Die «Studenten» der HSG sind in Bern, Basel oder Zürich längst «Studierende»

Die Studenten-Vertretung der HSG wehrt sich gegen eine geschlechtsneutrale Schreibweise und argumentiert, dabei entstünden Kosten im fünfstelligen Bereich. Die Uni Bern vollzog die Umbenennung vor zwei Jahren ohne Probleme – und kostengünstig.



Wer an der Universität St. Gallen (HSG) studiert, gehört zur Studentenschaft und nicht zur Studierendenschaft. Wer denkt, diese Begriffe seien doch genau dasselbe, irrt. Der Unterschied ist weitaus grösser als ein paar zusätzlichen Buchstaben.

Die «Studentenschaft» rührt vom Begriff «Student» her, einem generischen Maskulinum – einem Wort also, dessen männliche Form die weibliche inkludiert. Theoretisch. In der Realität ist die männlichen Verallgemeinerung je länger desto mehr verpönt. Vielerorts wird auf eine geschlechtergerechte Sprache gesetzt. So werden Studenten zu Studierenden, einer nicht-differenzierenden Pluralform, die alle Geschlechter einschliesst.

Streit um Umbenennung

Doch die Studenten-Vertretung der HSG wehrt sich gegen diese geschlechtsneutale Schreibweise – seit sechs Jahren. Schon im Winter 2014 entbrannte ein Streit im Vorstand und Parlament der Studentenschaft. Der Vorstand wollte die Studentenschaft in Studierendenschaft und das Studentenparlament in Studierendenparlament umbenennen. Für Unmut sorgte, dass diese Änderung mit Kosten im Umfang eines «vier- bis fünfstelligen Betrags» verbunden gewesen wäre. So schrieb es der Vorstand in einem Facebook-Post. Später wurden die Kosten auf eine maximal fünfstellige Zahl herunterkorrigiert, bevor der Passus schliesslich komplett aus dem Post gestrichen wurde. Der Blick berichtet damals über den «HSG-Zoff wegen Gender-Puff».

Jetzt wiederholt sich der Streit aufs Neue. Und wieder schiebt der Vorstand der Studentenschaft «prozedurale und materielle Gründe» dafür vor, dass sie die Vorlage zur Umbenennung ablehnen. Der Vorstands-Präsident rechnete, dass Kosten von 180'000 Franken und ein Aufwand von 7000 Arbeitsstunden entstehen würden. Dies entsprächen 3,2 Vollzeitstellen während eines ganzen Jahres. Als ein Redaktor des Studierendenmagazins «Prisma» diese Kosten in einem Artikel in Zweifel ziehen wollte und sich für eine geschlechtergerechte Sprache auf dem Uni-Campus einsetzte, wurde ihm kurzerhand ein Maulkorb auferlegt. Seinen Kommentar strich man aus der Zeitung. Darüber berichtete das «St. Galler Tagblatt».

In Bern verlief die Umbenennung unkompliziert und günstig

Während die Studenten-Vertretung der Universität St. Gallen am generischen Maskulinum festhält, findet dieses an anderen Hochschulen längst keine Verwendung mehr. In Bern hat sich die Vertretung der Studierenden 2018 umbenannt. Von «StudentInnenschaft» in «Studierendenschaft» der Universität Bern, abgekürzt SUB. «Die Namensänderung hatte zum Ziel, alle Studierenden der Uni einzubeziehen und dem eigenen Anspruch an einen inklusiven Sprachgebrauch gerecht zu werden», sagt Natascha Flückiger, vom Vorstand der SUB. Natürlich sei dies mit einem gewissen Aufwand verbunden gewesen. «Das hat die SUB aber nicht daran gehindert, diesen Schritt zu gehen.»

Unter anderem beinhaltete die Namensänderung eine Anpassung der Webseite, der E-Mail-Signaturen und der Dokumentvorlagen – alles in allem digitale Anpassungen, die relativ schnell und unkompliziert vorgenommen werden konnten. Zudem musste die Ausschilderung auf dem Universitätsareal geändert werden – laut Flückiger waren es etwa 20 Schilder an je 500 Franken – was von der Uni Bern selber übernommen wurde. Was das Werbe- und Büromaterial betrifft, seien nur geringe Mehrkosten entstanden. Flückiger bilanziert: «Für die SUB ist unverständlich, wie das Studentenparlement der HSG auf Kosten in der Höhe von 180'000 Franken kommt.»

An der Universität Zürich ist es seit 1978 der Verband der Studierenden, der sich für die Studis einsetzt. 2012 wurde dieser in Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH) umbenannt. Dass der Begriff «Studierende» bei der Namensänderung weiterhin beibehalten wird, war damals kein Streitpunkt.

Isias Moser, Co-Präsident des VSUZH sagt, es gehe hier um gesellschaftspolitische Anliegen, die in einem universitären Rahmen durchaus ihre Berechtigung haben. «Diversität und die Gleichstellung sind für uns im Uni-Alltag wichtige Themen. Dass sie auch Eingang in die Sprache finden, ist selbstverständlich.»

In Basel wird seit 24 Jahren nicht mehr gegendert

Auch an der Universität Basel spricht bereits seit 1996 niemand mehr von der Studentenschaft. Damals wurde das Statut der Universität überarbeitet und die Vertretung der Studierenden in Studentische Körperschaft, kurz Skuba umbenannt. Alissa Ditten, Vorstandsmitglied der Skuba sagt: «Weil das schon länger zurückliegt als wir an der Uni studieren, wissen wir nicht genau, was der Grund für die Namensänderung war. Wir gehen aber davon aus, dass die Begriffe «Studenten» und «Studentenschaft» nicht mehr repräsentativ waren.»

Laut Ditten stösst der Begriff «Studierende» oder «Studierendenschaft» an der Universität Basel auf breite Akzeptanz. Inzwischen sei die neutrale Schreibweise auch auf andere Bezeichnungen ausgedehnt worden. So spreche oder schreibe man nicht mehr von den Dozentinnen und Dozenten, sondern von den Dozierenden. «Diese Form schliesst alle Menschen mit ein, auch trans-Personen», so Ditten. Dass eine Änderung der Schreibweise an der HSG Kosten von 180'000 Franken mit sich zöge, kann sie sich kaum vorstellen. «Das scheint mir etwas hoch angesetzt.» Allerdings kenne sie die Überlegungen der Studentenschaft der HSG nicht. Die Kostenzusammensetzung sei ja nicht publik.

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